Roland Keller: Von Dampfloks, Akku-Triebwagen und Co.

Von: Dirk Müller
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Vom Ende der Dampfloks über den Schienenbuss und die Akku-Triebwagen hat Roland Keller viel erlebt und dokumentiert. Jetzt sieht er die Zukunft der Eisenbahn in Stolberg positiv. Foto: D. Müller

Stolberg. Schon im Jahre 1841 erhielt die Kupferstadt ihren ersten Bahnhof. Der Schienenverkehr erlebte in der Folge eine Blütezeit in Stolberg. Und später auch seinen Niedergang. Heute erstrahlt das Gebäude des Hauptbahnhofs in neuem Glanz, und der Ringschluss der Euregiobahn ist vollzogen. Ein leidenschaftlicher Chronist der Kupferstädter Bahnhistorie ist Roland Keller.

Der Stolberger ist von der Eisenbahn fasziniert und seine Internetseite www.eisenbahn-stolberg.de eine wahre Fundgrube für alle Freunde des Schienenverkehrs damals und heute. Dirk Müller sprach mit Keller über sein Hobby, den Frühschoppen für Eisenbahnfreunde und mehr.

Wann hat Ihre Leidenschaft für die Eisenbahn begonnen?

Keller: Schon als Kind. Ich bin an der Eisenbahnstrecke von Stolberg Hauptbahnhof nach Münsterbusch groß geworden und habe als kleiner Junge bereits mit großen Augen an den Gleisen gestanden. Aus meiner anfänglich noch kindlichen Begeisterung ist dann mehr und mehr eine ernsthafte Beschäftigung mit der Eisenbahn in Stolberg geworden.

Was ist dafür ausschlaggebend gewesen?

Keller: Das war wohl mein einsetzendes Bewusstsein, dass das Bahnwesen sich in einem tiefgreifenden Wandel befand. Das Ende der Dampflokomotiven wurde eingeläutet, und daher habe ich schon 1973 damit begonnen, die letzten Dampflok-Einsätze fotografisch zu dokumentieren, um dieses Stück Stolberger Eisenbahnhistorie festzuhalten und zu bewahren.

Wie viele Fotos haben Sie seitdem geschossen?

Keller: Es sind sicher mehr als 20000 Aufnahmen entstanden. Wobei ich die ersten Jahrzehnte im Vergleich zu heute ja noch sparsam den Auslöser betätigt habe, denn bei der analogen Fotografie fielen schließlich Kosten für Filme und Entwicklung an. Seit den Zeiten der digitalen Fotografie mache ich wesentlich mehr Aufnahmen.

Was macht für Sie die Faszination an der Eisenbahn aus?

Keller: Als Kind und Jugendlicher hat mich zunächst die Dampflok angezogen. Dann kamen mehrere Aspekte hinzu. Zum Beispiel die Geschichte der örtlichen Bahnstrecken und die technische Seite sowohl was die Züge, als auch was die Strecken angeht. Auch die fotografischen Herausforderungen, die das Thema mit sich bringt, finde ich sehr interessant. Bis heute fasziniert es mich, dass bei dem Hobby Eisenbahn viele Reize zusammenspielen.

Wann haben Sie das Internet als aktives Medium für sich entdeckt?

Keller: Meine eigene Internetseite betreibe ich seit November 2008. Zuvor habe ich auf der Seite www.drehscheibe-online.de Beiträge über die Stolberger Eisenbahngeschichte veröffentlicht.

Ihre Internetseite bietet eine enorme Fülle von Informationen und Fotos, ist aber noch in Arbeit...

Keller: … und wird es bleiben, denn die Seite ist ein Projekt, das lebt. Es kommen immer wieder neue Beiträge und Ergänzungen hinzu, denn die Internetseite hat den Anspruch, den Bogen von der Historie bis zur Moderne zu schlagen. Es ist mir wichtig, an das kulturgeschichtliche Erbe der Eisenbahn in meiner Heimatstadt zu erinnern, aber auch aktuelle Themen aufzugreifen.

Wie hat die Eisenbahn sich generell entwickelt?

Keller: Die Deutsche Bundesbahn hat ab den 1950er Jahren sukzessive Strecken stillgelegt, die weniger gut frequentiert waren. Mit stärker aufkommendem Individualverkehr betraf dies besonders die sogenannten Nebenstrecken im regionalen Bereich. Erst 1979 erfolgte ein Umdenken. Einerseits bei den Fahrgästen, die zunehmend mehr Umweltbewusstsein entwickelten, andererseits bei der Bahn, die wieder neue Kunden gewinnen wollte. Der erste Versuch war der Taktverkehr für die Regionalzüge zwischen Bonn und Euskirchen, und weitere getaktete Verbindungen folgten.

Wie in Stolberg die Euregiobahn.

