Schon sieben Rehe von Hund gerissen

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Konnte nicht mehr davonlaufen: Am Freitag ist eine hochtragende Ricke mit zwei Kitzen im Bauch gerissen worden. Eine Polizistin hat gesehen, wie sich ein Hund darüber her gemacht hatte. Foto: imago/stock
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Klare Gesetzgebung: In Naturschutzgebieten müssen Hunde an die Leine, ansonsten müssen die Vierbeiner auf dem Weg bleiben. Darauf weist Förster Theo Preckel immer wieder hin. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Die Keulen sind bis auf die Knochen zerfetzt, das Euter zerrissen. Das Reh muss unglaubliche Qualen erlitten haben, so schlimm zugerichtet sieht es aus. Auch drei Tage später lässt Theo Preckel dieser fürchterliche Anblick nicht los. „Ich bin seit über 35 Jahren Förster, habe schon einige verletzte Rehe erschossen und bin diesbezüglich ein harter Hund – aber so etwas habe ich noch nicht gesehen“, sagt der Leiter des städtischen Forstamtes.

Ein Hund war es auch, der das Reh gerissen hat. Freitagnachmittag war es, als eine Polizistin in ihrer Freizeit im Naturschutzgebiet Schlangenberg unterwegs war. In Höhe Eichsdelle, Friedhof Vicht, ertappte die Beamtin den Täter sozusagen auf frischer Tat. Ein hellbrauner Retriever oder ein diesem ähnlich sehender Hund (mit braunem Lederhalsband) habe sich in dem Moment über das Reh her gemacht. Später wird sich herausstellen, dass es zu allem Übel auch noch eine hochtragende Ricke mit zwei Kitzen im Bauch war.

Die Polizistin hatte den Hund beherzt verscheucht, anschließend rief sie ihre Kollegen an. Die wiederum Förster Preckel. Gemeinsam mit Jagdaufseher Bernd Schulte hat er „das Tier, diese zerschundene Kreatur, von seinen unsäglichen Qualen befreit“. Das Reh hatte sich noch bis zum Friedhof geschleppt, dort gab es dann den „erlösenden Schuss“.

Klare Regeln

Für Theo Preckel ist es bereits das siebte Tier – allein in diesem Jahr –, das er am Wegesrand gefunden hat, immer blutüberströmt. Vor zwei Wochen war der Tatort Schevenhütte, vor drei Wochen Venwegen, aber die meisten Tiere sind zwischen Breiniger Berg und Vicht verendet. „Und das, weil zu viele rücksichtslose Halter ihre Hunde frei laufen lassen. So geht es nicht“, sagt der Förster mit Nachdruck. Für Preckel ist das Fass nach dem Überfall auf die tragende Ricke am Freitag übergelaufen, er hat sich mit Polizei, Stadt und Städteregion in Verbindung gesetzt und um Hilfe gebeten. „Mir ist volle Unterstützung zugesagt worden, und es wird jetzt mit saftigen Geldstrafen dagegen vorgegangen.“

Klar geregelt ist, wo ein Hund frei laufen darf und wo nicht. In FFH-Gebieten, also in Naturschutzgebieten, muss der Vierbeiner per se an der Leine geführt werden. Das gilt eben auch für das Gebiet Schlangenberg. Zwischen Breiniger Berg und Vicht sind die meisten Rehe gerissen worden, jüngst die tragende Ricke. Außerhalb von Naturschutzgebieten dürfen Hunde auch frei herumtollen, allerdings: „Der Hund darf nicht vom Weg abkommen und muss im Einflussbereich seines Halters sein“, betont der Förster.

Für ihn sei es ermüdend, immer wieder Diskussionen mit uneinsichtigen Hundehaltern zu führen. Er wolle nicht alle über einen Kamm scheren, er habe aber auch keine Lust auf die ewig gleichen Diskussionen. „Mich interessiert die Biographie des jeweiligen Hundes nicht, ob er nichts tut, ob er nur spielen will, ob er katholisch oder sonst was ist“, kann sich der Leiter des Forstamtes nicht mehr verkneifen, in Zynismus zu verfallen. Er plädiert für mehr Rücksichtnahme, der Wald sei für alle da, „da ist ein vernünftiger Umgang doch nicht zu viel verlangt“.

Verschiedene Interessen kommen im Wald zusammen, für alle sei gesorgt, sei es in Form von einem bestens ausgebauten Wegenetz für Spaziergänger, Wanderer, Läufer und Radfahrer, ausreichend Parkplätzen, Schutzhütten oder Ruhebänken. Jeder habe das Recht darauf sich zu erholen. „Ich habe keine Angst vor Hunden, ein anderer vielleicht aber doch. Angst ist relativ“, bittet Preckel um Umsichtigkeit. Wenn einer seinen Hund frei laufen lasse, wo es gestattet sei, und von einer anderen Person gebeten werde das Tier anzuleinen, so müsse das schon allein aus Respekt gemacht werden. Ohne Frage.

Einen Zusammenhang mit dem Hund, der in der vergangenen Woche eine Frau in Büsbach angefallen hat, sieht die Polizei indes nicht. „Hier war die Rede von einem Schäferhund oder ihm ähnlich sehenden Hund. Er hatte kein Halsband an“, sagte Polizeisprecherin Sandra Schmitz auf Nachfrage unserer Zeitung.

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