Runde durch die Stadt endet mit „Ketsch”

Von: Toni Dörflinger
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Da wurde gebraut: Stadtführer Helmut Schreiber (links) beim Premierenrundgang zum Thema „Vom Brauhaus zur Ketschenburg. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Bevor man sich den Bierschaum von den Lippen wischen konnte, waren Geduld, Zuhören und Bewegung angesagt. Belohnt wurde die Geduld durch einen spannenden Vortrag, bei dem sich alles um die Bierherstellung und -verwendung drehte.

Ziel des Rundganges - zu dem die „Stolberg-Touristik” und die SPD-AG 60 Plus eingeladen hatten - waren die ehemaligen, in der Altstadt gelegenen Braustätten und Gasthäuser. Die Präsentation des interessanten Themas, das den Titel „Vom Brauhaus zur Ketschenburg” trug, hatte Stadtführer Helmut Schreiber übernommen, der die rund 30 Teilnehmer mit zahlreichen Fakten und Anekdoten rund um die Kupferstädter Braugeschichte versorgte.

Alte Dokumente klären auf

Im Mittelpunkt des Rundganges, der am Galminus-Brunnen auf dem Willy-Brandt-Platz begann, stand die Geschichte der Ketschenburg-Brauerei, die sich als größte Stolberger Brauerei von 1817 bis 1985 der Bierherstellung gewidmet hatte. So hat Schreiber, der, um seinen Vortrag sachkundig zu untermauern, im Stadtarchiv vorhandene alte Dokumente gesichtet und ausgewertet hat, herausgefunden, dass der von der Familie Brückmann geprägte Werdegang der Ketschenburg-Brauerei sich an verschiedenen Standorten vollzog.

Auch wenn diese alle rund um den Willy-Brandt-Platz lagen, wurde es spannend, als Schreiber die Kopie einer alten Karte zückte, und den Teilnehmern Einblicke in die ursprünglichen Gegebenheiten verschaffte. So hatte die Ketschenburg-Brauerei - die Burgabbildung als Logo wurde Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt - eine ihren ersten Niederlassungen in einem am Willy-Brandt-Platz gelegenen Gebäude der früheren Tuchfabrik Offermann.

Denn die Tuchfabrikanten nutzten ein als „Stauchrahm” bezeichnetes Gebäude zum Trocknen ihrer Tuche. Dieses Gebäude wurde laut Schreiber 1817 von der Familie Brückmann erworben, um dort Bier zu brauen. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hat dann Richard Brückmann an der Aachener Straße das historische Herren- und Sudhaus errichtet, das seit 1995 im Verbund mit Neubauten als EWV-Zentrale genutzt wird.

Dieses vor rund 140 Jahren errichtete Altgebäude war nach der Einführung zweite Station des lehrreichen und spannenden Rundganges. Im Foyer der EWV-Zentrale erklärte Schreiber Funktion und Verwendung der um 1900 von der Ketschenburg-Brauerei in Betrieb genommenen Dampfmaschine, die unter anderem eine Eismaschine antrieb.

Ein Vorgeschmack auf den Genuss des 2008 von Dr. Rüdiger Fröschen wiederbelebten Ketschenburg-Bieres erwartete die Teilnehmer im „Ketsch-Shop” am Steinweg. Dort wurden die Besucher von Barbara Breuer, Leiterin der Stolberg-Touristik, und Helmut Kappes, der den Vertrieb des in München gebrauten neuen Ketschenburg-Bieres managt, empfangen. Als Stärkung gab es ein von Fröschen gesponsertes Ketsch aus der Flasche, das die Teilnehmer mit sichtlichem Genuss verzehrten. Breuer nutzte den Zwischenstopp, um Kappes zur Vervollständigung der Sammlung ein altes Ketschenburg-Thekenschild zu überreichen.

Danach ging es auf die gegenüber liegende Seite, wo Schreiber die Historie des alten Tuchermacherhofes „Krone” zum Besten gab, den die Familie Brückmann von 1890 bis zum Abriss im Jahre 1976 unter der Leitung wechselnder Pächter als Restaurant genutzt hatte. Von der „Krone” aus - an deren Stelle liegt heute ein Ende der 1970er Jahre errichteter Bau - führte der Weg zum Restaurant „Altes Brauhaus Burgkeller”.

Braustätte der Burgherrschaft

Der Stadtführer hat alte Karten studiert aus denen hervorgeht, dass sich an der Klatterstraße ein Gebäudekomplex befindet, der unterirdisch mit der Burg verbunden, der Herrschaft Stolberg einst als Braustätte gedient hat.

Danach zog man zur Burg- und Vogelsangstraße, wo man in Höhe der einstigen Gaststätte Haas, Vogelsangstraße 26, das Vogelsängerlied anstimmte. Denn in diesem Gebäude ist laut Schreiber um 1900 erstmals die von Ernst Grüber verfasste Stolberger Nationalhymne uraufgeführt worden.

Bevor man im „Burghof” ein Ketsch frisch vom Fass genießen konnte, gab Schreiber noch interessante Daten zur Geschichte des „Ball- und Weinhauses Huppertz”, des „Berliner Hofes” und des Restaurants Ortmanns an der Zweifaller Straße zum Besten.

Für die Stolberg-Touristik stellte der von der Biergeschichte geprägte Altstadt-Rundgang eine Premiere dar. Wie Barbara Breuer berichtete, soll die kurzweilige und amüsante Exkursion in das Touren-Programm der Stolberg-Touristik aufgenommen werden. Die Idee dazu hat Rolf Engels entwickelt.

Er hat im Herbst vergangenen Jahres Helmut Schreiber angesprochen und ihn gebeten, einen Rundgang zu entwickeln, der die Stolberger Braugeschichte zum Inhalt hat. Diese Idee wurde von Barbara Breuer aufgegriffen und vertieft sowie als neues Angebot der Stolberg-Touristik installiert.
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