Keller: Genau. Dazu mussten allerdings mehrere Komponenten greifen: Die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH, EVS, hat stillgelegte Strecken erworben und ertüchtigt, auf denen die Regionalzüge der Deutschen Bahn heute fahren. Wichtigste Voraussetzung dafür war aber, dass der Schienenverkehr vom Zweckverband Nahverkehr Rheinland, NVR, und vom Aachener Verkehrsverbund, AVV, bestellt und bezahlt wurde und die Infrastruktur damit wirtschaftlich betrieben werden konnte.

Der Ringschluss ist vollzogen, und die Euregiobahn fährt von Stolberg bis Herzogenrath. Was bedeutet das für Sie?

Keller: Für mich schließt sich der Kreis auch sinnbildlich. Wie viele Menschen meiner Generation habe ich den Niedergang der Strecke erlebt. Am 28. Dezember 1984 wurde der Schienenpersonenverkehr zwischen Stolberg Hauptbahnhof und Herzogenrath eingestellt. Jetzt den Neuanfang mitzuerleben, freut mich sehr. Übrigens gab es nicht nur die Verbindung Stolberg-Herzogenrath früher schon, auch Breinig war bis 1961 an den Schienenpersonenverkehr angeschlossen und wird hoffentlich bald auch wieder regelmäßig von der Euregiobahn angesteuert. Vielleicht wird ja künftig auch das schon recht alte Thema Elektromobilität wieder aufgegriffen.

Inwiefern ist Elektromobilität bei der Bahn ein „altes“ Thema?

Keller: Im Kreis Düren und im Erftkreis fuhren bereits in den 1920er und 1930er Jahren erste Akku-Triebwagen. In Stolberg wurde in den 1950er Jahren zunächst noch dieselbetriebene Schienenbusse eingesetzt. Ab den 1960er Jahren kamen die Akku-Triebwagen auch in der Region Aachen zum Einsatz. Das war damals ein anspruchsvolles Projekt, weil die Kapazität der wiederaufladbaren Batterien im Vergleich zu modernen Akkus sehr gering war. Aber es hat funktioniert, und die Akku-Triebwagen fuhren sehr zuverlässig.

Heute würde dieses System viele Vorteile vereinen. Mit regenerativer Energie betrieben, wäre der Personenschienenverkehr sehr umweltfreundlich und eine Elektrifizierung mit Oberleitungen unnötig. Hinzu kommt, dass in unserer Euregio elektrische Lokomotiven mit drei verschiedenen Stromsystemen in Deutschland, Belgien und den Niederlanden betrieben werden. Die Loks müssen kostspielig hinsichtlich der Kompatibilität ertüchtigt und das Stromsystem muss vor der Grenzüberfahrt umgestellt werden. Mit von Oberleitungen unabhängigen Akku-Triebwagen wäre der Schienenverkehr in der Euregio grenzenlos.

Welche Rolle spielt Stolberg Ihrer Meinung nach bei der Zukunft der Bahn in unserer Region?

Keller: Auf jeden Fall eine positive. Der Stolberger Hauptbahnhof ist für den Güterverkehr bereits sehr wichtig und gewinnt durch den Ringschluss der Euregiobahn auch an Bedeutung für den Personenverkehr. Für den Stellenwert der Eisenbahn in Stolberg spricht auch, dass die EVS das heruntergekommene Gebäude des Hauptbahnhofs als Firmensitz toll hergerichtet und dort das zentrale elektronische Stellwerk für ihr Streckennetz eingebaut hat. Im Foyer des Servicepunktes im Bahnhofsgebäude findet übrigens jeden dritten Sonntag im Monat von 10.30 bis mindestens 12 Uhr ein Frühschoppen für Eisenbahnfreunde statt.

Was hat es mit dem Frühschoppen für Eisenbahnfreunde auf sich?

Keller: Es ist ein lockerer Kreis, zu dem jeder Interessierte herzlich eingeladen ist. Rund 15 bis 20 Eisenbahnfreunde treffen sich regelmäßig in schönem Ambiente mit Blick Gleise und Züge – Anmeldungen sind nicht nötig, wer nicht kommt, braucht sich auch nicht entschuldigen. Es ist eine Ergänzung zu den Aktivitäten im Internet; wir pflegen den persönlichen Kontakt und den Austausch. In Form von Fotos, Filmen und Vorträgen widmen wir uns auch besonderen Themenschwerpunkten. Der nächste Frühschoppen findet am Sonntag, 19. Juni, statt, und das Thema wird der Ringschluss sein.

Wann sind Sie zuletzt mit der Bahn gefahren?

Keller: Gestern noch. Da mein Arbeitsplatz in Bonn ist, fahre ich immer fünf Tage in der Woche mit dem Zug. Ich bin als Pendler nun schon seit 1980 eigentlich durchgängig auf den Schienen unterwegs.

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