Rocker und Drogen: Problempunkt am Bastinsweiher?

Von: Jürgen Lange
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Eine trügerische Idylle: Über schwere dunkle Limousinen, Koffer-Geschäfte, Prostitution und Drogenhandel berichten Anwohner der Flora am Bastinsweiher. Die Polizei hat keine Erkenntnisse darüber, verweist auf wenige ertappte Konsumenten und bittet um Hinweise. Foto: J. Lange / imago

Stolberg. „Bitte rufen Sie uns sofort an“, sagt Petra Wienen. „Scheuen Sie nicht davor zurück, die Telefon 110 zu wählen“, fordert die Pressesprecherin im Aachener Präsidium die Stolberger auf, ihre Beobachtungen unverzüglich der Polizei zu melden, damit diese den Vorwürfen auch nachgehen, Erkenntnisse sammeln und im Detail gegen Kriminalität vorgehen kann.

Konkret angesprochen ist dabei das Umfeld von Bastinsweiher und Flora. Anlieger hatten bei einer Bürgerinformation zur Umgestaltung des Quartiers massiv die Sicherheitslage öffentlich kritisiert. Insbesondere die Flora habe sich zu einem Problempunkt entwickelt. Während das frühere Problem alkoholfester Trinkgelage und damit verbundener Randale wohl der Vergangenheit angehöre, machen nun andere Drogen das Rennen, so berichten es Anlieger von ihren Beobachtungen auf dem Weg zahlreicher Schüler zum Ritzefeld-Gymnasium. Recht offensichtlich floriere der Tauschhandel von Tütchen gegen Geld.

Mitglieder der Rockerbande Black Jackets, die am Schriftzug auf Jacken und T-Shirts erkannt worden sein sollen, steckt aus Sicht der Anlieger hinter diesen Umtrieben ebenso wie hinter einer Prostitution, die zumindest vom Bastinsweiher aus organisiert werde. Schwere Limousinen mit fremden Kennzeichen, dubiose Gestalten, und Koffer, die die Besitzer wechseln, sorgen jedenfalls nicht für ein subjektives Sicherheitsempfinden.

Doch Hinweise auf einen neuen Schwerpunkt der Kriminalität in der Kupferstadt fehlen der Polizei. „Uns liegen seit einem Jahr keine Erkenntnisse zu einer Tätigkeit der ,Black Jackets‘ in Stolberg vor“, sagt Wienen. Damals wurde die Rockerbande aufgelöst, das Tattoo-Studio auf der Mühle ist geschlossen und „nichts deutet auf neue Aktivitäten hin“, berichtet die Pressesprecherin über die Lage aus Sicht des Präsidiums, wo auch das Thema Prostitution für diesen Bezirk gänzlich unbekannt ist. Gäbe es aber eine Rockerszene am Weiher, dann wäre die Aachener Polizei besonders gefordert. „Die Bekämpfung ist ein Landesthema“, sagt Wienen. Dann müssten vorrangig Kräfte eingesetzte werden.

„Ausreichende Kräfte“

Anders sieht es freilich bei den Drogen aus. „Es gab Hinweise“, so Wienen, „denen wir nachgegangen sind“. Aus den Ermittlungen heraus seien einige wenige Verfahren eingeleitet worden; eins sei noch anhängig. Aber in allen aufgedeckten Fällen habe es sich nur um minimale Mengen an Betäubungsmitteln gehandelt.

Möglicherweise ein Fall fehlender Hinweise. „Wenn wir zeitnah informiert werden, können wir aktiv werden“, sagt Wienen. Darüber hinaus „bestreife“ die Polizei den Bereich uniformiert und in Zivil: „Wir haben das Gebiet im Auge“. Gleichwohl können eine Gegend immer wieder einmal zu einem Problembezirk werden. Und dann benötige die Polizei erst recht Hinweise, um zielgerichtet eingreifen zu können.

Einsatzkräfte dazu könne der Polizeipräsident bei Bedarfs ausreichend mobilisieren. „In der Städteregion steht das gleiche Potenzial zur Verfügung wie in der Stadt Aachen“. betont Wienen. „Wir setzen sie dort ein, wo sie gebraucht werden; da sind wir sehr flexibel“. Aber gewusst wo: Hinweise muss die Polizei dann auch unverzüglich und reichlich erhalten.

Es ist nicht das erste Mal in der Kupferstadt, dass Anwohner über einer kriminellen Szene vor ihrer Haustüre klagen, die Erkenntnisse der Polizei darüber aber lückenhaft waren und erst aufgearbeitet werden mussten.

Das jüngste Beispiel reicht ein gutes Jahr zurück, als Drogenhandel ganz offensichtlich im Unterdeck des Parkhauses an der Klatterstraße betrieben wurde und Hintermänner in schweren Limousinen vorfuhren, um Koffer zu tauschen. Bei ihrer Observierung schnappte die Polizei bislang nur Konsumenten. Die Lage änderte sich erst, als das Parkhaus privatisiert und das Untergeschoss verschlossen wurde; seitdem wird ganz offensichtlich auf dem Oberdeck gedealt, beklagen Altstadtbewohner immer wieder.

Ein anderes Beispiel reicht gut sechs Jahre zurück, als in der Parkanlage Blankenberg ein Kinderspielgerät in Form eines Krokodils ganz ungeniert als Drogenumschlagplatz diente – er boomte vor allem zu Pausenzeiten und nach der 6. Unterrichtsstunde. Aber selbst nach der Festnahme des Hauptverdächtigen – die Ermittlungen nahmen nahezu ein Jahr in Anspruch – riss der schwunghafte Handel mit Marihuana nicht ab. Insider beschrieben seinerzeit sehr detailliert in unserer Zeitung, wie die alternativen Vertriebswege aufgebaut waren....

Die Ermittler können aber auch Erfolge verzeichnen: Im Vorjahr wurde ein 45-jähriger Stolberger zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten sowie sein 40 Jahre alter Komplize aus Aachen wegen Beihilfe zu elf Monaten wegen Drogenhandels, Erpressung, Nötigung und Einschleusens von Ausländern verurteilt. Wegen des Verdachts des Menschenhandels schlagen die Beamten des KK 12 im Februar an der Sebastianusstraße in Atsch zu. Bei der Razzia werden drei Männer und eine Frau rumänischer Abstammung festgenommen. Das Gericht erlässt Haftbefehl; das Verfahren ist bei der Staatsanwaltschaft anhängig.

Unvergessen ist das „Catweazle“-Verfahren vor fünf Jahren, bei dem ein seinerzeit 44 Jahre alter Stolberger zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, weil er in seinem Shop in Büsbach mit Rat und Equipment Beihilfe geleistet habe zu Drogenanbau und -handel. Die Hinweise zu diesem Geschäft kamen übrigens von einer bundesweiten Razzia im Milieu.

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