Ronja fällt das logische Denken leicht

Von: Sarah-Lena Gombert
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Ronja besucht die 7. Klasse des Goethe-Gymnasiums. Im Februar nimmt sie an der Mathe-Olympiade auf Landesebene teil. Foto: S.-L. Gombert

Stolberg. Sie nimmt Klavierunterricht, spielt Tennis und trifft sich gerne mit ihren Freundinnen. Und ganz nebenbei nimmt die zwölfjährige Ronja von Papen, Schülerin am Stolberger Goethe-Gymnasium, an Mathe-Olympiaden teil. In diesem Jahr ist sie bereits zum zweiten Mal erfolgreich aus dem Wettbewerb auf Städteregionsebene hervorgegangen.

Ende Februar wird sie beim Landeswettbewerb mit anderen Schülern um die Wette rechnen. Obwohl: Rechnen ist gar nicht so wichtig, wie Ronja im Gespräch mit unserer Zeitung erklärt.

„Die Mathe-Olympiaden sind ein bisschen anders als in der Schule, und das macht es interessant“, sagt die Zwölfjährige. Man müsse weniger rechnen als beispielsweise bei einer Klassenarbeit. „Dafür kommt es mehr auf das logische Denken an. Und solche Aufgaben machen mir wirklich Spaß.“ Zwei Stunden habe die Prüfung am Heilig-Geist-Gymnasium in Würselen gedauert. Besonders darauf vorbereitet habe sie sich nicht. „Aber am Ende wurde es dann mit der Zeit ein bisschen knapp“, gibt sie zu.

„Wenn wir als Schule feststellen, dass eine Schülerin oder ein Schüler eine besondere Begabung aufweist, dann versuchen wir auch, dieses Kind explizit zu fördern“, sagt Goethe-Schulleiter Bernd Decker. So würden Schülerinnen wie Ronja von Papen, die stark in Mathematik sind, explizit auf Events wie die Mathe-Olympiade angesprochen. Auch andere Fördermöglichkeiten für ihre Schüler versucht die Schule auszuloten und entsprechend anzubieten.

Ausrichter der Mathe-Olympiade in Nordrhein-Westfalen ist der Landesverband Mathematikwettbewerbe Nordrhein-Westfalen. Jedes Jahr nehmen nach Angabe des Verbands tausende Schüler im ganzen Bundesland an den Wettbewerben teil.

Allein bei dem Entscheid in Würselen hat Ronja mit rund 100 weiteren Schülern aus der ganzen Städteregion Aufgaben gelöst. Erklärtes Ziel des Verbands ist es, mathematisch interessierte und begabte Schüler zu erkennen und fördern. Außerdem will der Verein das Interesse und die Freude an der Mathematik wecken und verstärken.

Freude bereitet der fleißigen Schülerin Ronja von Papen in der Schule jedoch nicht nur der Mathe-Unterricht. Auch Englisch und Kunst liegen ihr. „Es ist keine Seltenheit, dass besonders begabte Schüler in mehreren Fächern sehr stark sind“, erklärt Bernd Decker. „Und es ist auch nicht ungewöhnlich, dass Mädchen in Mathematik so stark sind – auch wenn es immer noch das Klischee geben mag, dass Jungs in Mathe und Mädchen in Sprachen talentierter sind.“

Decker unterrichtet an der Stolberger Schule auch Informatik und möchte gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen erreichen, dass sich Mädchen in Mathematik und den Naturwissenschaften mehr zutrauen. Immerhin: In den Mathe-Leistungskursen des Goethe-Gymnasiums beträgt der Mädchenanteil bis zu 40 Prozent.

Über Klischees muss sie lachen

Auch Ronja kann über diese aus ihrer Sicht veralteten Klischees nur lachen: „Das ist doch völliger Quatsch“, sagt sie und muss grinsen – schließlich ist sie selbst das beste Beispiel dafür, dass Mädchen auch in Mathematik gut sein können. „Für schulische Leistungen ist es egal, ob man ein Junge oder ein Mädchen ist“, sagt sie voller Überzeugung. Auch in ihrer Klasse seien die Mädchen in Mathematik nicht schlechter als die Jungs.

So kann Ronja sich auch für ihre berufliche Zukunft gut vorstellen, dass sie etwas mit Mathematik zu tun haben könnte: „Ich bin weit davon entfernt, eine feste Entscheidung getroffen zu haben“, sagt sie, „aber ich finde den Beruf der Architektin sehr spannend.“ Dabei kämen ihr Talent in Mathematik und auch ihre kreative Ader zum Zuge, schätzt die Schülerin.

Aber jetzt freut sich Ronja erst einmal auf den Landesentscheid in Bielefeld im kommenden Februar: Wenn sie da genauso erfolgreich ist wie in Würselen, dann könnte sie sich sogar für den Bundeswettbewerb qualifizieren.

Aber darauf kommt es Ronja gar nicht so sehr an. Sie reizen die Aufgaben und das gemeinsame Wochenende mit ihren Eltern und dem großen Bruder: „Wir werden mit der ganzen Familie hinfahren und dort auch übernachten“, erzählt sie. Und während sie selbst Aufgaben lösen muss und anschließend einen Workshop über binäre Uhren besuchen wird, werden Mama und Papa die Stadt besichtigen. „Die sind schon stolz auf mich, glaube ich“, sagt Ronja und muss wieder ein bisschen grinsen.

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