Saint-Gobain Sekurit: Die Millionenmarke ist längst geknackt

Von: Robert Flader
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Endkontrolle: Im Stolberger Se
Endkontrolle: Im Stolberger Sekurit-Werk werden Autoglasscheiben hergestellt und, wie hier in der Szene mit Ludwig Tetz (v.l.), Lothar Meier und Rolf Dagutat zu beobachten, vor der Auslieferung auf winzigste Fehler untersucht. Foto: R. Flader

Stolberg. Es fing an mit 40.000 - pro Monat. Mittlerweile haben sie, aufs Jahr bezogen, die Millionenmarke an der Nikolausstraße längst geknackt.

Als Saint-Gobain Sekurit am 8. September 1972 in Stolberg die ersten Autoglasscheiben aus Verbundsicherheitsglas (VSG) vom Band rollen ließ, da war kaum vorstellbar, dass diese irgendwann nicht mehr ausschließlich der Sicherheit dienen würden, sondern als hochmoderne Multifunktionsgeräte einmal viele weitere Funktionen und Spielchen für den Fahrer erfüllen müssen. Aber der Reihe nach.

Zum 40. Mal jährt sich am heutigen Samstag der Tag, an dem zum ersten Mal Windschutzscheiben „made in Stolberg” an vor allem deutsche Automobilhersteller wie Volkswagen und Mercedes ausgeliefert wurden. „Darauf sind wir durchaus stolz”, sagt Sandra Thomaßen. Die Assistentin der Werksleitung wird die vergangenen vier Jahrzehnte heute mit der gesamten Belegschaft gebührend feiern.

Man muss sich ein bisschen in die Zeit zurückversetzen, in der alles begann, um zu verstehen, warum auf Verbundsicherheitsglas heute so viel Wert gelegt, warum neben der Sicherheit aber noch weitere Aspekte bei der Anfertigung von Windschutzscheiben eine Rolle spielen. Anfang der 1970er Jahre gab es noch keine Anschnallpflicht für Pkw, manche hatten auch nur einen Außenspiegel - oder gar keinen. „Der heutige Sicherheitsstandard setzte sich erst langsam durch”, sagt Thomaßen.

Unfälle, bei denen Personen aufgrund von leicht brüchigem Glas durch die Frontscheibe nach draußen geschleudert werden, waren damals keine Ausnahme. Verbundsicherheitsglas - zwei Scheiben liegen gewissermaßen aufeinander und werden durch eine hauchdünne Folie zusammengehalten - wurde europaweit allerdings erst 1981 zum Standard, zur Pflicht.

In Stolberg jedoch begann die Produktion bereits knapp zehn Jahre zuvor, „wir starteten mit 100 Mitarbeitern und lieferten 40 000 Windschutzscheiben pro Monat”, skizziert Sandra Thomaßen die Anfänge der Herstellung, die damals keineswegs voll automatisiert war. „Die VSG-Produktion war mit vielen manuellen Tätigkeiten und einem hohen logistischen Aufwand verbunden, da es noch keine integrierten Produktionslinien gab, die einzelnen Prozessstufen nicht miteinander verbunden waren.”

Die Scheiben selbst seien vor 30, 40 Jahren noch einfach gebogen gewesen und hätten eine reine Schutz- und Sicherheitsfunktion in Autos innegehabt. Nicht so heute: „Mit Regensensoren, Head-Up-Displays und Scheibenantennen sind Autoglasscheiben richtige Hightech-Geräte”, erklärt Thomaßen beim Rundgang durch die Werkshallen. Im Vergleich zu den Anfängen seien sie, vor allem im Frontbereich, um mehr als 60 Prozent größer und tragende Teile der Fahrzeugstruktur.

Und: Die Anforderungen der Automobilindustrie würden immer weiter steigen, der Wettbewerb gegen vier, fünf andere große internationale Autoglas-Anbieter unterliege immer schärferen Kriterien, was in erster Linie Qualität und Innovation betreffe.

Bei einem neuen Fahrzeugtyp, beispielsweise dem in dieser Woche vorgestellten VW Golf VII, werde jede einzelne Scheibe vom Automobilhersteller ausgeschrieben, die Wettbewerber haben dann rund zwei Jahre Zeit, die aus Herstellersicht beste Scheibe anzubieten und selbst weitere Verbesserungsvorschläge zu unterbreiten. Einfach sei das nicht, in den meisten Fällen könnten beispielsweise sechs Scheiben an einem Auto (Front, Heck und Seiten) von bis zu vier unterschiedlichen Herstellern kommen.

Beim Stolberger Sekurit-Werk arbeiten deshalb mittlerweile rund 240 Mitarbeiter in der Autoglas-Produktion und fertigen 1,3 Millionen Windschutzscheiben pro Jahr an. „Unsere Produkte gehen hauptsächlich an Mercedes und VW”, sagt Sandra Thomaßen.

Aktuelle Klassen wie der VW Golf, der mit einer Auflage von rund 250 000 Autoglasscheiben beliefert wird (das Gesamtkontingent steigt durch Ersatzteile auf bis zu 350 000), die Mercedes C- und E-Klasse sowie der Mercedes CLS werden am stärksten von Windschutzscheiben „made in Stolberg” versorgt.

Und die langsam beginnende Herbstsaison sei in diesem Kontext ebenfalls zu beachten: „Winterpakete werden ab jetzt natürlich mehr gebucht.” Bei der Entwicklung von innovativen Werkstoffen steht den Stolbergern das Forschungszentrum des Herzogenrather Sekurit-Werks helfend zur Seite.

Das Geschäft mit Autoglasscheiben, so sagt das Sandra Thomaßen, sei „immer wieder neues Spiel und neues Glück”. Man könne sich auf bisherigen Leistungen, auch bei langjährigen Abnehmern, nicht ausruhen. „Es kommt auf die Kombination aus Preis und Qualität an.”

Und gerade diese vielbeschworene Qualität sei es, die bei deutschen Automobilherstellern letztlich das entscheidende Kriterium bleibe. Thomaßen: „Ich glaube, wir können behaupten, dass wir da einen gewissen Standard haben und uns technisch immer weiterentwickeln.”
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