Stolberg-Atsch - Schnorrenfeld ist an „Land unter” längst gewöhnt

Schnorrenfeld ist an „Land unter” längst gewöhnt

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Hinter der mannshohen Spundwand fließt der Münsterbach: Die Gärten sind ein einziger See. Foto: D. Müller

Stolberg-Atsch. In der kleinen Atscher Straße Schnorrenfeld ist Michael Dischinger wohl der Einzige, den die Fluten in den eigenen vier Wänden noch überraschen können. Gut 40 Zentimeter hoch steht das Wasser in dem Keller seines Hauses, Schnorrenfeld 1, das er erst vor einem Jahr erworben hat - der latenten Hochwassergefahr der Ortslage war er sich beim Kauf der Immobilie nicht bewusst.

Immerhin pumpt die Feuerwehr nach einem Anruf von ihm seinen Keller prompt leer. „Ich hab ja noch Glück, meine Nachbarn trifft es viel schlimmer. Deren Keller stehen total unter Wasser und können im Moment nicht abgepumpt werden, da der Pegelstand noch so hoch ist, dass sie gleich wieder volllaufen würden”, tröstet sich Dischinger.

Im Haus Nummer 6 wohnen Margot und Hans Janus. In ihrem Keller erreicht der Wasserstand die Höhe von 1,50 Meter. Obwohl das Hochwasser bis nur wenige Zentimeter unter dem Boden von Wohnzimmer und Küche steht, bewahrt das Ehepaar eine stoische Gelassenheit. Aus reiner Gewohnheit, denn sie bewohnen das Haus, dessen Garten unmittelbar an den Münsterbach grenzt, bereits seit drei Jahrzehnten. In 25 der 30 Jahre blieb ihr Keller nicht trocken.

„Gleich in dem Jahr als wir eingezogen sind, hatten wir mehrmals Hochwasser. Seitdem nutzen wir den Keller nicht mehr, und unser Garten wurde mit fünf Lkw-Ladungen Erdreich erhöht, damit er nicht immer wieder komplett unter Wasser steht”, beschreibt Hans Janus. In den 1980er Jahren sei der traurige Rekord erreicht worden, und der Keller 23 Mal leer gepumpt worden. An das genaue Jahr erinnern sich die Beiden nicht mehr, aber Margot Janus weiß noch genau: „Wir mussten damals über 400 Mark Strom nachzahlen, da die Pumpe immer über unseren Zähler lief.”

In den vergangenen Jahren habe sich die Hochwassersituation in der gefährdeten Straße glücklicherweise beruhigt, meint Hans Janus. Dass die Lage sich derzeit für die Anwohner so dramatisch darstelle, hänge allerdings nicht ausschließlich mit dem Abschmelzen großer Schneemassen und den einsetzenden Regenfällen zusammen, vermutet er. „Das im Münsterbach neu gebaute Wehr ist einfach zu groß. Dadurch kann das Wasser nicht weiterfließen, es entsteht ein Engpass, an dem sich das Wasser so hoch aufstaut, dass uns die Keller überfluten”, erklärt der hochwassererfahrene Anwohner mit einem wehmütigen Blick über seinen Garten, der zur Zeit eher an einen See erinnert - und nicht wegen hohen Schnees, sondern wegen hüfthohen Wassers nicht mehr zu begehen ist.
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