Stolberg - Schulen als Vorreiter für die Inklusion

Schulen als Vorreiter für die Inklusion

Von: -jül-
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In die Stolberger Schullandschaft soll die Inklusion zuerst einziehen. Die CDU fordert dazu, dass die Verwaltung frühzeitig ein Handlungskonzept aufstellte. Foto: Imago/Sämmer

Stolberg. Spätestens mit Inkrafttreten der UN-Behindertenrechtskonvention im Jahr 2008 ist die Inklusion zu einer Herausforderung für die Zukunft geworden. Ziel ist es, dass jeder Mensch so akzeptiert wird, wie er ist, und die Möglichkeit hat, in vollem Umfang an der Gesellschaft teilzuhaben. In Stolberg soll daran gearbeitet werden.

 „Die Gesellschaft hat dabei die Aufgabe, sich an die Bedürfnisse der Betroffenen anzupassen“, bricht Jochen Emonds die Anforderungen des Aktionsplans der Bundesregierung „Auf dem Weg in ein inklusives Deutschland“ auf Stolberg herunter. Umfangreich ist die Aufgabe, gemeinsame Lebenswelten zu schaffen. Das fängt an bei barrierefreien Übergängen an Kreuzungen und Nutzbarkeit von Gebäuden, geht weiter bei einer Beseitigung sprachlicher Barrieren und Handhabung neuer und bisheriger Technologie im öffentlichen Raum und am Arbeitsplatz sowie den Begleiterscheinungen des demografischen Wandels und mündet auch in Kindertagesstätten und Schulen.

Genau dort soll die Stadt anfangen, sagt der Stadtverbandsvorsitzende der CDU; und die Fraktion möchte die Verwaltung frühzeitig an das Thema Inklusion heranführen. Sie soll umfassend auflisten, welche Auswirkungen das Thema auf die verschiedenen Bereiche des städtischen Lebens hat. „Es soll ein Stufenplan erstellt werden, der konkrete Schritte zur Umsetzung der Inklusion in Stolberg aufzeigt“, möchte Fraktionsvorsitzender Dr. Tim Grüttemeier das Erreichen des Ziels detailliert aufgelistet sehen. „Dabei hat für uns als erste Stufe des Plans die Erstellung eines Konzeptes zur Inklusion für den Teilbereich Schule höchste Priorität“, betont Emonds, dass der Plan „in enger Abstimmung mit der Schulleiterkonferenz und den einzelnen Schulen“ erarbeitet werden soll.

Geklärt werden müsse, in wie weit Schwerpunktschulen ausgewiesen werden, um den Rechtsanspruch der Regelbetreuung gewährleisten zu können. Die Christdemokraten sehen einen riesigen Handlungsdruck auf die Kommunen zukommen, dem rechtzeitig durch Planung begegnet werden müsse. „Es gibt eine Unmenge offener Fragen“, sagt Emonds, und selbst das Land hat die geplante Gesetzesänderung zur schrittweisen Einführung eines gemeinsamen Unterrichts von behinderten und nicht behinderten Schülern erst einmal auf das Schuljahr 2014/15 verschoben. „Damit gewinnen wir Zeit, uns hier vor Ort entsprechend aufzustellen“, sagt Grüttemeier.

„Die Inklusion ist sinnvoll“, lautet das klare Bekenntnis der Christdemokraten. Emonds und Grüttemeier gehen noch einen Schritt weiter als die bisherigen Planungen es vorsehen. „Behinderte sollten grundsätzlich auf Regelklassen verteilt und nicht in einer Klasse zusammengefasst werden“. Der Ansatz, nicht zu separieren, sei der richtige.

Allerdings gehe das auch nur bei einer passenden personellen Ausstattung. Und bei diesem Thema fangen die Sorgen der Kommunalpolitiker schon an. Denn ein erhöhter Bedarf an Lehr- und Betreuungspersonal ist für die Unterrichtung behinderter Kinder erforderlich. Wobei heute diverse Förderschulen auf die unterschiedlichen Handicaps ausgerichtet sind – Förderschwerpunkte gesetzt sind bei Lernen, Sprache, Sehen, Hören und Kommunikation sowie emotionale und soziale Entwicklung; und sehr individuell sind die Anforderungen bei Körper- und gar Mehrfachbehinderten zu gewichten. Neben der Personalausstattung werde die Inklusion auch erhebliche Investitionen in die Sach- und Gebäudeausstattung bedingen. „Der Verdacht liegt nahe, dass zwar die Aufgabe, aber nicht das Geld dafür vom Land kommt“; befürchtet Grüttemeier und fordert die Einhaltung des Konnexitätsprinzips ein: Wer die Aufgabe bestellt, muss sie auch bezahlen.

„Stolberg ist betroffen“

Nach den bisherigen Planungen des Landes soll die Schulaufsichtsbehörde auf Antrag der Eltern über den Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung entscheiden. Besteht der Bedarf, schlägt sie den Eltern mit Zustimmung des Schulträgers mindestens eine allgemeine Schule vor, an der ein Angebot „Gemeinsames Lernen“ eingerichtet ist, das der Empfehlung der Schule oder dem bisherigen Bildungsweg des Kindes entspricht. „Das bedeutet, dass die Stadt als Schulträger inklusive Schulen auszuweisen hat“, markiert Emonds. Gleichzeitig plane das Land, dass ungefähr die Hälfte der Förderschulen mit dem Schwerpunkt Lernen auslaufen, da sie die erforderliche Mindestbelegung nicht mehr erreichen würden. „Dies wird wie auch immer Stolberg betreffen; denn regulär soll an der Regelschule gefördert werden “, prognostiziert Emonds. Die Stadt ist Träger der Förderschule mit den Schwerpunkten Lernen, Sprache sowie emotionale und soziale Entwicklung an der Talstraße.

Nur der Anfang

Nach der Einführung des Ganztags an allen Schulen, der Gründung der Gesamtschule und der erwarteten Öffnung der Sekundarschule wird das Thema Inklusion in Zukunft die sensible Schullandschaft in der Kupferstadt erneut intensiv in Bewegung bringen. Damit dies in gelenkten Bahnen gelingt, „muss es Aufgabe der Verwaltung sein, frühzeitig einen Stufenplan zu entwickeln, der die Schritte auf dem Weg zur Umsetzung des geänderten Schulrechts vorsieht“, erklärt Grüttemeier und betont: „Das muss in enger Abstimmung mit den Schulen erfolgen“.

Doch die Einführung der Inklusion im Schulbereich soll nur der Anfang sein für die Entwicklung von Konzepten durch die Verwaltung. „Im Folgenden müssen alle weiteren gesellschaftlichen Bereiche in Stolberg betrachtet werden“, nennt Emonds beispielhaft Verkehr, Sportstätten und Vereinsangebote, Erwachsenenbildung und alle weiteren öffentlichen Bereiche. Erforderlich würden Netzwerke für kleine und mittlere Betriebe, damit Menschen mit Behinderung verbesserte Chancen auf einen Ausbildungs- und Arbeitsplatz erhalten. Auch ein individuelles Beratungsangebot soll in Kooperation mit dem Landschaftsverband aufgebaut werden. „Die Städte und Gemeinden müssen barrierefrei werden“, sagt Emonds, „und damit ist nicht nur der Bordstein gemeint“.

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