Schulprojekt soll Interesse an Politik wecken

Von: Lukas Franzen
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Mehr Freizeitmöglichkeiten, weniger Verbotsschilder! Das veranschaulicht diese Workshop-Gruppe im Zinkhütter Hof mit einer improvisierten Theaterszene. Foto: L. Franzen
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„Das geht!“ – Bürgermeister Ferdi Gatzweiler im Dialog mit den Schülerdelegationen der weiterführenden Schulen.

Stolberg. Das Projekt „Das geht!?“ soll Schüler im Rahmen des „Superwahljahres 2014“ für politische Beteiligung interessieren. Die Schüler beschreiben Ihre Erfahrungen und ihren Alltag. Die Sozialarbeiter des Projekts beginnen dann einen Dialog über Politik. Die Schüler sollen sich vor den Wahlen eine Meinung bilden: Was ist ihnen wicht? Worauf kommt es ihnen an?

Eine Gruppe Jugendlicher verbringt ihre Freizeit auf einem Bolzplatz. „Au Huur“, klagt einer von ihnen. „Nichts kann man hier unternehmen.“ Es dauert nicht lange, bis sich eine Nachbarin zu Wort meldet. „Seid leise!“, schreit sie. „Sonst rufe ich die Polizei.“ Frustriert zieht die Gruppe weiter und lässt sich schließlich auf einem Spielplatz nieder. Der Konflikt mit den dort spielenden Kindern ist vorprogrammiert. Es kommt zum Streit. Geräte gehen zu Bruch. Die Polizei rückt an und weist die Heranwachsenden in die Schranken.

In diesem Fall handelt es sich nur um eine improvisierte Theaterszene. Als Spielplatz fungiert die Bühne des Zinkhütter Hofs, die genervte Nachbarin ist Mine Kilic, eine Sozialarbeiterin des Jugendamts und als umgestoßene Sitzbank muss ein Tisch des Museums herhalten. Die Jugendlichen und ihre Erfahrungen sind hingegen echt! Auf ein Flipchart haben sie Verbote wie „Zugang nur für Kinder unter 16 Jahren gestattet“, „Ballspielen verboten“ oder „Fahrradfahren ist auf diesem Gelände untersagt“ zusammengetragen. Ihr spontanes Theaterstück trägt den Namen „Alltag in Stolberg“, entstanden während eines Workshoptages für die weiterführenden Schulen in Stolberg.

Lösungsvorschläge erarbeitet

Insgesamt 38 Jugendliche von sieben Schulen sind der Einladung von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler, dem Bildungsbüro der Städteregion und des Stolberger Jugendamts an diesem Vormittag gefolgt. „Das geht?! – Dialog zwischen Jugend und Politik“, so heißt das Veranstaltungsangebot, das der Jugend im „Superwahljahr 2014“ eine Stimme verleihen und sie für mehr politische Beteiligung motivieren soll. Gemeinsam mit den Städten Eschweiler, Alsdorf, Baesweiler und Herzogenrath hat sich die Kupferstadt erfolgreich im Rahmen der Städteregions-Initiative „Modellkommunen für Jugendbeteiligung“ für die Veranstaltungsreihe beworben.

Der Workshoptag sei nur der Auftakt und diene als Vorbereitung für ein großes Forum am 22. Mai vor den Kommunal- und Europawahlen, erklärt Jugendamtsleiter Michael Bosseler. Parteien und Organisationen, so die Idee, sollen sich vorstellen und die Bürgermeisterkandidaten ihren jungen (Erst-)Wählern Rede und Antwort stehen.

„Es ist wichtig, dass die Jugendlichen sich vor der Wahlentscheidung eine Meinung bilden und die Kandidaten, die sie vertreten wollen, kennenlernen“, betont Michael Bosseler. „Junge Menschen sind Experten für ihre Lebenswirklichkeit.“ Und das beweisen die Schülervertreter den gesamten Vormittag. In vier Arbeitsgruppen diskutieren sie über Themen wie Schule, Freizeit und Beteiligungsformen, arbeiten Probleme und Lösungsvorschläge heraus.

Nach der Mittagspause steht dann die zweite Workshopphase auf dem Programm: Eine große Diskussionsrunde mit dem Bürgermeister Ferdi Gatzweiler. Auf einem großen Poster hat die erste Gruppe nach ihrem kleinen Ausflug in die Theaterwelt ihre Wünsche, wie zum Beispiel einen Skaterpark und mehr Treffpunkte für Jugendliche, aufgelistet. Zwar seien neue Plätze wie auf dem Donnerberg geschaffen wurden. Aber dort, fühle man sich oft „wie auf dem Präsentierteller“, kritisieren die Schüler. Zwischen dem Wunsch nach Abgeschiedenheit und der Gefahr von Vandalismus müsse immer abgewogen werden, wirbt der erste Bürger der Stadt in diesem Punkt für Verständnis. „Das Spannungsfeld zwischen Anwohnerinteressen und den Belangen der Jugend habt ihr in eurer Theaterszene richtig dargestellt.“ Trotzdem macht Gatzweiler der Jugend ein Angebot: „Wenn ihr geeignete Plätze kennt, dann müsst ihr nur Bescheid sagen und wir können uns das anschauen.“

Kritik an Desinteresse der Schulen

Beim Thema Beteiligungsmöglichkeiten nutzen Vertreter des Jugendparlaments die Diskussionsrunde auch für Kritik an den Schulen. „Lehrer müssten das Jugendparlament bei ihren Schülern populärer machen, damit noch viel mehr Leute auf uns aufmerksam werden und sich engagieren“, fordert etwa Saskia Engelhardt. „Unsere Arbeit stößt jedoch meistens auf Desinteresse bei vielen Lehrern.“ Gatzweilers Reaktion: „Was haltet ihr denn davon, wenn das Jugendparlament zur nächsten Schulleiterkonferenz eingeladen würde? Wir terminieren diese dann so, dass die Sitzung nicht mit euren Schulzeiten kollidiert.“ Dafür erntet der Verwaltungschef viel Applaus. Einen Nerv trifft der Politiker damit auch bei Kogelshäuser-Schüler Ahmed Yuyuf, der sich mehr Bürgernähe der Volksvertreter wünscht. „Oft fehlt das Selbstbewusstsein, sich zu engagieren. Um unsere Motivation zu verbessern, könnten Politiker oder andere Personen mit Vorbildfunktion ruhig mal zu uns in die Schule kommen und mit uns reden.“

Und auch andere Themen rund um die Bildungseinrichtungen – ob verspätete Busse, dreckige Toiletten, bessere Schlichtungsmöglichkeiten und gesundes Mensaessen – brennen den engagierten Schülern spürbar auf den Nägeln.

Die Schließung des Victor-Kaufhauses zum Ende des Jahres und die Diskussion um den Leerstand des Steinwegs ist in den letzten Wochen am Stolberger Nachwuchs ebenfalls nicht spurlos vorbeigegangen. Die Innenstadt sei leblos und für alles müsse man nach Aachen fahren, lautet der Tenor bei den Workshop-Teilnehmern. „Mehr Blumen und Beete täten der Stadt schon gut“, so der Kommentar einer Schülerin. „Gerne würde ich mir für eure Ideen, wie man das Imageproblem der Stadt lösen kann, mal einen Nachmittag Zeit nehmen“, zeigt sich Gatzweiler auch hier aufgeschlossen gegenüber den konstruktiven Vorschlägen seiner Mitdiskutanten.

Konstruktiv ist die gesamte Auftaktveranstaltung auch aus Sicht von Michael Bosseler gewesen. „Das war wirklich ein toller Tag. Ein Riesenlob an alle Beteiligten“, spricht der Jugendamtsleiter allen Teilnehmern am Ende ein großes Lob aus. Am Dienstag, 28. Januar, haben Bosseler und sein Team nun ins Rathaus eingeladen, um mit den Planungen für die große Veranstaltung im Mai zu beginnen. „Jeder kann kommen“, betont Bosseler. Dort wird sich zeigen, wie groß der Wunsch der Jugendlichen nach mehr Beteiligung wirklich ist.

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