„Rockballast“: Livemusik vom Feinsten und ein grandioses Fest

Von: Dirk Müller
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Mit Blues der rockigen Art begeisterten „Saturday Night Fish Fry“ das Publikum zu Beginn von „ Rockballast.“
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„Final Virus and Friends“ entführen die Zuhörer mit künstlerischen Interpretationen in unnachahmliche Klangwelten. Foto: D. Müller

Stolberg. Als die Band eine ekstatische Version von Richie Havens‘ „Freedom“ präsentierte, konnte diese kunstvolle Interpretation durchaus mehrdeutig verstanden werden. Denn „Final Virus and Friends“ spielten sich mit einer Freiheit durch die Musikgenres, wie sie nur begnadete Musiker ausleben können.

Mit unnachahmlicher Leichtigkeit streute die Band den „Säbeltanz“ von Aram Chatschaturjan in Havens‘ entfesselten Gospel ein und bereitete dem Publikum damit einen von zahlreichen musikalischen Höhepunkten an einem sehr ansprechenden Konzertabend.

Denn auch die 15. Auflage von „Rockballast“ wurde dem Anspruch absolut gerecht, Kulturgenuss mit einer rauschenden Rock-Fete zu vereinen. In strahlendem Sonnenschein waren so viele Musikfreunde dem Ruf von Organisatorin Marita Matousek gefolgt, dass Platz rund um das Burghaus zu Mangelware wurde. Im Gegensatz zu feinster Livemusik, von der es reichlich gab.

Bereits zu Beginn heizte „Saturday Night Fish Fry“ dem Publikum gehörig ein. Sänger und Gitarrist Wolfgang Wynands, Dieter Nitsche am Bass, Majid Salama (Gitarre) und Drummer Winnie Rüland brachten die Zuhörer mit authentischem wie rockigen Blues in Stimmung. Energiegeladen und virtuos unterhielten die „frittierten Fische“ vom ersten Takt an das Publikum großartig. Klassiker wie Willie Dixons „The Red Rooster“, das „Howlin‘ Wolf“ 1961 erstmals aufnahm, der „Cadillac Walk“ von Willy DeVille oder Johnny Cashs „Folsom Prison Blues“ kamen bestens an.

Was auch für die Eigenkompositionen von „Saturday Night Fish Fry“ galt. Kraftvoll und unwiderstehlich riss das nach einem Louis-Jordan-Song benannte Quartett die Zuhörer mit Titeln wie „I‘m the Man“ und „Don‘t you let her take your Bottle away“ mit. Die Band reicherte ihren Blues gekonnt mit Rock, Country, Beat und Rockabilly an, so dass schon das erste Konzert des langen Abends ein Erlebnis war, das die Zuschauer mit lautstarkem Beifall quittierten.

War der umjubelte Auftritt der Eschweiler Combo schon quasi ein „Heimspiel“ in der Kupferstadt, galt dies für die folgende Band erst recht. Die Stolberger Musiker Peter Sonntag (Bass), Reno Schnell (Gitarre), Markus Plum (Posaune) und Max Sonntag (Drums) bewiesen als „Final Virus“ einmal mehr ihr Ausnahmetalent. Zum 15. „Rockballast“ und zum 20-jährigen Bestehen von „Final Virus“ hatten die Instrumentalisten das ganz große Besteck aufgefahren und gleich vier befreundete Musiker mit auf die Bühne am Burghaus gebracht: Sängerin Missi Wainright-Schneider, Yavuz Duman (Trompete), Saxofonist Patros Jäger und Martin „Doc“ Mersmann am analogen Synthesizer komplettierten „Final Virus and Friends“ und damit auch den innovativen Sound-Kosmos, mit dem die Band das Publikum begeisterte.

Die „Viren und Freunde“ intonierten zum Beispiel treibenden Hardrock, verspielten Jazz, warmen Soul und flotten Funk – wohlbemerkt in einem einzigen Song. Immer wieder verblüfften Sonntag und Co. die Zuhörer mit ihren einzigartigen Interpretationen, in denen die Musiker mit vollkommen organischen Arrangements sämtliche Genre-Grenzen aufbrachen und bekannte Originale in neue künstlerische Klangwelten erhoben, die ihresgleichen suchen. Etwa die „Frankie-goes-to-Hollywood“-Ballade „The Power of Love“, die die Musiker von jeglichem Schmalz befreiten und ihr neues Leben einhauchten.

Weitere „Final-Virus“-Bearbeitungen von Werken wie „Love will tear us apart“ („Joy Division“), „Bitter sweet Symphony“ („The Verve“) oder „Behind blue Eyes“ („The Who“) fesselten das Publikum, und der Boden war geebnet für das traditionell stimmungsvolle Finale vom „Rockballast“, bei dem ausgelassen gefeiert wurde. Zu den Songs der Coverband „Voices“, die zum Mitsingen und Tanzen einluden.

Abermals auf sehr hohem Niveau, denn die versierten Musiker brachten Partystimmung, Vielfalt und Qualität auf einen Nenner. Schlagzeuger Mike Satzkowski und Keyboarder Hans-Peter Faymonville waren ebenso gut aufgelegt wie Gitarrist Franz-Josef Ritzerfeld und Bassist Markus Butz, die beide auch zu den Mikrofonen griffen und den Klassikern aus mehreren Jahrzehnten ihre Stimme liehen. Doch damit nicht genug: Mit Christina Ritzerfeld, Kerstin Wirtz und Elke Sommer-Jöris hatte „Voices“ gleich drei Sängerinnen mitgebracht, die das Publikum verzückten. Ob zu „Music“ von John Miles, Peter Gabriels „Sledgehammer“, der „Bohemian Rapsody“ von „Queen“ oder „Zombie“ von den „Cranberries“ – „Voices“ ließ die Rockballast-Besucher bei bester Laune feiern.

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