Rolling-Stones-Club: Wenn Herr Jagger die Steine rollen lässt

Von: Heike Eisenmenger und Doris Kinkel-Schlachter
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Sorgte dafür, dass die „Ukes
Sorgte dafür, dass die „Ukes” in unsere Region und auf einen Abstecher zu „Otto” kamen: Andreas Former (hinten, 2. v.l.) Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg-Büsbach. Ein bisschen spleenig wirkt Manfred Engelhardt schon, wie er im langen Siebziger-Jahre-Mantel und Hut auf einem Bein durchs Lokal hopst. So wie der Rocksänger Mick Jagger von den „Rolling Stones”. Aber dieser Spleen macht den 63-Jährigen gerade so sympathisch.

Es ist mehr als nur Verehrung, die ihn mit den „Rolling Stones” verbindet - die Band ist für ihn Ausdruck eines Lebensgefühls. Dass er es geschafft hat, mit dem 176 Mitglieder starken „Rolling-Stones-Club Aachen/Stolberg” den „größten nichtkommerziellen Fanclub Europas, wenn nicht sogar auf diesem Erdball” zu gründen, darauf ist Engelhardt stolz.

Die Rockband aus England ist aber nicht nur weltbekannt - sie ist auch einer der dienstältesten Rockbands überhaupt. Vor einem halben Jahrhundert traten Jagger und Co. in London zum ersten Mal vor Publikum auf. „Einen Tag zuvor berichtete die Presse über die ?Stones und das feiern wir heute”, erklärt der Clubmanager. Genau genommen wird bis in den nächsten Morgen - ins Bühnenjubiläum - hineingefeiert.

Das Fest findet im Vereinslokal „Kiek in” in Büsbach statt. Das Lokal ist zu klein, um alle Mitglieder nebst Freunden Platz zu bieten, aber es ist nun mal eines der beiden Vereinslokale des Clubs. „Da nicht alle kommen können, feiern wir im ausgesuchten Kreis. Aber auch wenn das Fest heute top ist”, dreht Engelhardt den Daumen nach oben, „ist es nicht der Höhepunkt des Jahres.”

Das Highlight sei der „Rock and Roll Circus” am 17. November in der „Kappertz-Hölle” in Eilendorf. „Musikfans erwartet ein Livekonzert der Superlative mit Feuerschluckern, Clown und allem Drum und Dran”, sagt Engelhardt glücklich in die Kamera des RTL-Teams. Doch nicht nur ein Team des Privatsenders hat sich eingefunden, um in Anlehnung an das Bandjubiläum über den 1963 gegründeten Aachener Stones-Club zu berichten: „Die WAZ, Süddeutsche und die Rheinische Post sind nur einige der Zeitungen, die über unseren Club schreiben.” Kommerzielle Fanclubs gebe es einige, „aber so was wie wir ist einzigartig”, betont Engelhardt.

Das kleine Lokal mit den großformatigen Schwarz-Weiß-Fotos aus Kultfilmen wie „Casablanca” und „Frühstück bei Tiffany” bebt förmlich, als die Tribute-Band „AC Rewind” die Bässe aufdreht. Die Besucher sind eins mit der Musik: Es wird im Takt gewippt, geklatscht, mitgesungen und Engelhardt tanzt wie ein Derwisch durchs proppenvolle Lokal.

Der Büsbacher war 13 Jahre alt, als er zum ersten Mal ein Stück von den „Stones” hörte. Seitdem ist er Fan. Vollblutfan, aber ohne dabei seinen Stars auf die Pelle zu rücken. Darauf legt der Marathonläufer mit Koteletten Wert.

„Die Stones begleiten mich mein Leben lang. Ich ließ mir auch die Haare lang wachsen und hatte bei meinen Locken natürlich einen solchen Wuschelkopf”, sagt Engelhardt und umschreibt mit den Händen eine Haarpracht, die jeden Pudel vor Neid erblassen lassen würde.

Seiner Mutter gefiel das gar nicht: Als ihr Sohn schlief, schnitt sie ihm die lange Mähne ab. „Das war furchtbar. Als ich morgens in den Spiegel blickte, war das ein echtes Trauma”, erinnert sich der Clubmanager lachend. Damals fand es das verständlicherweise nicht komisch.

In der Lehrzeit als Koch bekam Engelhardt wegen seiner Frisur und seinem Outfit öfter Ärger mit dem Chef. Aber was das Lebensgefühl „Rolling Stones” betrifft, nimmt Engelhardt das gerne Kauf. Die „rollenden Steine” halten ihn jung, sagt er.

Persönlich getroffen hat Engelhardt die Band nicht, wohl aber ein Freund. Jagger saß verkleidet in einem Münchner Biergarten. Der Freund sprach ihn an. „Mick bat ihn, kein Aufsehen zu machen, er wollte einfach mal seine Ruhe haben. Als Dank für seine Diskretion bekam er ein Autogramm mit einer persönlichen Widmung.”

Ist es sein Traum, sein Idol Jagger eines Tages persönlich zu treffen? „Nein, ich bin zufrieden, dass es Mick und die Band gibt. Wenn mir Mick begegnen würde, würde ich nur eines sagen: ?Mr. Jagger, welcome to the Voodoo Lounge. Aber ein Revival der Voodoo-Lounge-Tour - das wäre mein absoluter Traum.”

Der Alptraum schlechthin ist dagegen die Vorstellung von Stones-Gitarrist Keith Richards ohne Gitarre und stattdessen mit einer Ukulele. Welche Wendung das Leben der Rockband genommen hätte, wäre sie mit den ulkigen Bonsai-Gitarren aufgetreten, so wie es die „Ukes” tun, möchten Letztere gar nicht kommentieren.

Wieso auch, „The Ukulele Orchestra of Great Britain” will gar nicht so ernst genommen werden, und von „Sex & Drugs” will es erst recht nichts wissen - wohl aber von RocknRoll. Einem gepflegten Bierchen oder einem guten Tropfen sind die Briten natürlich nicht abgeneigt.

Und so trägt es sich an diesem Abend zu, dass in Büsbach die Stones groß gefeiert werden und sich bei „Otto” die „Altstadtmusikanten” mit drei der sieben „Ukes”, die vorher ein kräftig umjubeltes Konzert vor rund 700 Zuschauern auf Burg Wilhelmstein gegeben haben, ein musikalisches Stelldichein geben.

Dave, Jonty und Will sind begeistert von dem Empfang, der ihnen von der kleinen Stolberger Fangemeinde bereitet wird. Hier dürfen sie sich zurücklehnen, Kneipenbesucher sein und die Musik, diesmal nicht von ihnen, aber ebenso von Hand und zuweilen ganz schön ulkig, einfach genießen. Nur zum Finale zieht es die Musiker aufs Podest, sie können eben doch nicht ohne.
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