Rundgang durch das Stadtarchiv: Blicke in die Vergangenheit

Von: Toni Dörflinger
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Reichhaltiges Stadtarchiv: Christian Altena (links) zeigt Dominik Bauer, Christa Frey, Adolf Konrads und Rita Felden (v. l.) historische Fotos aus dem Bestand des Archivs. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Bevor Stadtarchivar Christian Altena das mit 350 Jahren älteste Archivale aus städtischer Überlieferung, ein Steuerbuch der Unterherrschaft Stolberg von 1666, in die Hand nahm, zog er weiße Stoffhandschuhe an. Schließlich können Fett und Schweiß, die bekanntermaßen an den Handflächen haften, dem Papier und der Schrift Schaden zufügen.

Anlass für die Präsentation des in Leder eingebundenen Archivale war ein öffentlicher Rundgang durch das Archiv, an dem eine kleine Besuchergruppe teilnahm. Begonnen hatte die Veranstaltung im Büro und neuen Leseraum des Archivs. Dort machte Altena, der seit Januar dieses Jahres das im Alten Rathaus untergebrachte Stadtarchiv leitet, die Besucher mit der Archivierung des für eine dauerhafte Aufbewahrung vorgesehenen städtischen Aktenmaterials vertraut.

Notwendig: „Entgräten“

„Archivierung, die nur gelingen kann, wenn man zuvor Heftklammern und andere Metallteile entfernt“, betonte der um die historischen Dokumente besorgte Stadtarchivar und fügte hinzu: „Der Fachmann nennt diesen Vorgang Entgräten – und Plastik hat in Archivalien auch nichts zu suchen und ganz schlimm ist Laminieren!“ Denn Metall kann rosten und das Papier zerstören, Plastik verändert Papier und Tinte.

Danach begaben sich die Gäste in das einige Stufen tiefer liegende Magazin. Dort musste man sich nicht nur durch enge Gänge zwängen, sondern auch Rollschränke zur Seite schieben, um Lücken zu finden, die es erlaubten, einzelne Exponate in Augenschein zu nehmen. Und Exponate gab es viele zu sehen: So beispielsweise ein Schlüssel des Alten Rathauses, ein Stück Steinkohle, das man in den 1970er Jahren beim Bau der Pfeiler für das neue Rathaus gefunden hatte oder die Erstausgabe des Stolberger Generalanzeigers von 1897.

Des weiteren bekamen die Besucher einige Dokumente im Original zu sehen, die der Historiker seit Jahresbeginn als Archivale des Monats präsentiert. Dazu gehörte unter anderem auch das preußische „Amts-Blatt der Regierung zu Aachen“ von 1816. Aus allen Beständen präsentierte Altena beispielhaft Exemplare: auch Fotos, Aktenmappen und Pläne. Ein „Situations-Plan“ der Ellermühle rief bei einer Teilnehmerin Erinnerungen an die um 1930 dort eingerichtete Turnhalle Stolbergs wach. Schnell hatte der Stadtarchivar ein historisches Foto der Kupferstädter Vorkriegsturnhalle auf dem Gelände der ehemaligen Sayettspinnerei an der Rathausstraße zur Hand. Josefine Schuster erinnerte sich lebhaft: „Die Halle haben wir für den Schulsport genutzt. Als klein gewachsene Person haben mir die unter der Decke befestigten Ringe aber Probleme bereitet. Sie waren unerreichbar für mich“, schmunzelte die 88-Jährige.

Altena hatte den Rundgang spannend und zugleich informativ gestaltet. Immer wieder ging der Historiker auf die Fragen der Besucher ein und nutze die Präsentation der gezeigten Stücke, um sie mit vielfältigen und aufschlussreichen Hintergrundinformationen anzureichern. Die Gäste waren begeistert.

Mehr als 200 Jahre Geschichte

Für Begeisterung sorgte nicht nur die Art und Weise wie Altena die Exponate vorstellte, sondern auch der Umfang und die Reichhaltigkeit des im Stadtarchiv vorhandenen Materials, das einen Querschnitt von mehr als 200 Jahren Stadtgeschichte darstellt. Aber auch Probleme wie die hohe Feuchtigkeit im Magazin sowie zukünftige Aufgaben in Erschließung und Digitalisierung wurden thematisiert, da dazu auch immer wieder Fragen der wissbegierigen Teilnehmer aufkamen.

Diese Fragen nahm Altena auch zum Anlass um auf die wichtige Rolle des Kommunalarchivs hinzuweisen, das nicht nur das Schriftgut der Verwaltung, sondern auch gezielt Nachlässe von Vereinen, Institutionen und Privatpersonen sammelt. Denn nur so kann ein repräsentativer und umfassender Überblick der Geschichte Stolbergs und seiner Bürger für die Zukunft gesichert werden.

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