Schmiedeweihnacht: „Stolberg hat lange und stolze Tradition“

Von: Dirk Müller
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Thomas-Maria Schmidt schmiedet einen Weihnachtsstern und möchte als Präsident die Freundschaft zwischen dem Internationalen Fachverband Gestaltender Schmiede und der Stolberger Szene beleben.
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Im Rathausfoyer lockt ein Kunsthandwerkermarkt mit vielfältigen Exponaten und Leckereien die Besucher an.
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Schmuck entsteht live an zwei Ständen

Stolberg. Zufrieden blickt Paul Klaasen in die Runde und sagt: „An allen Stellen raucht es. Das ist gut.“ Damit kommentiert er einen wichtigen Aspekt, der die Kupferstädter Schmiedeweihnacht ausmacht: Mehr als 20 internationale Schmiede präsentieren nicht nur ihr kunstvolles Schaffen, sondern sie sind quasi permanent in Aktion zu sehen und demonstrieren ihr traditionelles Handwerk vor dem Rathaus.

Klaasen ist rund 200 Kilometer aus dem niederländischen Terborg angereist und betont, der Weg habe sich für ihn einmal mehr gelohnt. „Es ist sehr gemütlich und schön, dass ich meine Kumpels hier in Stolberg wiedersehe. Die Kupferstädter Schmiedeweihnacht ist jedes Jahr ein Revival, bei dem die Schmiedefamilie sich trifft“, beschreibt Klaasen.

Die Besucher der Schmiedeweihnacht erfreuen sich derweil sowohl an dem Handwerk, das hautnah erlebt werden kann, als auch an den anspruchsvollen Werkstücken. „Schau mal, wie schön diese Rose ist“, ruft eine Besucherin ihrer Bekannten zu und deutet auf eine langstielige Metallrose. Das besondere an dem Werkstück: Der Schmied hat sie aus einem Stück gefertigt.

Kunsthandwerk statt Konsum

„Die Leute sind hier sehr interessiert an unserem Schmiedehandwerk“, freut Ron van Loorbeek sich. Der Brunsumer Schmied ist ein Mann der ersten Stunde und auch bei der zehnten Auflage der Kupferstädter Schmiedeweihnacht wieder dabei. Und er ist angetan von der Anzahl der Besucher und der positiven Resonanz.

„Einige Besucher erzählen, dass sie von anderen Weihnachtsmärkten in benachbarten Städten eher enttäuscht seien. Dort gehe es nur um Konsum, und angeboten werde hauptsächlich Krempel. Dabei wird das Interesse an echter Handwerkskunst immer größer – das merken wir auch bei der Schmiedeweihnacht in Stolberg“, meint van Loorbeek.

Unmittelbar vor dem Rathaus entstehen stählerne Weihnachtsterne. Thomas-Maria Schmidt bearbeitet das glühende Metall. Er nimmt zum ersten Mal an der Kupferstädter Schmiedeweihnacht teil, nachdem er bereits bei der Stadtparty an der Burg in Aktion zu bestaunen war.

Ein Terrain, das er schon länger kennt, denn: „Ich habe vor 15 Jahren mit Matthias Peters das Tor zum Kräutergarten der Burg geschmiedet“, berichtet Schmidt, der von 2012 bis 2014 Deutscher Schmiedemeister war. Heute lebt und arbeitet Schmidt in Höheischweiler bei Pirmasens, und die 300 Kilometer weite Anreise hat er nicht nur auf sich genommen, um in der Kupferstadt zu schmieden.

Thomas-Maria Schmidt ist Präsident des Internationalen Fachverbands Gestaltender Schmiede (IFGS). „Ich bin auch hier, um die Freundschaft zwischen der Stolberger Schmiedeszene und dem IFGS wieder aufleben zu lassen“, sagt Schmidt. Aus gutem Grund erklärt der Präsident des Fachverbands: „Stolberg hat eine lange und stolze Schmiedetradition. Und das tolle ist, dass diese Tradition nicht nur hinter verschlossenen Werkstatttüren stattfindet, sondern hier wirklich gelebt wird, und alle Bürger bei der einzigartigen Schmiedeweihnacht oder der Stadtparty daran teilhaben können.“

Die treibenden Kräfte dafür seien Lars Potente und Adi Radermacher, Fachbeirat im Ring der Europäischen Schmiedestädte. „Die beiden sind sehr aktiv und in der Szene weit über die Euregio hinaus bekannt. Wenn sie nach Stolberg einladen, kommen die Schmiede gerne.“

Auch ein Grund dafür sei die kleine gesellige Feier, die Radermacher und Potente am Samstagabend immer in ihrer Werkstatt für die Schmiedefamilie ausrichten, sagt der Präsident des IFGS. Zum Aufwärmen nutzen die Gäste der Schmiedeweihnacht indes sowohl die heißen Essen genannten Feuerstellen der Handwerker, als auch das Rathaus.

Über die Schulter schauen

Denn im Foyer des Verwaltungsgebäudes zeigen Aussteller unter anderem Textiles, Kunst aus Stein, afrikanische Skulpturen, Glaskunst und mehr und bieten hausgemachte Leckereien an. Und auch bei dem kleinen, aber feinen Indoor-Kunsthandwerkermarkt können die Besucher einigen Machern der vielfältigen Exponate bei ihrem Schaffen über die Schulter schauen: Schmuck entsteht live an zwei Ständen, und Manfred Bayer vom Drechsler-Forum bearbeitet vor den Augen der faszinierten Gäste Holz, aus dem formschöne wie nützliche Dinge oder sogar wahre Kunstwerke werden.

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