Sauberes Image in der Stolberger Bleihütte

Von: Berthold Strauch
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Modernste Technik mit dem Zeug zum Weltmaßstab der Branche: Die Stolberger Berzelius-Bleihütte hat an ihre bestehende Anlage zur Produktion von Schwefelsäure das neue System „angedockt”. Foto: Berthold Strauch

Stolberg. „Wir sind eine der saubersten und modernsten Bleihütte weltweit!” Der promovierte Metallurge und Werkstofftechniker der RWTH Aachen, Urban Meurer, Geschäftsführer der Stolberger Berzelius-Hütte, kann dieses „Alleinstellungsmerkmal” faktensicher belegen.

Gerade erst hat die Bleihütte einen großen Schritt in Richtung saubere Umwelt geschafft, verbunden mit einem klaren Bekenntnis zum Standort und spürbarem Produktionswachstum.

Neues Schwefelsäureverfahren

Das vor über 160 Jahren gegründete Traditionsunternehmen hat erneut Neuland betreten und damit Maßstäbe für die Branche rund um den Globus gesetzt. Gemeinsam mit Bayer Technology Services (BTS) aus Leverkusen entwickelte Berzelius eine Anlage zur Steigerung der Kapazität der bestehenden Anlage für die Gewinnung von Schwefelsäure. Dabei wird hochkonzentriertes Schwefeldioxid aus der Bleiproduktion wertschöpfend weiterverarbeitet.

Ein Versuchsreaktor auf dem Stolberger Werksgelände brachte dermaßen zufriedenstellende Resultate, dass rasch die Entscheidung für den Bau einer Großanlage getroffen wurde. Ihr zugrunde liegt das eigens entwickelte „Bayqik-Verfahren” (Bayer - „quasi isotherme katalytische Umsetzung).

Die Simulationsergebnisse der Prozesstechnik bestätigten sich in der praktischen Anwendung. „Auf Knopfdruck eingeschaltet - und alles funktionierte!”, freute sich BTS-Projektleiter Thorsten Weber. Bereits seit vier Monaten läuft Bayqik tadellos.

Durch freigesetzte Reaktionswärme „hält sich der Prozess selbst am Leben”: Diplom-Ingenieur Weber nennt dies „autotherm” - ein entscheidender Beitrag zur Energieeffizienz.

Insgesamt 7,5 Millionen Euro investierte Berzelius in die neue Anlage. Nach dem guten Start des Verfahrens in Stolberg ist die Bayer-Tochtergesellschaft mit weiteren Interessenten im Gespräch. Noch für dieses Jahr werden entsprechende Abschlüsse erwartet. Der Stolberger Unternehmenschef Meurer (42) wird seine Anlage als Referenzobjekt vorzeigen.

Überhaupt, bei Berzelius wurde in den letzten neun Jahren viel Wegweisendes umgesetzt, das entscheidend war für den Weg an die Spitze der Branche. Allein in diesem Zeitraum wurden 42 Millionen Euro in modernste Technologien für Umwelt und Prozesssicherheit investiert.

Dazu zählen die „Einhausung” der Rohstoffhalle genauso wie die Schließung der Raffination, was entscheidend zur Senkung der Staubbelastung beigetragen hat. Viel Geld gekostet hat auch die Installierung eines fortschrittlichen Prozessleitsystems, genauso die Erneuerung einer Anlage zur Abwasserbehandlung.

Die Bleihütte machte im vergangenen Jahr 330 Millionen Euro Umsatz. Die Wirtschaftskrise setzte auch ihr naturgemäß zu, zumal die Stolberger Produkte Blei und Schwefelsäure unter anderem in Autobatterien Verwendung finden.

Ausgefallene Liefermengen an deutsche und europäische Abnehmer konnten teilweise kompensiert werden durch neu erschlossene Märkte insbesondere in Asien, wobei China eine wichtige Stütze wurde. Gegen etablierte Wettbewerber konnte die Hütte mit der besonderen Qualität ihres Bleis punkten.

In diesem Jahr erwartet Berzelius einen Umsatz von lediglich noch 250 Millionen Euro. Dieser Rückgang habe entscheidend mit den gesunkenen Rohstoffpreisen zu tun, macht Geschäftsführer Meurer deutlich. Letztes Jahr produzierte Berzelius 150.000 Tonnen Blei, 100.000 Tonnen Schwefelsäure und 300 Tonnen Silber. Die Rohstoffe werden in der ganzen Welt eingekauft.
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