Stolberg-Schevenhütte - Schevenhütte hat Angst vor einer Flutwelle

Schevenhütte hat Angst vor einer Flutwelle

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
Idyllisch liegt der Schevenhü
Idyllisch liegt der Schevenhütter Schieferbruch im Laufenburger Wald. Allerdings droht der Hang in der Mitte abzubrechen und in den mit Wasser voll gelaufenen Steinbruch zu stürzen. Foto: R. Roeger / J. Lange

Stolberg-Schevenhütte. Angst vor überfluteten Kellern macht sich im idyllischen Wehebachtal bei Schevenhütter Bürgern breit. Nicht etwa, weil sie sich von der großen Talsperre bedroht fühlen würden, sondern weil sie einen „Tsunami” aus dem alten Schiefer-Steinbruch im östlichen Talhang befürchten.

Dort droht ein bis zu 8000 Kubikmeter umfassendes Stück des Steilhangs in den mit Wasser nahezu voll gelaufenen Steinbruchkessel zu stürzen. Sollte das unkontrolliert passieren, könnten nicht näher bezifferbare Wassermassen über die Ufer schwappen und ins Tal stürzen. Die Ordnungsbehörden der Stadt sind in Alarmbereitschaft, die Städteregion und ein Gutachter sind eingeschaltet. Als erste Sicherungsmaßnahme hat die Feuerwehr begonnen, den Wasserstand im Steinbruch, der sich über etwa einen Hektar Fläche erstreckt und dessen Tiefe und Dimensionen nicht genau bekannt sind, zu senken. „Die Angaben reichen bis zu 25 Meter Tiefe”, sagt Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt.

Tiefe Risse im Waldboden

Erst einmal um fünf Meter soll der Wasserstand gesenkt werden. Zwei Tauchpumpen befördern etwa einen Kubikmeter pro Minute klares Steinbruchwasser über die Bergkuppe und einen Graben in den Wehebach. Um einen Zentimeter sinkt der Pegel im Steinbruch stündlich. „Die Pumpen des bisherigen Betreibers sind defekt und nicht einsetzbar”, so Hans Maassen, der beim Ordnungsamt die Maßnahmen zur Gefahrenabwehr koordiniert. „Alle Beteiligten arbeiten kooperativ mit”, lobt Maassen nach mehreren Ortsterminen.

Dazu zählt auch Förster Burghard Priese von der Laufenburger Forstverwaltung, der das Gelände außerhalb des Steinbruchs gehört. Im Dezember entdeckte der Förster einen kleinen Riss im Waldboden oberhalb des Abbaus, der sich zusehends vergrößerte. Handlungsbedarf wurde im Februar erkennbar und die Stadt informiert. Ortstermine folgten seit Mitte März. Die Städteregion beauftragte ein geotechnisches Büro mit einem Gutachten, um die Dimensionen abzuschätzen. Doch ob die Massen stückweise abbröckeln oder in einem Rutsch abgehen, ist nicht kalkulierbar. Und hängt auch vom Wetter ab. „Es ist ein Glück, dass es in den vergangenen Wochen kaum geregnet hat”, sagt Priese, der täglich die Veränderungen misst. Innerhalb der letzten fünf Tage ist die Gesteinsformation um weitere zehn Zentimeter abgerutscht.

Mehr als einen Meter tief und einige Dutzend Zentimeter breit sind mittlerweile die Spalten im Boden oberhalb des Hangs. Längst ist der gefährdete Bereich mit einem Zaun abgesperrt und so vor einem gefährlichen und unbefugten Betreten gesichert. Wenn der Wasserpegel rechtzeitig gesenkt werden kann, „erwägen wir eine kontrollierte Sprengung des Hangs”, so Maassen. Doch erst in 20 Tagen dürfte das Niveau des Sees ausreichend abgesunken sein. Aber zwischen dem heutigen Pegel und der Bergkante zum Tal hin besteht noch eine Pufferzone von gut vier Meter aufgrund des ansteigenden Geländes. Selbst im Falle eines plötzlichen Abbruchs dürften die Wassermassen das Wehebachtal nicht mit voller Wucht treffen können, kalkulieren die Fachleute.

Der Abbau von Schiefer hat in Schevenhütte Tradition; bis ins 14. Jahrhundert zurück ist er dokumentiert. Allerdings liegt für den betroffenen Steinbruch weder eine Abbauerlaubnis noch eine Genehmigung nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz vor, erklärte die Städteregion auf Anfrage. Der Abbaubetrieb sei jedoch seit einigen Jahren zumindest offiziell eingestellt. Der ehemalige Betreiber hat den Steinbruch mittlerweile veräußert. Der heutige Besitzer war am Donnerstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Eine Rekultivierung des Geländes ist nach Angaben der Städteregion nicht vorgesehen. Der Steinbruch soll aufgrund seiner geologischen Besonderheiten als Bodendenkmal unter Schutz gestellt werden; das Verfahren dazu läuft bereits. „Nach Abwehr der konkreten Gefahrensituation werden wir uns Gedanken über eine dauerhafte Lösung machen”, erklärte Städteregionssprecher Holger Benend. Angedacht ist ein regulärer Überlauf für den Steinbruch. Denn werden die Pumpen wieder abgestellt, wird der Kessel wieder voll Wasser laufen.
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