„Schauburg“ macht endgültig dicht

Von: Ottmar Hansen
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In der früheren „Schauburg“ gehen bald endgültig die Lichter aus. Auch die Videothek, die das Erdgeschoss des Kinos belegt hatte, schließt. In dem Gebäude an der Rathausstraße war 1944 und 1945 Marlene Dietrich vor US-Soldaten aufgetreten. Foto: O. Hansen

Stolberg. Die Leinwand im Vorführungsraum auf der ersten Etage sieht aus als würde jeden Augenblick ein aktueller Kinohit darüber flimmern. Die Sitzreihen laden Zuschauer immer noch zum Platznehmen ein. Ein Plakat an der Wand wirbt für den Film „Robin Hood“. Doch jetzt ist wohl auch das letzte Kapitel der Stolberger „Schauburg“ beendet.

Nachdem das Kino vor 29 Jahren seine Toren wegen abnehmender Nachfrage der Filmfans schließen musste, gibt nun auch die Videothek auf, die als Nachmieter in das Erdgeschoss des Kinogebäudes gezogen war.

1924 hatte die Schauburg den ersten Kinofilm präsentiert. In einer Zeit, als die Menschen in die Kinos drängten, um bewegte Bilder zu verfolgen. Das Stolberger Kino mit dem Namen „Schauburg“ war weit über die Grenzen der Stadt hinaus bekannt. Es gab noch kein Fernsehen. Stars wie Willy Fritsch oder Lilian Harvey waren nur auf der Kinoleinwand zu sehen. Vor allem die Jüngeren zog es in die Lichtspielhäuser.

Unbeschadet überstanden

Die Schauburg hatte die Kämpfe während des Zweiten Weltkrieges fast unbeschadet überstanden. Marlene Dietrich tanzte und sang für die amerikanischen Soldaten 1944 und 1945 in dem Stolberger Gebäude. Ein Werbeplakat für diese Auftritte ist heute noch im Museum Zinkhütter Hof zu sehen.

Auch nach dem Krieg waren in dem Lichtspieltheater an der Rathausstraße die großen Kinohits zu sehen. Bis das Fernsehen eingeführt wurde. Und die Videotechnik. Das Publikum zog es vor, große Filme wie „Das Boot“ daheim auf dem Sofa anzusehen. Bequem, mit einem Bier in der Hand, billiger. Die Schauburg wurde umgebaut. Aus einem Saal mit 800 Sitzplätzen wurden zwei Filmtheater mit weniger Sesseln. Trotzdem war die geschäftliche Lage so schlecht, dass der Filmbetrieb im Frühjahr 1985 aufgegeben werden musste. „Die Rache der Enterbten“ mit Dieter Hallervorden“ war der letzte Film, der über die Leinwand der Schauburg flimmerte.

An dem Kino auf der ersten Etage wurde nicht viel verändert. Lediglich der Projektor wurde abgebaut. Im Erdgeschoss zog nahtlos eine Videothek ein. Hier waren die Filmhits meist wenige Wochen nach der Kino-Premiere für wenig Geld auszuleihen. Doch auch diese Technik hat sich inzwischen überholt. Wer einen Film sehen möchte, zieht ihn sich aus dem weltweiten Netz mal eben auf seinen Computer herunter. „Das Internet macht alles kaputt“, schimpft Dennis Kim von der Videothek, die derzeit noch die letzten Filme aus ihrem Angebot zu Schleuderpreisen an die Kundschaft abgibt, bevor sie endgültig ihre Türen schließen wird.

„Einen Film aus dem Internet herunter zu laden dauert heute vielleicht 10 bis 15 Minuten. Dass für den Datendiebstahl, wenn man erwischt wird, Geldstrafen fällig werden, schreckt offenbar kaum noch jemanden ab“, sagt Kim. Mit dem Ergebnis, dass die Nachfrage der Kundschaft nach DVDs und Blue-Ray-Discs extrem gesunken ist. „Der Laden hier unter dem Kino ist ohnehin immer viel zu groß gewesen, die Hälfte würde reichen“, so Kim.

Die letzte Zeit verirrten sich immer weniger Filmfans in die Videothek an der Rathausstraße. Filme, die die Stolberger Kundschaft nicht zum Sonderpreis kaufen möchte, nimmt der Angestellte mit zur Eschweiler Filiale. Dann gehen in der Stolberger Schauburg endgültig die Lichter aus.

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