Stolberg - Schafe helfen dabei, seltene Tiere zu schützen

Schafe helfen dabei, seltene Tiere zu schützen

Von: Alexander Barth
Letzte Aktualisierung:
7555000.jpg
Mit viel „Mäh“ im Einsatz für den Naturschutz: 500 Lämmer und 600 Muttertiere stehen auf der Wiese an der Buschmühle. Mittlerweile ist die Herde zur abgedeckten Halde am Kohlbusch weitergezogen. Foto: A. Barth

Stolberg. Wandelnde Wollknäuel, soweit das Auge reicht. An der Buschmühle ist derzeit beinahe sekündlich ein herzhaftes „Mäh“ zu hören. Aktuell weiden und blöken auf der rund 70 Hektar großen Wiese, die zum Truppenübungsplatz der Bundeswehr gehört, etwa 600 Muttertiere und 500 junge Lämmer.

Ihre Aufgabe ist es in diesen Tagen, den dortigen Wildwuchs um 70 Prozent zu reduzieren – so lautet die offizielle Vorgabe, die von der Biologischen Station der Städteregion kommt. Diese unterhalt eine Kooperation mit Herdenbesitzer Michael Tings. Für die Wiese an der Buschmühle hat der Schäfer einen Vertrag mit der Bundeswehr-Standort abgeschlossen.

Trotz des Osterfests muss hier aktuell kein Lämmchen um sein Leben fürchten. Im März kamen die meisten von ihnen zur Welt. Viele Schafe aus der Herde von Michael Tings werden allein zur Landschaftspflege eingesetzt, ein Teil wird an die Fleischverarbeitung verkauft, wenn die Tiere drei Monate alt sind. Tings selbst kann mittlerweile nach einer Hüftoperation nicht mehr so oft ins Gelände wie früher, „aber ich schaue regelmäßig vorbei. Außerdem habe ich einen Mitarbeiter, dem ich vertraue.“ Der kümmert sich um die Tiere, achtet auf ihr Wohl – und bestimmt den Zeitpunkt, zu dem die Herde weiterzieht.

„Über den richtigen Moment entscheidet der Schäfer“, sagt Herbert Theissen von der Biologischen Station der Städteregion Aachen, die in Stolberg ihren Sitz hat und in Absprache mit dem Schäfer koordiniert, auf welchen Flächen sich die Tiere wann austoben können. „Die Schafe werden dort eingesetzt, wo Naturschutzauflagen eine Bewirtschaftung nicht oder nur eingeschränkt zulassen“, erklärt Herbert Theissen. Auf Stolberger Gebiet ist das neben der Wiese an der Buschmühle etwa bei Flächen am Donnerberg, Hammerberg, Kohlbusch oder Schlangenberg der Fall. „Dort kommen seltene Tierarten vor, vor allem Vögel. Brutzeiten müssen eingehalten werden, so dass Landwirtschaft nicht möglich ist oder sich einfach nicht lohnt.“

An der Buschmühle werde sich die Herde erfahrungsgemäß nur solange wie nötig aufhalten, sagt Schäfer Michael Tings. „Wir haben hier immer wieder Probleme mit Hundebesitzern, die ihre Tiere unkontrolliert laufen lassen. Das verstört und irritiert die Schafe. Wenn man die Leute dann direkt anspricht, zeigt sich kaum jemand einsichtig. Im Gegenteil.“ Mittlerweile habe die Bundeswehr als Verwalter der Fläche zwar zum Weg hin einen Wall aus Baumstämmen und Gehölz errichten lassen, „das hält die Hunde aber nicht wirklich ab“, ereifert sich Tings. Auch die an vielen Stellen platzierten Hinweisschilder brächten nicht den erwünschten Effekt.

Schon mehrfach habe er an die Stadt Stolberg sowie an die Standortverwaltung appelliert, gegen die freilaufenden Hunde, oder vielmehr gegen ihre Besitzer vorzugehen. Seine Tiere seien hier schließlich im offiziellen Auftrag und für den Naturschutz unterwegs. Ein Leinenzwang in diesem Bereich wäre eine Maßnahme, sagt der Schäfer. „Ansonsten bleibt uns erst einmal nichts anderes übrig, als so schnell wie möglich weiterzuziehen.“ Mittlerweile ist die blökende Karawane weiter zur abgedeckten Halde am Kohlbusch aufgebrochen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert