Stolberg - Schiedspersonen sind eine Entlastung für die Gerichte

Schiedspersonen sind eine Entlastung für die Gerichte

Von: Vivien Nogaj
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Schiedspersonen helfen dabei, Streitigkeiten im Zivil- oder auch im Strafrecht zu lösen. Zwei von ihnen sind Hermann Schmitz (links) und Josef Kochs. Foto: Vivien Nogaj

Stolberg. Wenn es heftigen Streit mit den Nachbarn gibt, etwa weil die Hecke zu weit über den Gartenzaun ragt, oder das Rasenmähen permanent die Mittagsruhe stört, muss nicht gleich der Anwalt eine Lösung finden. Oft reicht es, wenn eine Schiedsperson hilft. Das ist einfacher, schneller – und besonders kostengünstiger.

Josef Kochs ist so eine Schiedsperson. Seit 43 Jahren übt der 75-Jährige das Ehreamt in Stolberg aus. Fälle erlebt hat er schon einige. „Da geht es um die verschiedensten Sachen: Nachbarschaftsstreit, Üble Nachrede, sogar Körperverletzung“, sagt er. „Alles, was unter Zivil- oder Privatrecht fällt, liegt im Zuständigkeitsbereich der Schiedspersonen.“

Im Gegensatz zu einer gerichtlichen Verhandlung geht es beim Schiedsamt nicht darum, ein Urteil zu fällen, sondern einen Vergleich zu finden, also eine Einigung der Parteien herbeizuführen. Hermann Schmitz, Erster Vorsitzender beim Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen erklärt: „Es gibt keinen Gewinner und Verlierer in einem Streitfall. Durch die Einigung entsteht für beide Parteien eine Win-Win-Situation.“

Die Schiedsperson sei hierbei lediglich der neutrale Vermittler mit einem offenen Ohr, ähnlich wie ein Streitschlichter in der Schule. „Oft tut es den verärgerten Leuten einfach gut, Dampf abzulassen. Sie wollen, dass jemand zuhört und sich ihrer Probleme annimmt“, sagt Kochs. Partei ergreifen die Schiedspersonen aber niemals. Sie bringen Lösungsvorschläge ein – oft mit Erfolg. „Mehr als 50 Prozent aller Fälle können mit Einsatz des Schiedsamtes außergerichtlich gelöst werden“, weiß Schmitz.

Das ist auch Sinn und Zweck der Einrichtung: Durch die Ehrenämtler werden Gerichte und Staatsanwälte entlastet. Bei strafrechtlichen Privatklagedelikten wie Beleidigung, Körperverletzung, Sachbeschädigung, Hausfriedensbruch, Bedrohung und bei Verletzung des Briefgeheimnisses muss daher immer ein Sühneversuch vor dem Schiedsamt unternommen werden, ehe der Antragssteller eine Klage vor Gericht erheben kann. Andy Rutzik vom Landgereicht Aachen erklärt: „Wenn sich die Parteien in einem Güteverfahren immer noch nicht geeinigt haben, kann der Fall letztendlich vor Gericht ausgehandelt werden, vorher nicht.“

Damit es nicht gar nicht erst soweit kommt, stehen die Schiedspersonen zur Verfügung – auch am Wochenende. Sie sind für die Bürger schneller erreichbar und können den Streit zeitnäher und preiswerter verhandeln: „Am Ende kostet unser Einsatz die Beteiligten etwa zwanzig Euro. Das ist Nichts im Vergleich zu einem Anwalt“, sagt Kochs.

Eine juristische Ausbildung braucht er für seine Arbeit nicht. Voraussetzung ist lediglich ein Wohnsitz im Schiedsamtsbezirk, ein für das Amt geeigneter Bildungsstandard und ein gewisses Maß Lebenserfahrung – deshalb ist ein Alter zwischen 30 und 70 Jahren wünschenswert.

„Und die Verschwiegenheit ist oberste Priorität“, weiß Kochs. Das Schönste an seinen Ehrenamt sei für ihn übrigens, wenn die streitenden Parteien sich vertragen. Er erinnere sich noch gut an einen Fall, wo die Beteiligten sich am Ende einig waren: Das Geld für die Schiedsperson hätten sie besser in Bier investiert. Die Erfahrung als Schiedsperson habe Kochs gezeigt: „Dafür ist es nie zu spät“.

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