Schulen und Kitas spüren: Thema Sprache wird immer wichtiger

Von: Kolja Linden
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Werden sprachlich individuell gefördert: Die Kinder der Grundschule Hermannstraße. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Wenn am 17. August in diesem Jahr die Sommerferien enden, dann beginnt für 560 Stolberger Kinder eine neue Zeit: sie werden in eine der zehn Grundschulen der Stadt eingeschult. Doch auch für die Lehrerinnen und Lehrer bringt dieser Jahrgang eine Neuheit.

Denn die Kinder, die im Sommer in die Schule kommen, sind die ersten, die im Alter von vier Jahren an den Sprachstandserhebungen im Kindergarten teilgenommen haben.

Das Land NRW hatte diese vor zwei Jahren erstmals verpflichtend für Vorschulkinder eingeführt. Seitdem wird bei allen Vierjährigen in sogenannten Delfin-Tests überprüft, ob ihre Sprachentwicklung aus pädagogischer Sicht altersgemäß ist und ob sie die deutsche Sprache hinreichend beherrschen.

Kinder, bei denen dies laut Testergebnis nicht der Fall ist, werden anschließend zwei Jahre lang in den Kitas mit besonderer Aufmerksamkeit gefördert. Mit Erfolg?

Sprachförderung findet mehr Platz in Kitas

„Wir merken schon sehr, dass das Themas Sprachförderung in den Kitas mehr Platz findet”, sagt Renate Krickel. Ob das in direktem Zusammenhang mit den Sprachstandserhebungen steht, kann die Leiterin der Grundschule Hermannstraße aber nicht sagen.

Ein zartes Indiz gibt es immerhin: Die Anmeldezahlen für den Sprachförderkurs1 (SF 1), den die Grundschule für Erstklässler anbietet, sind im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Drittel geringer geworden.

„Die Zahlen sind aber mit etwas Vorsicht zu behandeln”, sagt Krickel, denn auch im laufenden Schuljahr würden noch Kinder zur Teilnahme am SF 1 bestimmt, die zum Beispiel bei der Einschulung nicht als besonders förderbedürftig erkannt worden seien.

„Ja, das Thema ist deutlich mehr in den Vordergrund gerückt”, bestätigt auch Elke Rings eine stärkere Hinwendung zur Sprachförderung. Die Leiterin der Evangelischen Kita Bergstraße, die jetzt auch Familienzentrum ist, legt aber Wert auf die Feststellung, dass dies nicht erst seit Einführung der Sprachstandserhebungen vor zwei Jahren der Fall sei.

„Wir machen das schon länger”, so Rings. Seit 2006 gibt es an der Bergstraße gezielte Förderung mit dem Programm „Wir verstehen uns gut” von Elke Schlösser. Darin betreibt eine Erzieherin speziell mit Kindern, die sprachliche Defizite haben, Wortschatzerweiterung auf spielerische Weise.

Außerdem hat die Kita, wie die meisten Einrichtungen in der Region, das Aachener Programm zur LRS-Prävention (LRS: Lese-Rechtschreib-Schwäche) eingeführt. Im letzten Jahr vor der Einschulungen werden die Sprachfertigkeiten aller Kinder durch Lauschspiele, Reime und Silbenerkennung gefördert.

Sprache gilt als Schlüssel zur Bildung. Dass Kinder, die die deutsche Sprache beherrschen, in der Schule bessere Erfolge erzielen, ist längst bekannt. Und deshalb baut die Kita Bergstraße ab dem Sommer auf eine dritte Säule, das Rucksackprojekt RAA. Dieses Programm, das in anderen Kitas, zum Beispiel St. Franzikus, schon gemacht wird, ist speziell auf Kinder mit Migrationshintergrund ausgerichtet. Es nimmt auch die Eltern mit ins Boot und fördert sowohl die Muttersprachenkompetenz als auch den Erwerb der deutschen Sprache. „Wir sagen den Eltern immer wieder, sie sollen mit ihren Kindern regelmäßig Muttersprache sprechen”, sagt Elke Rings, die festgestellt hat, dass viele Eltern ausländischer Herkunft verunsichert seien und versuchten deutsch zu sprechen, um ihre Kinder zu fördern.

Immerhin stellen sowohl Elke Rings als auch Renate Krickel ein Umdenken fest: „Gerade ausländische Eltern möchten heute möglichst früh einen Kindergartenplatz”, sagt Rings. Das sei früher anders gewesen: „Da wollten viele ihr Kind nicht so früh abgeben.”

Und auch Renate Krickel spürt, dass das Thema Sprache von Eltern zunehmend ernst genommen wird. „Viele ausländische Eltern wollen gerade den Ganztag, weil ihr Kind dann mehr deutsch spricht.” Die Literin der Hermannschule ist deshalb eine Befürworterin des gebundenen Ganztags an Grundschulen. „Den brauchen wir”, sagt sie kämpferisch. „Das ist ein ganz dickes Brett, aber ich werde es weiter bohren.
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