Schlüsselfertig und doch verschlossen

Von: Jürgen Lange
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Stolberg. Eigentlich sollte die Atscher Löschgruppe der Feuerwehr jetzt mit ihrem Einzug in das neue Domizil am Abzweig zur Schneidmühle beschäftigt sein. Doch daraus wird vorerst noch nichts.

Dabei steht die schmucke Gerätehalle mit Fahrzeughalle und Sozialräumen schlüsselfertig auf dem Eckgrundstück an der Eisenbahnstraße.

Schlüsselfertig im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie ist verschlossen. „Das Gebäude ist nicht abgenommen”, begründet Fachbereichsleiter Josef Braun.

Die Abnahme war für Dienstag terminiert. „Der Beamte kam, sah und ging”, erklärt Jürgen Fünfgelder. „Denn es fehlen die Hausanschlüsse für Gas, Wasser und Strom”, gibt der Geschäftsführer der baden-württembergischen Schneider GmbH unumwunden zu, die das Bauwerk schlüsselfertig und termingerecht zum 31. März vollendete - bis auf die Hausanschlüsse.

Aber die bereiten dem renommierten Unternehmen durchaus Kopfschmerzen, denn „die Auflagen der Stadt sind außergewöhnliche”, und der Schriftverkehr zwischen dem Firmensitz in Stimpfach und dem Stolberger Rathaus „füllt Bände”, so dass bis zur Vollendung wohl noch ein wenig Zeit vergehen wird.

„Das Unternehmen hat sich zu spät um die Hausanschlüsse gekümmert”, sagt Braun. „Früh genug, um zum 31. März fertig zu sein”, entgegnet Fünfgelder.

Denn das Versorgungsunternehmen sicherte den Anschluss für die 13. Kalenderwoche zu, so dass dem Unternehmen noch satte zwei Tage Zeit geblieben wären, um Wasserleitung & Co. an die Hausleitungen anschließen zu können.

Doch dann teilte der örtliche Versorger mit, den Termin aufgrund städtischer Auflagen nicht einhalten zu können. Dabei liegen die Versorgungsleitungen in Sichtweite auf der anderen Straßenseite. Nur ihre Querung wird zum Problem.

Das beauftragte Tiefbauunternehmen gab aus seiner Erfahrung zu bedenken, dass man aufgrund der Bodenbeschaffenheit die Anschlussleitungen nicht einfach durch den Boden unter der Fahrbahn schießen wolle, klärt der Fachbereichsleiter auf. Eine halbseitige Sperrung der Landesstraße sei aber aufgrund der örtlichen Situation zu gefährlich.

Alternative könne eine Vollsperrung mit Einbahnstraßenregelung sein - möglicherweise an einem Wochenende oder nachts wegen der großen Verkehrsbelastung.

Das ginge aber ins Geld. Inzwischen hat die Verwaltung im Archiv gesucht und festgestellt, dass zumindest seit 1811 kein Fundament auf der heutigen Straße gestanden habe. Nun tendiert man im Rathaus dazu, es doch einmal zu versuchen, die Leitung unter der Fahrbahn durchzuschießen.

„Wir haben unseren Auftrag erfüllt; das Problem liegt bei der Stadt Stolberg”, bilanziert Jürgen Fünfgelder die Lage. Probleme mit dem Boden lägen im Risiko des Bauherrn, der Stadt also.

Das sieht zwar der Fachbereichsleiter ebenso, aber das Problem der nicht fristgerechten Fertigstellung sei nun einmal das Risiko des Generalunternehmers, und der habe mögliche Verzögerungen eben nicht kalkuliert.

Verkalkuliert hatte sich die Stadt bereits bei der Kostenplanung des Gerätehauses.

385.000 Euro hatte die Mehrheit dafür in ihren Haushalt gestellt. 90.000 Euro wurden im August nachträglich bewilligt - wegen Kostensteigerungen bei Rohstoffpreisen und weil nach einem Bodengutachten eine aufwändigere Gründung erforderlich wurde. Heute werden die Gesamtkosten mit 480.000 Euro beziffert.

„Pünktlich hat die Stadt bisher ihre Abschlagszahlungen geleistet”, bestätigt der Geschäftsführer. Für weitere Rechnungen laufe noch die Zahlungsfrist.

„Das Projekt liegt im Kostenrahmen”, sagt Fachbereichsleiter Josef Braun. „Wir sind da anderer Meinung”, hält Jürgen Fünfgelder gegen.

Auch ein Generalunternehmer könne nicht alle Kosten auffangen, die ihm aufgebürdet werden sollen. Da werden wohl noch einige Schriftwechsel zwischen Rheinland und Baden-Württemberg fällig werden...
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