Schieflage in der Wirtschaft macht auch vor Stolberg nicht halt

Von: Lars Brepols
Letzte Aktualisierung:
arge_bu
Mit vollem Einsatz bei der Sache: Helene Kraus (r.) und Inka Kreuzkamp. Die beiden Mitarbeiterinnen des Stoberger Sozialkaufhauses sortieren die neue Ware für den Verkauf. Foto: Lars Brepols

Stolberg. Noch sind die Folgen der Finanzkrise nicht vollends absehbar. Doch für viele Arbeitnehmer hat die Zeit des Zitterns längst begonnen. Viele Unternehmen müssen Stellen streichen oder Kurzarbeit anmelden, um die drohende Insolvenz abzuwenden. Davon bleibt auch die Kupferstadt nicht verschont.

Erst vor wenigen Wochen vermeldete Saint-Gobain Sekurit betriebsbedingte Kündigungen. Die heiße Phase ist angelaufen. Ein Ende noch nicht in Sicht.

Qualifizierung

Erst kürzlich informierte die Bundesagentur für Arbeit in einer Presseerklärung, dass sich aufgrund der schlechter werdenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen lange Schlangen in den Eingangs- und Wartezonen der Agenturen bilden würden.

Der Leiter des Stolberger Jobcenters, Joachim Müller, gibt für Stolberg aber Entwarnung: „Die Lage ist noch überschaubar. Ein größerer Bedarf ist derzeit für Stolberg nicht zu verzeichnen.” Viele Kunden aus 2008 würden jetzt den Weg zur Arge finden und sich neu melden.

„Diese Menschen wollen wir durch Umschulungen und Weiterbildungsmaßnahmen qualifizieren”, verdeutlicht Müller, der das Motto „die Krise als Chance sehen” vorgibt.

Etwa 65 Arbeitsuchende hat die Arge im Rahmen ihrer „Produktionswerkstatt” an das Stolberger Sozialkaufhaus in der Ellermühlenstraße vermittelt.

Den arbeitslosen Frauen und Männer soll so eine Chance auf eine berufliche Zukunft geboten werden. Vorhandene Fähigkeiten sollen im Rahmen der vielfältigen Tätigkeiten im Kaufhaus gefördert, aber auch bislang schlummerndes Potenzial erkannt werden.

19 der 65 Mitarbeiter werden zurzeit vom Projekt-Träger Wabe in Vollzeit beschäftigt. Dreimal pro Woche besucht die Wabe-Sozialarbeiterin Simone Hennen das Kaufhaus, um den Mitarbeitern hilfreich zur Seite zu stehen.

„Bei Konflikten mit Kollegen, Behördengängen oder anderen Problemen versuche ich zu helfen”, verdeutlicht Hennen, die seit November für die Wabe im Einsatz ist.

Vor fast genau einem Jahr öffnete das Stolberger Sozialkaufhaus seine Pforten. Seitdem hat sich viel getan. In vielen kleinen Schritten wurde die Verkaufsfläche erweitert. Ein Durchbruch zum alten Stolberger Kino verbindet fortan den unteren Teil des Kaufhauses mit dem riesigen ehemaligen Kinosaal.

So konnte die Angebotspalette deutlich erweitert werden. „Die Spendenbereitschaft ist seit dem Tag der Eröffnung stetig gestiegen”, freut sich Manfred Peters, Leiter des Sozialkaufhauses, „mittlerweile kann hier fast alles erworben werden.”

Cafeteria für Kunden

Bücher, Kinderschuhe, Sofas, Schränke oder Elektrogeräte: Das Kaufhaus macht seinem Namen alle Ehre. „Waschmaschinen werden von unseren Kunden besonders stark nachgefragt”, weiß Peters, der gleichzeitig darauf hinweist, dass gerade bei Möbeln oder Elektroartikeln die Notdürftigkeit - in Form eines Renten- oder Arbeitslosengeldbescheides - nachgewiesen werden müsse.

„Wenn ein Student aber dringend Geschirr benötigt, dann drücken wir auch mal ein Auge zu”, stellt Peters klar, der vor kurzem mit seinen Kollegen auch eine kleine Cafeteria eröffnet hat. Hier können sowohl die Kunden, als auch die Mitarbeiter, für kleinstes Geld Kaffee, belegte Brötchen und andere Leckereien erwerben.

„Viele Stolberger kommen auch wegen der Geselligkeit zu uns, um mal mit jemandem über die eigenen Probleme zu reden”, hat Peters festgestellt, „bei einem Kaffee und einer Waffel fällt das natürlich leichter.”

Insgesamt hat Peters in den vergangenen Monaten festgestellt, dass der Bedarf vieler Bürger deutlich größer geworden ist. „Viele Menschen sind schon in einer finanziellen Schieflage, wobei die Folgen der Wirtschaftskrise und der daraus resultierenden Kurzarbeit noch nicht absehbar sind”, sagt Peters, „wir rechnen jedenfalls mit einer noch größeren Nachfrage in den kommenden Monaten. Die Spannung ist riesengroß.”
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert