Stolberg - Rückkehr zur alten Stolberger Nostalgie

Rückkehr zur alten Stolberger Nostalgie

Von: Dirk Müller und Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Wenn am Freitagabend aus dem ehrbaren Bürger Axel Wirthmüller der Stolberger Karnevalsprinz Axel I. wird, weiß die Tollität noch nicht, wie schwer es werden könnte, der Verwaltungsspitze den Stadtschlüssel zu entreißen und damit symbolisch die Macht über die Kupferstadt zu übernehmen.

Gewissheit hat der Prinz hingegen hinsichtlich des Schauplatzes, denn die Schlüsselübergabe am Fettdonnerstag kehrt zurück auf den Kaiserplatz – und damit an den nostalgischen Ort, an dem seit „Urgedenken“ Generationen von Tollitäten die Vertreter von Rat und Verwaltung entmachtet haben.

„Ein vielfacher Wunsch“

„In den vergangenen Jahren wurde vielfach der Wunsch an die Verwaltung herangetragen, die Schlüsselübergabe wieder traditionell am Rathaus durchzuführen“, sagt Robert Walz, Pressesprecher der Kupferstadt, die Veranstalter der Schlüsselübergabe ist.

Die Nähe zum Rathaus decke sich auch eher mit dem Gedanken der Schlüsselübergabe, dass der Prinz die Kontrolle über die Stadt übernimmt. Vor dem historischen Rathaus werde eine Bühne aufgebaut, und die Schlüsselübergabe soll auch in Zukunft wieder am Kaiserplatz stattfinden. Damit sind die Zeiten vorbei, in denen das karnevalistische Spektakel in der Kulisse der Altstadt die Jecken an den Alter Markt und anschließend in die Kneipen lockte.

Auf den ersten Blick eine wenig gastronomiefreundliche Entscheidung der Verwaltung, zumal am Rathaus nicht einmal ein Zeltbetreiber von dem Ansturm der Narren profitieren kann. Denn „Tolle Tage auf dem Kaiserplatz“ wird es in dieser Session erstmals nach mehr als einem Dutzend Jahren nicht geben.

Kein Festzelt auf dem Kaiserplatz

Das Festzelt auf dem Kaiserplatz diente – zunächst als zusätzliches Angebot zu den „Tollen Tagen auf der Mühle“ – seit Anfang des Jahrtausends als Ersatz für die legendären Feiern der Belegschaft der Stadtverwaltung im Rathaus, die aber letztlich eine derart öffentliche Dimension angenommen hatten, dass die Stolberger Gastronomie sich vehement beschwerte.

Zunächst auf dem Krautladeplatz, dann parallel und zuletzt ausschließlich auf dem Kaiserplatz hatten die beiden Stolberger Dieter Nerlich und Günter Goldmann fast zwei Jahrzehnte lang Festzelte an den Tollen Tagen betrieben. Im vergangenen Jahr versuchte sich ein anderer Veranstalter, dessen Gastspiel in der Kupferstadt aber nur kurz währte. „Es hat sich in diesem Jahr leider kein Betreiber für ein Festzelt gefunden“, erklärt Walz.

Die Verlagerung der Schlüsselübergabe vom Alter Markt an den Kaiserplatz stelle aus Sicht der Verwaltung aber keine Schwächung der Gastronomie in der Altstadt dar, beschreibt Walz: „Die Gesellschaften werden sich – wie früher auch – im Altstadtbereich aufstellen und dann durch den Steinweg ziehen; und nach dem offiziellen Programm werden mit Sicherheit die meisten Karnevalisten auch wieder den Weg zurück in die Altstadt finden.“

Damit die Narren während der Schlüsselübergabe am Rathaus keinen Durst leiden müssen, werde es auf dem Kaiserplatz „Verköstigungsstände“ geben.

Was ein Festzelt in der Innenstadt angehe, müssten die Jecken die Hoffnung nicht aufgeben, dass es wieder „Tolle Tage“ geben kann. „Nach der Fertigstellung der Umbaumaßnahme wird der Kaiserplatz größer als zuvor sein, so dass sich die Nutzbarkeit für einen Zeltbetreiber eher verbessert.“

Dass die Schlüsselübergabe jetzt wieder am Kaiserplatz vonstatten geht, greift eine uralte Tradition auf: Bis 2002 fand das Ereignis auf einer Bühne vor dem alten Rathaus statt, ab 2003 stand die Bühne neben dem Vogelsänger. Ab 2009 – seitdem zieht auch der Rosenmontagszug von der Eschweilerstraße zur Altstadt – wechselte der Bühnenstandort vor das neue Rathaus, 2010 flohen die Jecken vor der winterlichen Witterung ins Warme, und der Komiteepräsident Michael I. (Bartz) eroberte den Stadtschlüssel im Festzelt auf dem Kaiserplatz anstatt wie geplant auf der Bühne vor dem Turm.

2011 übernahm Torsten I. (Graf) erstmals auf dem Alter Markt die Macht, nachdem er hoch zu Ross in die Altstadt geritten war. Auch Dieter IV. (Brockmann), Daniel I. (Heinrichs), Kurt II. (Schiffer) und Holli I. (Holger Schulz) ergatterten in den Folgejahren auf der Bühne am Alter Markt den Schlüssel von den Stadtoberen.

Die Ausnahme bildete in 2014 Edilio I. (Gonzalez). Zwar gelang es der Stolberger Tollität, den Stadtschlüssel an sich zu nehmen, die Bühne betreten durfte er allerdings nicht. Der Grund war: Das Kon-strukt war nicht stabil genug, und aus Sicherheitsgründen wurde die Bühne „links liegen gelassen“ und nicht benutzt.

Der Stimmung tat dies allerdings keinen Abbruch, denn die Karnevalisten bewiesen, dass sie improvisieren können, und Edilio I. eroberte nicht nur den Stadtschlüssel, sondern auch die Herzen der Narren vom erhöhten Luciaweg aus.

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