Stolberg - Schüler-Theater: „Gesicht zeigen für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“

Schüler-Theater: „Gesicht zeigen für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“

Von: Julia Faymonville
Letzte Aktualisierung:
12371902.jpg
Das Theaterensemble in Aktion. Mit ihrem selbst verfassten Stück beeindruckten die Schüler ihre ZUschauer. Foto: J. Faymonville

Stolberg. „Dieses Theaterstück ist ein Statement gegen Gewalt und für Vielfalt und Toleranz“, so leitete eine Schülerin im Kulturzentrum Frankental in das Theaterstück „Die Klasse“ ein. Jugendliche aus Eschweiler hatten das Stück im Rahmen des Projekts „Slam gegen Gewalt“ des Arbeitskreises „Face - Gesicht zeigen für Vielfalt, Toleranz und Demokratie“ entwickelt.

Im Mittelpunkt des Geschehens steht eine Problemklasse einer Gesamtschule. Die Schüler sind in der Klasse, weil sie die Schule geschwänzt haben, beim Kiffen erwischt oder gewalttätig wurden. Alle Jugendlichen sind sich zu Beginn des Schuljahrs fremd. Sie tragen Masken, die bis auf ihre Nationalität nichts über sie zu erkennen gibt.

Der neue Klassenlehrer möchte, dass sich die Schüler im Laufe des Schuljahres näher kommen und eine Möglichkeit finden ihre Geschichten und die Form der Gewalt, die sie erlebt haben, auszudrücken. Als sich die Klasse gemeinsam einen Lehrfilm über den Vietnamkrieg ansieht, fängt eine Schülerin an zu weinen. Sie erzählt ihren Mitschülern, dass ihre Eltern aus dem Vietnam geflohen und auch heute noch schwer traumatisiert sind. Ihre Eltern schaffen es nicht, ihr die Aufmerksamkeit zu geben, die sie braucht. Deshalb kiffe sie.

Nachdem sie ihren Mitschülern ihre Geschichte erzählt hat, geht es der Schülerin besser. Die erste Maske ist gefallen. Im weiteren Verlauf erzählen immer mehr Schüler ihre Geschichte und schaffen es so, ihr wahres Gesicht zu zeigen. Am Ende des Theaterstückes trägt keiner der Jugendlichen mehr eine Maske, und es geht ihnen deutlich besser. Innerhalb eines Jahres ist das Stück entstanden. Im Kulturzentrum Frankental wurde es anlässlich des 27. Schüler-Theater-Festivals Stolberg das dritte und letzte Mal aufgeführt. Der Arbeitskreis „Face“ entstand im Jahr 2012 nach einer Kundgebung von Rechtsradikalen am Eschweiler Talbahnhof. Seitdem engagiert sich der Arbeitskreis, in dem unter anderem Schulsozialarbeiter und auch die Mobile Jugendarbeit Eschweiler aktiv sind, gegen „Rechts“.

Mit dem Projekt „Slam gegen Gewalt“ wollte man ein Zeichen gegen Gewalt setzen. Zum Mitmachen waren alle Jugendlichen aus Eschweiler eingeladen. Die Jugendlichen setzten sich gemeinsam mit Lehrern mit Fragen zum Thema Gewalt auseinander. Was ist Gewalt? Wie entsteht sie? Und was kann man gegen sie tun? Außerdem hatten sie die Möglichkeit, einen Theater- oder einen Musikworkshop zu besuchen. Die Workshops wurden von der Schauspielerin Melanie Lummer aus Eschweiler und dem Musikproduzenten Michael Heitmann geleitet.

Einmal die Woche trafen sich die Jugendlichen gemeinsam im Jugendtreff „Check In“, um zu proben und ihre eigenen Lieder zu schreiben. Die Teilnehmer des Musikworkshops traten am Freitagabend als die Band „Harmony“ in dem Theaterstück auf. Sie sangen ihre selbst geschrieben Lieder über Gewalt, Schulstress oder Mobbing. Damit halfen sie den Problemschülern im Stück ihre Erfahrungen zu verarbeiten. „Wir wollten gemeinsam mit den Jugendlichen ein Projekt gegen Gewalt auf die Beine stellen, dass daraus ein Theaterstück wurde, war nicht geplant“, erzählt Nicole Hillemacher von der Mobilen Jugendarbeit Eschweiler. „Es entwickelte sich erst gemeinsam mit den Jugendlichen, die ihre Ideen einbrachten, zu einem Theaterstück.“

Die Eschweiler Jugendlichen hatten sich ihre Rollen und deren Lebensgeschichte selbst ausgedacht. „Wir haben versucht die Persönlichkeiten der Rollen an uns anzupassen“, erzählt eine der Schauspielerinnen.

„Die Erfahrungen und die Geschichten der Schüler im Stück sind aber komplett erfunden.“ Auf die Frage, was ihnen am besten gefallen hat, antworten die Darsteller: „ Die Proben waren immer am lustigsten. Wir würden auf jeden Fall noch einmal bei einem Theaterstück mitmachen.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert