Schlangenberg ist voller Überraschungen

Von: Philip Hilger
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Stolberg-Breinigerberg. Heinz Kreutz ist zufrieden. „Sie hat sich sehr viel Mühe gegeben. Mir hat es echt gut gefallen”, stellt der Zweifaller anerkennend fest. Dieses Lob hat sich Renate Ethen, Natur- und Kulturlandschaftsführerin, auch redlich verdient.

Über Stock und Stein wandern die 15 Teilnehmer der zweieinhalbstündigen Entdeckungsreise durch das ehemalige Bergbau- und heutige Naturschutzgebiet „Schlangenberg”, das für seine europaweit einzigartige Galmeiflora bekannt ist.

Zu dieser Pflanzengesellschaft, die auf dem extrem kalkhaltigen Boden mit hohem Zink-, Blei- und Cadmiumgehalt gedeiht, gehören das strahlend gelbe Galmeiveilchen, die Grasnelke, die Frühlingsmiere, der Taubenkopf und das Galmei-Täschelkraut.

Jedoch ist die Galmeiflora nicht das einzige spannende Thema der Exkursion, hat Renate Ethen doch ein breit gefächertes Informationsangebot mit vielen interessanten biologischen und geologischen Überraschungen auf Lager. So lässt der Name „Schlangenberg” vermuten, dass es hier einmal Schlangen gegeben haben muss.

Tatsächlich, der Schlingnatter verdankt der „Schlangenberg” seinen Namen. Die lebe jedoch seit Jahren nicht mehr dort, erläutert Ethen. Stattdessen gibt es zahlreiche Blindschleichen. Diese gehören jedoch nicht, wie fälschlicherweise oft behauptet, zur Familie der Schlangen, sondern sind eine Echsenart, die der Familie der Schleichen angehört.

Vereinzelte Löcher

Vereinzelte Löcher im Gelände, nicht zu verwechseln mit Bombentrichtern, weisen auf die ehemalige Bergbauregion der Erzgrube Breinigerberg hin. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden hier Blei- und Zinkerze, genannt „Galmei”, abgebaut. Da das Galmei nicht großflächig verteilt, sondern nur in einzelnen Adern vorhanden war, durchziehen zahlreiche Gräben das Naturschutzgebiet, so genannte Pingen. Sie zeigen genau, wo einmal Galmei abgebaut wurde.

Galmeipflanzen dienten den Bergleuten als so genannte Zeigerpflanzen, um Erzlagerstätten zu lokalisieren, und waren „der Hinweis für etwas Besonderes im Boden”, erklärt Renate Ethen. Seit dem 16. Jahrhundert, zur Zeit der Kupfermeister, wurde Galmei abgebaut, um Messing herzustellen. Bereits in der Kelten- und Römerzeit fand am „Schlangenberg” ein für die damaligen Verhältnisse beachtlicher Bergbau statt.

Heutzutage ist der Bergbau im Naturschutzgebiet natürlich längst eingestellt, obwohl angeblich noch viel Zink vorhanden sein soll. „Ein Abbau würde sich aber schon aus finanziellen Gründen nicht lohnen”, winkt Renate Ethen ab.

Nach der Stilllegung der ehemaligen Bergbauregion im Jahr 1888 hatte man einen Großteil der Fläche eingeebnet und Kiefern gepflanzt, um zu verhindern, dass der Wind Galmeistaub aufwirbelt und verbreitet. Galmei ist nämlich giftig. „Wir konnten im Garten kein Gemüse anbauen, weil im Boden stellenweise immer noch Galmei vorhanden ist. So konnte es sein, dass Kohl an manchen Stellen gelb wurde”, berichtet Lothar Kramer aus Breinigerberg.

Heutzutage jedoch muss die natürliche Ausbreitung von Kiefern, die auf schwermetallhaltigen Böden gut gedeihen, aus Naturschutzgründen gestoppt werden, um die einzigartige Galmeiflora zu schützen. Denn die Erhaltung der Galmeiflora ist für das gesamte ökologische System im Naturschutzgebiet „Schlangenberg” sehr wichtig. So sind zum Beispiel zahlreiche Insekten und Schmetterlinge auf die Galmeipflanzen spezialisiert. Von diesen Insekten wiederum ernährt sich die Heidelerche. „Es existieren ökologische Zusammenhänge”, erklärt Renate Ethen. „Nimmt man auch nur einen Teil aus diesem System hinaus, bricht es zusammen”. Um das zu verhindern, ist das Naturschutzgebiet „Schlangenberg” im EU-Programm „Natura 2000” aufgenommen, das dem Erhalt von wertvollen Naturschutzgebieten dient.

Echte Überlebenskünstler

Die Mitglieder der Pflanzengesellschaft der Galmeiflora sind echte Überlebenskünstler. Sie wenden die verschiedensten Tricks an, um den widrigen Bodenverhältnissen zu trotzen. Die Grasnelke hat zum Beispiel spezielle Salzdrüsen, mit denen sie andere Pflanzen von sich fern hält, um die ohnehin wenigen Nährstoffe im Boden für sich zu behalten.

Einige Meter tiefer im Boden sind jedoch genügend Nährstoffe vorhanden, ist der Schlangenberg doch nicht umsonst Trinkwasserschutzgebiet höchster Priorität. „Das Trinkwasser ist hochwertig und zuverlässig”, berichtet Renate Ethen und blickt in die erneut überraschten Gesichter vieler Teilnehmer, die den „Schlangenberg” fortan sicher mit viel offeneren Augen betrachten werden.
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