Rückfälliger Sexualtäter bekommt Sicherungsverwahrung

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Stolberg. Weil der Angeklagte Guido H. (45) im Januar dieses Jahres eine Bekannte in ein von ihm angemietetes Ladenlokal in der Stolberger Innenstadt lockte und dort an zwei hintereinander liegenden Tagen vergewaltigte, wurde der einschlägig vorbestrafte Mann am Montag zu einer Haftstrafe von acht Jahren verurteilt - mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Die Aachener Staatsanwältin Pascale Schlimm hatte sogar elf Jahre Haft und Sicherungsverwahrung gefordert.

Der Vorsitzende Richter der 8. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht, Hans-Günter Görgen, bezeichnete den schwerkranken Guido H. als einen Angeklagten, der nach den 14 Verhandlungstagen vor der Kammer mit einem an vielen Stellen offenbar gewordenen Glaubwürdigkeitsdefizit leben müsse.

Mit anderen Worten: Er habe des Öfteren nicht die Wahrheit gesagt. So wertete der Richter die Aussagen, die der Angeklagte zu den elf Strafvorwürfen machte. Darunter waren Diebstahl, dreifacher Betrug, Nötigung und Körperverletzung sowie die zweifache Vergewaltigung der 29-jährigen Bekannten. H. hingegen hatte behauptet, der Sex mit der Frau sei einvernehmlich vonstatten gegangen.

Nach Auffassung der Kammer hatte der 2011 aus der Strafhaft entlassene und auf der Liste des Landesprogrammes „Kurs“ (Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern) stehende Angeklagte am 9. und 10. Januar dieses Jahres sein Opfer mit einem vorgehaltenen Cutter-Messer  in dem von ihm angemieteten Ladenlokal zum Geschlechtsverkehr gezwungen.

Die 29-Jährige war für eine Versicherungsgagentur tätig und kannte den Mann eher flüchtig. Sie sei in Schwierigkeiten gewesen, hätte sich ein wenig mit ihm angefreundet und Rat bei ihm gesucht. Dann kam es zu den Taten.

„Die Lokalität war nicht sehr einladend. Auch deshalb ist es nicht sehr wahrscheinlich, dass es hier zu einvernehmlichen Sex gekommen ist“, schilderte der Richter die Situation. Der Täter stand damals unter laufender Bewährung und musste sich besonderen Kontrollen im Rahmen des „Kurs“-Programms unterziehen. Das alles aber half anscheinend nichts.

Das Opfer ging zwar nach der Tat zur Polizei. Sie rückte dort aber nicht sofort mit der Sprache heraus. Dies wohl, weil ihr Lebensgefährte bei der polizeilichen Aussage zugegen war, wie der Richter vermutete. Ihr zögerliches Aussageverhalten änderte sich erst im Prozess.

Die Nebenklagevertreterin, Anwältin Silke Kirchvogel, hatte wie die Staatsanwältin elf Jahre Haft gefordert; die Verteidigung in den beiden Vergewaltigungsfällen eine „angemessene“ Strafe. Die Betrugs- und Diebstahlsvorwürfe hatten eine vergleichsweise geringe Bedeutung für das Strafmaß.

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