Stolberg - Schüler werden zu Lebensrettern ausgebildet

Schüler werden zu Lebensrettern ausgebildet

Von: Merve Polat
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Mit dem Pilotprojekt lernen rund 300 Oberstufenschüler des Goethe-Gymnasiums Stolberg, wie sie im Ernstfall Leben retten können. Foto: Merve Polat

Stolberg. Boris liegt am Boden und atmet nicht mehr. Zuerst wird der Notruf gewählt und dann massiert. So lautet die Anweisung von Ines Krasny, Leiterin des Pilotprojekts „#drück mich“. Die Ärztin des Bethlehem-Gesundheitszentrums Stolberg ist mit einem Team von 15 Pflegern und Ärzten in der Mensa des Goethe-Gymnasiums zu Besuch, wo an diesem Morgen ein Schulunterricht der etwas anderen Art stattfindet: Rund 300 Oberstufenschüler üben an Lernpuppen wie Boris lebensrettende Herzdruckmassage.

Die Rate der erfolgreichen Wiederbelebungen bei Herzstillstand liege in Deutschland bei nur 20 Prozent, sagtr Krasny. Im europäischen Vergleich sei Deutschland das Schlusslicht, daher wolle man bereits Schülern die Hemmungen nehmen und dazu motivieren, Zivilcourage zu zeigen, führt die Ärztin der Inneren Medizin aus.

Dänemark als Vorbild

Als Vorbild dient dafür das Land Dänemark, wie Ärztin Julia Kittel ergänzt: „Nachdem dort das Reanimationstraining in Schulen eingeführt wurde, stieg die Wiederbelebungsrate innerhalb von zehn Jahren von 20 auf 40 Prozent“, erklärt die zweite Leiterin des Projekts. Die Schüler fungieren dabei als Multiplikator und können ihr erlangtes Wissen an Eltern, Freunde und Bekannte weitergeben.

Ein Problem sehen die Mitarbeiter des Bethlehem-Gesundheitszentrums vor allem darin, dass die Zeit bis Hilfe in Form von einem Rettungswagen eintrifft, meist ungenutzt bleibe. Dabei müsse noch nicht einmal die Mund-zu-Mund-Beatmung eingesetzt werden, wie Krasny den interessiert lauschenden Schülern an diesem Vormittag erklärt. Vielmehr sei es wichtig, den Herzkreislauf mit der Herzdruckmassage dauerhaft aufrecht zu erhalten.

In drei Räumen gibt es für die Schüler des Goethe-Gymnasiums an diesem Tag viel zu lernen. In der Mensa geben die Ärzte und Pfleger allen Wissbegierigen wertvolle Tipps an die Hand. So ist es zum Beispiel wichtig, bei der Herzdruckmassage die Arme fest durchzustrecken und beide Hände übereinander zu legen.

Der Leiter der Intensivstation, Bernd Meuthen, wartet mit theoretischem Input zum Thema Zivilcourage im zweiten Raum, und im letzten Raum führt das Deutsche Rote Kreuz die stabile Seitenlage vor und zeigt, wie beispielsweise Motorradfahrern im Ernstfall der Helm richtig abgenommen wird. Auch auf dem Außengelände herrscht an diesem Schultag reger Trubel. Die Feuerwehr ist mit einem Rettungswagen vertreten und die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft zeigt ein Rettungsboot.

Pro Jahrgangsstufe haben die Schüler eine Schulstunde Zeit, um alle Stationen zu erkunden und werden zwischendurch vom Team des Bethlehem-Gesundheitszentrums zur Stärkung mit Obst, belegten Broten und Trinkpäckchen versorgt.

Mit Engagement bei der Sache ist auch Nina: „Ich habe erst letztens noch einen Erste-Hilfe-Kurs gemacht, daher fällt mir das jetzt leicht, aber bei einer echten Person wird es natürlich schwieriger“, erzählt die 17-Jährige, während sie mit gleichmäßigen Bewegungen die Herzdruckmassage an der Lernpuppe Boris ausprobiert. Ihre 18-Jährige Mitschülerin Julia, die ihr aufmerksam bei der Übung zusieht, ergänzt: „Ich denke bei einer echten Person hilft einem das Adrenalin, solange durchzuhalten, bis der Rettungswagen kommt.“

Für die Zukunft sei das Ziel, auch andere weiterführende Schulen zu dem Projekt zu motivieren, so Krasny. Ab dem kommenden Jahr wolle man dann auch kontinuierlich alle Zehntklässler im Rahmen des Biologie-Unterrichts schulen.

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