Schnelles Internet für Zweifall nur ein Traum?

Von: Ottmar Hansen
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Ohne schnellen Internetanschluss kann heute fast niemand mehr arbeiten.

Stolberg. Haben sich die Bewohner von Zweifall zu früh gefreut? Vor Wochenfrist versprachen ihnen ein Vertreter der Telekom und Bürgermeister Ferdi Gatzweiler im Rahmen einer Bürgeranhörung, dass sie spätestens im Jahr 2015 über einen schnellen Internetanschluss verfügen können.

Jetzt könnte sich diese Ankündigung als Seifenblase heraus stellen, die schon kommenden Dienstag in der Sitzung des Hauptausschusses platzen könnte.

Es geht um die finanzielle Förderung des aufwendigen Projektes. Der Breitband-Beauftragte der Telekom, Gregor Theißen, hatte bei der Bürgerversammlung erläutert, wie das moderne Glasfaserkabel für die schnelle Internetverbindung vom Knotenpunkt in Vicht bis Zweifall gezogen werden könnte. Gut sechs Kilometer wäre das Kabel lang, drei Kilometer müssten unterirdisch verlegt werden, der Rest über der Erde per Masten.

In Zweifall müssten sieben Verteilerkästen auf den neuesten Stand gebracht werden. Von ihnen aus könnte das Internetsignal dann per bestehender Kupferleitung zu den einzelnen Häusern geleitet werden. 100 Mbit stark wäre das Signal dann, das den einzelnen Rechner in Zweifall erreicht. Derzeit klagen die Zweifaller über eine Leistung, die bei 384 Kbit liegt und nicht einmal zum Surfen reicht, geschweige denn, um Geschäftsverkehr über das Internet abzuwickeln.

Rund 700.000 Euro werde das Projekt kosten, hatte Gregor Theißen den Bürgern vorgerechnet. Und Bürgermeister Gatzweiler hatte in Aussicht gestellt, dass das Land 90 Prozent dieser Kosten tragen werde, die Stadt also nur 70.000 Euro beisteuern müsse.

Doch das stimmt so nicht. Wie Birgit Reinhardt vom zuständigen Dezernat der Bezirksregierung am Donnerstag auf Anfrage der Redaktion bestätigte, zahlt das Land strukturschwachen Kommunen tatsächlich einen Zuschuss von 90 Prozent. Die Summe der Förderung ist allerdings begrenzt: auf 180.000 Euro je Maßnahme. Mehr gebe es auch für das Stolberger Projekt zwischen Vicht und Zweifall nicht, so Reinhardt. Die Stadt müsste also demnach selbst 520.000 Euro aufbringen. Eine stolze Summe.

Um überhaupt an die Fördermittel zu kommen, müsste Stolberg ein Gutachten vorlegen, das beweist, dass die Stadt bei der Breitbandverkabelung unterversorgt ist. Für dieses Gutachten sind im Rathaus rund 60.000 Euro veranschlagt. Aber lohnt sich die Ausgabe von 60.000 Euro für ein Gutachten, um später womöglich eine Förderung von bestenfalls 180.000 Euro zu erhalten? Wobei noch unklar ist, ob und wann die Stadt überhaupt in die Fördermaßnahme aufgenommen wird.

Für CDU-Sprecher Dr. Tim Grüttemeier macht die Ausgabe für das Gutachten wenig Sinn. „In der Vorlage für den Hauptausschuss am Dienstag sind jedenfalls noch viele Fragen offen.“ SPD-Fraktionschef Dieter Wolf hält trotzdem an dem Vorhaben fest, die Sperre im Haushalt über die 60.000 Euro aufzuheben, damit eine Fachfirma Erhebungen anstellen kann, wie und für wie viel Geld Stolberg besser ans Breitbandnetz angeschlossen werden kann. Wolf: „Wenn wir gar nichts machen, ist das den Bürgern schwer zu vermitteln.“

Frank Gilles vom Amt für Wirtschaftsförderung sieht noch nicht ganz so schwarz, was die Breitbandversorgung von Zweifall angeht. Auch er weiß aus diversen Gesprächen mit der Bezirksregierung, dass es maximal 180.000 Euro je Maßnahme gibt. Aus seiner Sicht kommen bei dem Projekt zwischen Zweifall und Vicht allerdings durchaus mehrere Maßnahmen zusammen: Die Versorgung von Vicht, die Versorgung von Zweifall und die Versorgung auswärts gelegener Weiler.

Das wären schon drei Maßnahmen mit Förderung (und drei Förderanträge), was die Finanzierung für die Stadt schon erträglicher gestalte. Ohne Gutachten gehe es aber nicht, so Gilles: „Wir müssen uns den Expertenrat einholen. Da kommen wir nicht drum herum.“

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