Rollstuhlrampe vor der Haustür gestohlen

Von: Laura Beemelmanns
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Für Corinna und Sebastian Münch ist die ein Meter breite Rampe (Bild rechts oben) eine ungemeine Hilfe in ihrem Alltag. Nun ist sie weg. Für eine neue Rampe fehlt ihnen derzeit das Geld. Foto: L. Beemelmanns, S. Münch

Stolberg-Zweifall. Ohne Hilfe kann Corinna Münch ihr Haus in Zweifall nicht mehr verlassen. Sie ist auf ihren Rollstuhl angewiesen, auf eine Rampe aus Aluminium, die direkt vor ihrer Haustür steht – und auf eine kleine Rampe, die ihr den Weg vom Bordstein auf die Straße erleichtert. Eigentlich.

Denn diese kleine Rampe ist jetzt weg. Dreist gestohlen.

In der Nacht von Montag auf Dienstag muss die ein Meter breite und rund 15 Kilogramm schwere steinerne Rampe verschwunden sein. Am späten Montagnachmittag war sie nämlich noch nicht weg, da ist sich Corinna Münch ganz sicher. Gerade einmal ein halbes Jahr lang lag sie vor ihrem Haus – gleich neben dem für sie geschaffenen Behindertenparkplatz – und hat Corinna Münch ihren Alltag erleichtert. Bis jetzt. „Sie hat dort doch niemanden gestört“, sagt Münch.

Corinna Münch sitzt seit drei Jahren im Rollstuhl. Sie leidet an einer Muskelerkrankung und musste ihr gesamtes Leben umstellen. Gegenstände wie die kleine Rampe sind eine wichtige Hilfe für die Mutter dreier Kinder. Doch nun, so sagt sie, könne sie nicht mehr ohne ihren Mann Sebastian vor die Tür. „Dabei ist gerade so herrliches Wetter draußen“, sagt sie und blickt betrübt aus dem Fenster.

Ohne die Rampe müsste sie mit ihrem rund 200 Kilogramm schweren Elektrorollstuhl, den sie draußen nutzt, den Bordstein herunterfahren. „Vorwärts runter würde das gehen, aber wenn die hinteren Räder dann auf dem Boden aufkommen, rüttelt der ganze Rollstuhl und ich habe starke Schmerzen, weil meine Wirbel sehr instabil sind. Den Bordstein wieder hinaufzufahren, ist mit dem schweren Rollstuhl für mich unmöglich“, sagt die 31-Jährige. Selbst ihr Mann Sebastian könne den Rollstuhl nicht hinauf- oder herunterheben.

Corinna Münch ist trotz ihrer Krankheit eine fröhliche Frau geblieben und sie ist hilfsbereit. Sie berät andere Frauen, die auf den Rollstuhl angewiesen sind, ebenfalls Kinder haben und ihren Alltag auf den Kopf stellen müssen.“ Für sie ist das ganz normal. Münch sagt: „Ich helfe immer gerne.“ Und wohl auch deshalb macht der dreiste Diebstahl sie so fassungslos. „Es ist traurig, dass jemand Menschen, die auf eine solche Rampe angewiesen sind, beklaut. Das ist schon ein starkes Stück“, sagt sie.

Ihr Mann Sebastian erzählt, sie hätten im ganzen Ort nach der Rampe gesucht. „Wir dachten, dass es vielleicht nur ein Streich war. Aber wir haben sie nicht gefunden.“ Daher haben sie bei der Vichter Polizei auch gleich Anzeige erstattet. Bislang ohne Ergebnis.

Eine neue Rampe kann sich die Familie derzeit nicht leisten. Darauf müsse sie erst einmal sparen. „Im Januar stehen sehr viele Rechnungen an, Versicherungen und solche Sachen“, sagt Corinna Münch. Die Rampe kostet 70 Euro. „Ich weiß, für viele ist das keine große Summe, aber für uns ist es eben sehr viel Geld.“

Und auch die große Alu-Rampe, direkt vor der Haustür, musste Corinna Münch schon einmal verteidigen. „Ein Schrotthändler wollte die Rampe einfach mitnehmen. Zum Glück habe ich das gehört und konnte es verhindern“, sagt sie.

Treppenlift defekt

Zu allem Übel ist nun auch ihr Treppenlift innerhalb des Hauses defekt, mit dem Corinna Münch auf die obere Etage fahren kann. „Mein Mann muss mich jedes Mal tragen“, sagt sie.

Die Situation sei nicht einfach. So ein Diebstahl sei schon ein herber Schlag. „Es ist sowieso schon schwer. Seitdem hier der Parkplatz vor der Tür als Behindertenparkplatz ausgewiesen wurde, gab es auch schon öfter Ärger“, sagt Münch. Der Parkplatz nimmt eine Fläche von 7,5 Metern ein. Die brauche man ja auch, wenn man mit dem Rollstuhl vernünftig ins Auto kommen wolle. Das gefalle aber nicht jedem. „Das Haus und das Auto wurden auch schon mit Eiern beworfen“, sagt Münch.

Nun hofft die Familie, dass zumindest die Rampe wieder auftaucht, damit sie ihren Alltag wie gewohnt meistern kann.

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