Schon der Versuch des Ladendiebstahls ist strafbar

Von: tys
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Mutter und Tochter sind verurteilt worden, obwohl sie Ware von der Fleischtheke zunächst in eine Tasche, dann aber zurück ins Regal legten.

Stolberg. Laut Definition ist ein Diebstahl eine Straftat gegen fremdes Eigentum. Also klassisch das Entwenden von Milchtüten aus dem Supermarkt, ohne zu bezahlen. Aber auch der Versuch ist laut deutschem Gesetz strafbar. Doch wo fängt der Versuch eines Diebstahls bereits an?

Genau wegen dieser Frage standen zwei Frauen aus Stolberg nun vor dem Amtsgericht Eschweiler (Az: Ds 2/17). Sie sollen eine große Portion Fleisch im Wert von fast 90 Euro gestohlen haben. Das Fleisch haben sie allerdings weder über den Kassenbereich geschmuggelt, noch überhaupt versucht, die Tüten mitzunehmen.

Trotzdem wurden sie wegen gemeinschaftlichen Diebstahls zu Geldstrafen in Höhe von 240 und 300 Euro verurteilt. Der Grund: Sie haben das Fleisch von der Frischetheke in eine eigene Tasche gepackt, bevor sie es einfach in mehrere Regale gelegt haben, weil sie laut eigener Aussage schlichtweg das Geld zu Hause vergessen hatten und es ihnen zu peinlich war, die ausgewählten Produkte wieder an der Metzgertheke zurückzugeben. „Ein Fehler“, wie eine der Angeklagten einräumte. „Wir hätten es einfach zurückgeben sollen.“

Beim Einpacken in die eigene Umhängetasche wurden sie und ihre Mutter von einem Mitarbeiter des Supermarkts beobachtet, später an der Kasse sollten die beiden ihre Taschen zeigen. Dort konnten weder Kassiererin noch die Polizei illegal eingesteckte Ware entdecken.

Das Video einer Überwachungskamera zeigte allerdings das Einstecken in eine selbst mitgebrachte Tasche. Das zählt als versuchter Diebstahl – auch wenn es im Supermarkt passiert und man nicht versucht, die Ware mitzunehmen. „Dadurch wurde die Ware in Gewahrsam genommen und war nicht mehr für das Personal des Supermarkts einsehbar“, heißt es bei Verkündung des Urteils. „Auch weil der Nutzen des Einsteckens nicht vertretbar war.“ Schließlich hätte das Mitführen der zwei großen Fleischtüten im Supermarkt auch im Einkaufswagen stattfinden können, so der Richter.

Man befindet sich in solchen Fällen juristisch in einer Grauzone. Denn es muss nach Einzelfall entschieden werden. Ist eine Wegnahme bereits vollendet worden, und wie Verhalten sich die Kunden? Entscheidungen, die im Fall des Mutter- und Tochtergespanns gegen sie gefällt wurden, auch wenn sie sich vor Gericht nachgiebig gegeben haben.

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