Schultoiletten: Wenn es mal wieder zum Himmel stinkt

Von: Doris Kinkel-Schlachter
Letzte Aktualisierung:
5580307.jpg
„Toiletten machen Schulen“: Bei der Qualität der Klos gibt es große Unterschiede. Foto: German Toilet Organization/Kinkel-Schlachter/Müller
5580261.jpg
Frisches Design fürs stille Örtchen: Bereits vor zwei Jahren gestalteten Schüler des Berufskollegs die Mädchen-Toilette funktional und schick.
5580236.jpg
„Wir sind froh über die Rundumerneuerung“, freut sich Schulleiter Jörg Klein. An der Kogelshäuserstraße werden die Toilettenanlagen erneuert. Und Schüler sowie Kollegium freuen sich darauf, dass hoffentlich pünktlich zum Start der Sekundarschule nach den Sommerferien alles fertig ist.
5579972.jpg
Hausmeister Haralampos Dimitrakakis zeigt die alte Anlage.

Stolberg. Verschmutzte Toiletten, herumgeworfene Klopapierrollen, Geschmiere an Türen und Wänden, abgerissene Papierhalter, gepaart mit dem Geruch einer alten Bahnhofsunterführung – das Schmuddel-Image, das Schultoiletten anhaftet, gibt es auch in Stolberg.

Laut einer Befragung der German Toilet Organization (GTO) meiden rund 70 Prozent der Kinder und Jugendlichen bundesweit die sanitären Einrichtungen an ihrer Schule. Die Hauptursachen: Dreck, nicht nachgefülltes Toilettenpapier, fehlende Seife. Wie sauber sind unsere Schultoiletten, wie ist der bauliche Zustand? Es wird Zeit, laut übers stille Örtchen zu reden...

Das hat Klaus Kratz in der Vergangenheit oft gemacht. „Ich habe da in Sachen Toiletten kräftig gepoltert und Druck gemacht, das war in der Zeitung und auch im Fernsehen“, sagt der Fördervereins-Vorsitzende der Grundschule Büsbach. Da ist zum einen der vor allem aus Elternsicht desolate Zustand der Schulgebäude, und besonders der Zustand der sanitären Anlagen wurde von Förderverein und Schulpflegschaft kritisiert. Ideenreich gingen die Schüler mit der Situation um: Sie hatten Karneval auf dem Wagen ein Dixi-Klo dabei. „Wir zaubern uns neue Toiletten“, stand auf dem Wagen der als Magier verkleideten Kinder. Und heute? „Die Toiletten sind nach wie vor Thema, ein bisschen was ist mittlerweile gemacht worden, die Gespräche mit der Stadt laufen“, erklärt Kratz. Es sei zwingend erforderlich , dass an die bauliche Substanz herangegangen werde.

„Das größte Problem ist die Lage: Die Toiletten sind im Keller! Da müssen die Kinder von der obersten Etage runter, das Haus verlassen, quer über den Schulhof laufen bei Wind und Wetter, um dorthin zu gelangen“, sagt Irmgard Remmert. Für Arbeitnehmer gebe es die Regelung, dass der Weg zur Toilette nicht weiter als 100 Meter sein dürfe, „für unsere Kinder gilt das aber nicht“, ärgert sich die Schulleiterin, dass in diesem Bereich Unterschiede gemacht werden. „Wir wünschen uns Toiletten, die im Haus integriert sind. Das wäre auch machbar, wir haben ja das Hausmeister-Haus. Unser Schülerzahlen sind stabil, also wäre das auch eine Investition für die Zukunft.“

Diese Investition für die Zukunft – sie hätte bei den sanitären Einrichtungen der Realschule I längst umgesetzt werden können – und müssen, wenn es nach der Schulleitung ginge. „Unsere Toiletten sind uralt und sollten schon lange renoviert werden. Das ist auch so von der Stadt gesagt worden“, weiß Petra Mersmann. Die jüngeren Schüler würden sich bemühen, nicht müssen zu müssen, „es gibt welche, die sich das verkneifen, weil die Toiletten wirklich eine absolute Zumutung für die Schüler sind“, so die stellvertretende Schulleiterin. Die neuen Toiletten fürs Kollegium und Besucher, die auch bei Veranstaltungen offen sind, seien prima, „aber da können wir ja nicht 525 Schüler drauf lassen.“

Es stinkt also bis zum Himmel an der Walther-Dobbelmann-Straße. Oben drauf kommt, so Mersmann, dass die Toiletten durch einige wenige Schüler „verdreckst“ seien. Verschiedene Modelle wurden im Kollegium überdacht, um dem Vandalismus entgegenzuwirken, „insgesamt ist es eine sehr unbefriedigende Situation für uns“. Für Petra Mersmann ist die Realschule I die sechste Schule, an der sie arbeitet, „das Toilettenproblem ist überall!“ Aber sie gibt auch zu bedenken, dass Vandalismus eher bei einer alten denn bei einer neuen Anlage passiere, „einen Fleck auf einem alten Sofa empfinde ich ja auch nicht als so schlimm“. Das stille Örtchen auf der Liester – ein „absolut heißes Eisen“.

