Schulterschluss im Kampf gegen Rechts

Von: Dirk Müller
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Die Angst ist immer dabei: Weil sie Übergriffe von Neonazis befürchten, wollen die „spazierenden“ Mitglieder des Bündnisses auf Fotos nicht erkannt werden. Foto: Müller

Stolberg. Auch wenn der Aachener Polizeipräsident Klaus Oelze bemüht ist, die Neonazi-Aufmärsche in der Kupferstadt zu verbieten, ist das letzte Wort darüber noch nicht gesprochen. „Da es für den sogenannten ,Fackelmarsch‘ und den sogenannten ,Trauermarsch‘ am Freitag, 5., beziehungsweise Samstag, 6. April, einen Anmelderwechsel gegeben hat, läuft derzeit noch die Anhörungsfrist“, teilte Polizeipressesprecherin Sandra Schmitz auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Fest steht hingegen, dass das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus an beiden Tagen Zeichen für Menschlichkeit und Toleranz setzen wird.

Ebenfalls tätig sein wird das regionale Bündnis „Stolberg Nazifrei“, das aus dem ehemaligen „Blockade Bündnis“ hervorgegangen ist. „Die Namensänderung sollte einerseits das Ziel, für das wir stehen, in den Fokus rücken. Andererseits ist der zivile Ungehorsam in Form einer Sitzblockade nur eines der legitimen Mittel, die wir einsetzen, um dieses Ziel zu erreichen“, erklärt Frank Taufenbach, Sprecher des Bündnisses „Stolberg Nazifrei“.

Ein anderes Mittel etwa ist der „antifaschistische Info-Spaziergang“, auf den sich einige Mitglieder des Bündnisses am Wochenende begeben haben. „Es geht darum, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen“, erklärte Robert Pattai. Bei dem Spaziergang wolle die Gruppe Flyer und Plakate verteilen, Präsenz zeigen und so auf die Demonstration gegen Faschismus, Rassismus und Antisemitismus aufmerksam machen, die das Bündnis „Stolberg Nazifrei“ am Samstag, 6. April, um 10 Uhr ab dem Mühlener Markt abhalten wird.

Während die Bündnis-Mitglieder der Kälte und dem stürmischen Wind trotzen, sind Passanten an diesem unfreundlichen Samstagmittag aber rar in Stolbergs Innenstadt. Für die Gruppe kein Problem, denn es bleiben die Geschäftsleute. „Wenn wir Flyer in Ladenlokalen auslegen und Plakate in Schaufenstern positionieren können, informieren wir damit die Bevölkerung längerfristig über unsere Demo gegen die Rechtsradikalen“, erläutert Pattai.

Mit den Kupferstädter Geschäftsleuten habe das Bündnis bereits im vergangenen Jahr gute Erfahrungen gemacht: „Die meisten beteiligen sich bereitwillig, da sie nicht wollen, dass Neonazis in ihrer Stadt marschieren, und zudem wissen, dass von unserem Bündnis keinerlei Eskalation ausgeht und wir uns grundsätzlich gewaltfrei für ein nazifreies Stolberg einsetzen.“ Und die „guten Erfahrungen“ scheinen sich fortzusetzen: Im ersten Geschäft dauert das Gespräch nur kurz, man kennt sich. Und kaum verlassen die Bündnis-Mitglieder das Ladenlokal, hängt auch schon ein Plakat im Fenster. Die Gruppe zieht weiter, denn es gibt noch viel zu tun – trotz des Verbots der Neonazi-Aufmärsche durch den Polizeipräsidenten.

„Wir sehen dieses Verbot natürlich sehr positiv, sind aber skeptisch, ob es am Ende auch wirklich durchgesetzt werden kann“, zweifelt Pattai. Zu oft schon hätten in anderen Städten und ähnlichen Fällen Gerichte als höhere Instanzen derartige Aufmärsche in buchstäblich letzter Sekunde doch noch genehmigt. Daher halte das Bündnis „Stolberg Nazifrei“ an seiner geplanten Demonstration fest und begrüße, dass auch das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus unabhängig vom Erfolg des Verbots aktiv sein wird, beschreibt Taufenbach: „Das Verhältnis der beiden Bündnisse hat sich ohnehin verbessert. Wir besinnen uns stärker auf den Konsens; das Ziel eint uns, und beide Seiten gehen mehr aufeinander zu.“ So plane das Bündnis „Stolberg Nazifrei“ für den Freitag, 5. April, derzeit keine eigene Aktion, sondern rufe dazu auf, das Stolberger Bündnis gegen Radikalismus an dem Abend im Stadtteil Mühle zu unterstützen.

Besonders im Vorfeld zum Samstag, 6. April, habe man gut zusammengearbeitet und die jeweiligen Proteste gegen die Neonazis eng koordiniert. „Mit unserem Bündnis, dem des DGB und dem Stolberger Bündnis wird es an diesem Tag drei ineinandergreifende Proteste gegen Nazis an verschiedenen Orten in der Stadt geben. So sind wir breit aufgestellt und zeigen schon geografisch, dass Stolberg keinen Platz für Nazis hat“, sagt Taufenbach. Einen weiteren Vorteil dank der funktionierenden Kooperation sieht er darin, dass „Missverständnisse oder indirekte Behinderungen durch die Polizei schon im Vorfeld vermieden werden können“.

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