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Sanierung der Bachufermauer der Vicht läuft wieder

Von: Jürgen Lange
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Arbeit für die nächsten zwei
Arbeit für die nächsten zwei Jahre: Bei der Sanierung der Bachufermauer werden Langzeitarbeitslose qualifiziert. Foto: J. Lange

Stolberg. Yusuf Mahfas ist ein alter Hase. In Sachen Mauerwerk kann der gebürtige Ägypter Manchem etwas vormachen. Das hat nichts zu tun mit Pyramiden in seinem Heimatland, sondern mit Qualifizierungsmaßnahmen der LEG AS (Landesentwicklungsgesellschaft Arbeitsmarkt und Strukturpolitik), die in Zusammenarbeit mit der Lowtech gGmbH in Stolberg an einer Reihe von Projekten beteiligt war.

Schon am Erweiterungsbau des Museums Zinkhütter Hof im Rahmen der Euregionale 08 vor vier Jahren packt Mahfas mit an. Bei der Sanierung der Friedhofsmauer am Halsbrech und der Erhöhung der Burgmauern sammelt der Teilnehmer aus der Ü-50-Altersklasse weitere Erfahrungen.

Bei der Sanierung des ersten Abschnittes der Bachufermauer der Vicht vor einem Jahr, war der einstige Langzeitarbeitslose so fit, dass ihm der Sprung in den ersten Ar-beitsmarkt gelang. Gemeinsam mit einem Kollegen wurde er in ein Unternehmen erfolgreich vermittelt. Das hatte jedoch wenig unternehmerischen Erfolg und ging später den Weg in die Insolvenz.

Jetzt ist Yusuf Mahfas wieder bei der Sanierung der Bachufermauer dabei. Gemeinsam mit Thomas Przybylski stammt er aus dem alten Team; die übrigen sechs Kollegen sind neu dabei. „Die können von den Beiden schon eine Menge lernen”, lobt Anleiter Günther Steudel. Der Lowtech-Mitarbeiter hat bereits die anderen Maßnahmen der gemeinnützigen Gesellschaft betreut.

Enttäuscht ist Steudel immer noch, dass sein Team nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnittes im Juni vergangenen Jahres nicht direkt weiter machen konnte. Die Einigung zwischen Stadt und Landesbetrieb über die Kosten zog sich in die Länge, und zuletzt drohte das Projekt zu scheitern, weil Förderfristen fast versäumt wurden.

Ein Jahr Warten auf Fortsetzung

Ein Jahr lang mussten drei Teilnehmer der Qualifizierungsmaßnahme auf anderen Baustellen beschäftigt werden. Was ihrer Qualifizierung allerdings zugute kam. Bei Lowtech-Projekten in Düren, aber auch an der Finkenberg- und Vogelsangstraße wurden neben dem Umgang mit Bruchsteinen auch das heutige Mauerwerk sowie Trockenbau geschult. Fertigkeiten, die den Langzeitarbeitslosen eben-so zugute kommen wie die regelmäßige Tätigkeit und das Wertschätzen ihrer Arbeit.

Seit wenigen Tagen widmen sich die acht Männer motiviert dem maroden Mauerwerk aus Bruchsteinen im Bachbett der Vicht entlang der Eisenbahnstraße. Fugen kappen, lockere Steine entnehmen, Schadstellen säubern, neue Steine einmauern, verfugen, ... und zum Schluss kommt ein Betonbalken und ein neues Gitter - ebenfalls aus der Lowtech-Werkstatt - auf die Bauerkrone. Einige hundert Meter lang ist ihre Baustelle zwischen der Brücke der Europastraße bis zum Bahnübergang. Auf 16 Monate ist die Beschäftigung auf diesem Abschnitt geplant.

Im Herbst hofft Steudel eine weitere Baustelle aufmachen zu können: Im Bachbett an der Hermannstraße. Dann soll sein Team die Arbeit einer Spezialfirma mit Bruchstein verblenden. An der Hermannstraße ist die Bachufermauer so marode, dass man sie nicht mehr sanieren kann. Mit Betonbohrpfählen muss die Straße abgefangen werden, damit sie nicht ganz in den Bach rutscht.

Zuerst Kampfmittelräumdienst

Innerhalb der nächsten zwei Wochen sollen die Bauarbeiten dort anlaufen. Zunächst packt aber erst einmal der Kampfmittelräumdienst seine Suchgeräte aus, denn im Zweiten Weltkrieg war die Mühlener Brücke ein heiß umkämpftes Pflaster.

Dem Kampf, seine Schützlinge für den ersten Arbeitsmarkt fit zu machen und sie möglichst dorthin auch zu vermitteln, stellt sich Günther Steudel alltäglich. Die Hälfte der Teilnehmer wird so fit, dass sie unter Anleitung oder fast selbstständig einen normalen Job ausüben könnten. „Aber die werden für unser Klientel immer seltener”, registriert Steudel bei seinem kontinuierlichen Kontakten mit Wirtschaftsunternehmen. „Selbst als Handlanger ist kaum was drin”.

Um so größer ist dann die Freude, wenn eine Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt gelingt. Dass bei Yusuf Mahfas der erfolgreiche Sprung in einen richtigen Job an der Firmenpleite wieder scheitert, macht Steudel betroffen. Aber hier, an der Bachufermauer der Vicht, haben seine Jungs jetzt erst einmal wieder insgesamt zwei Jahre Zeit, ihre Fähigkeiten unter Beweis zu stellen. Und vielleicht gibt in den Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs ein Unternehmen einigen Teilnehmern doch noch eine Chance, sich im normalen Leben zu bewähren.

Verkehrssicherung: Neues vor altes Gitter gesetzt

Es soll nur ein Provisorium und nicht für die Ewigkeit sein, versichert Fachbereichsleiter Bernd Kistermann: das neue Geländer, das ein Fachunternehmen vor dem instabilen Geländer der Fußgängerbrücke zwischen Mohlenbend und Eisenbahnstraße montiert. Das dünnmaschige Stabgitter dient der Verkehrssicherungspflicht, weil die Gitterabstände des hübschen, aber historisch verrosteten Vorgängers zu groß sind.

Ein neues Gitter soll im Rahmen der ohnehin noch erforderlichen Sanierung der schon offensichtlich desolaten Brücke erstellt werden. Das Tiefbauamt hat für die Maßnahme 100.000 Euro für die Beratungen zum Haushalt 2012/13 angemeldet.Für die Erstellung des Gitters im Rahmen der Qualifizierung hat Lowtech ein Angebot unterbreitet.

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