Ein „ganz heikles Thema und sehr grenzwertig“, so lautet auch die Zusammenfassung über die sanitären Anlagen in der Mausbacher Realschule. 400 Schüler nutzen 22 Toilettenkabinen und fünf Waschbecken außerhalb des Hauptgebäudes. Im Unterrichtstrakt sind drei weitere Toiletten, zwei Urinale sowie zwei Waschbecken. Zwei Maßnahmen hat die Schulleitung ergriffen: Jeder Lehrer hat einen Schlüssel fürs stille Örtchen und gibt diesen fürs Müssen müssen heraus – verbunden mit einem Eintrag ins Klassenbuch. Ausschließlich in der Pause wird die große Toilettenanlage geöffnet. „Wir haben zum Halbjahr damit angefangen, um die Sauberkeit zu erhöhen und den Vandalismus zu minimieren. Jetzt hat es sich positiv entwickelt, vorher war es die reinste Grauzone“, sagt Jürgen Momma. Was den baulichen Zustand betrifft, „waren wir sehr abgewirtschaftet“, so der Konrektor. Mit Hilfe der Schülervertretung und des Kollegiums waren Politik und Stadt vor Ort, „das Notwendigste wurde dann auch getan“. In Eigenintiative hat die Kunst-AG ihr Übriges getan und die Toiletten mit Mosaik verschönert. „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Hemmschwelle, etwas mutwillig kaputt zu machen, viel höher ist, wenn man zuvor an der Gestaltung beteiligt war“, betont Momma.

„Wir sind zwar nicht ganz zufrieden, aber insgesamt hält sich das alles im Rahmen des Erträglichen.“ Das ist das Fazit von Armin Ochse. Die berühmten Klopapierrollen eignen sich hervorragend zum Verstopfen und Überfluten, das hat sich auch am Ritzefeld-Gymnasium längst bewährt, weiß der Schulleiter. „Und wir sind natürlich nicht zufrieden mit den Schülern, die nicht entsprechend mit den Toiletten umgehen, wenngleich der Hauptteil der Schülerschaft pfleglich damit umgeht“, so der Oberstudiendirektor. Verschiedene Denkmodelle, solche Probleme abzuspülen, gebe es schon. Bedienstete, die darauf achten oder ähnliches, „aber das ist alles nicht so einfach und auch nicht primäre Aufgabe der Schule“. Akuten Handlungsbedarf sieht Ochse nicht, „Zerstörungswut haben wir hier nicht, und ehrlichgesagt gibt es zwar sporadische Beschwerden, aber dann ist auch wieder Ruhe“.

Die neuen Anlagen seien dem Standard entsprechend, die alten Toiletten im (außen) sanierten N-Trakt „schlichtweg alt und beklagenswert“. In den Turnhallen gibt es keine Urinale. Die Antwort auf die Frage „Wie pinkeln Männer?“ gibt der Schulleiter sich selbst: „Im Stehen.“ Dementsprechend sei hier die Verschmutzung auch höher.

„Manche Schulklos stinken wie im Tigerkäfig, vor allem bei den Jungs. Da gibt‘s die vermeintlichen Scharfschützen, die doch daneben zielen. Das sickert in die Fugen, den Gestank bekommen Sie nicht mehr raus“, weiß Ulrich Coopmann. Den Hygienestandard zu gewährleisten und eben auch, die Toiletten in einem vernünftigen Zustand vorzuhalten, das ist kommunale Aufgabe, sagt der Leiter des städtischen Hochbauamts. Klare Regelungen gebe es bei letzt Genanntem nicht, nur Richtlinien und Literatur.

Auf jeden Fall würden die sanitären Anlagen täglich von einer Reinigungsfirma sauber gehalten. Zudem sehe in jeder der 18 Schulen im Stadtgebiet ein eigener Hausmeister nach dem Rechten. Für den Gebäudeunterhalt zeichnet Jacqueline Oprée verantwortlich. „Man kann jetzt nicht sagen, dass sie die Toiletteninspektorin sei, aber sie hat schon bei der Erneuerung einiger Anlagen viel Herzblut reingesteckt, selbst entworfen, mit viel Farbe gearbeitet“, sagt Coopmann und nennt Beispiele: die neuen Anlagen am „Ritze“ und in der Kogelshäuserstraße. „Der große Rundumschlag, das können wir nicht, aber Stück für Stück“, verweist der Amtsleiter auf die finanzielle Notlage der Stadt. Von der Idee, einen kleinen Betrag für den Toilettengang zu bezahlen, wie es an einer Aachener Schule gemacht wird, hält er nichts: „Da züchtet man sich eine Zwei-Klassen-Gesellschaft schon in Kindestagen!“

Nase rümpfen stand bis vor Kurzem auch im Goethe-Gymnasium an der Tagesordnung. Es gab Geruchsprobleme, kein Wunder, schließlich „sammelt sich nach 40 Jahren so einiges an, vor allem, wenn annähernd 1000 Menschen regelmäßig die Toiletten nutzen“, sagt Bernd Decker. Gemeinsam mit der Reinigungsfirma habe der Hausmeister dem Gestank und den Kalkablagerungen den Kampf angesagt – und gewonnen. Über die Klassenlehrer trete man aber auch regelmäßig an die Kinder ran und appelliere an einen pfleglichen Umgang. „Unsere SV ist dahingehend auch sehr rührig und hat sich in der Vergangenheit für Verschönerungsmaßnahmen eingesetzt.“ Auch am „Goethe“ hat man die Erfahrung gemacht, dass der Umgang mit dem stillen Örtchen nicht gut ist, wenn selbiges schon schmuddelig ist.

Schöner könnte das Fazit nicht sein. Gesagt hat es Hille Breuer von der Grundschule Donnerberg: „Jeder hat mal das Bedürfnis, und dann möchte man das stille Örtchen auch in einem vernünftigen Zustand vorfinden.“

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert