Stolberg-Zweifall - Richtung Höxter geflüchtet: Zweifaller vor 70 Jahren

Richtung Höxter geflüchtet: Zweifaller vor 70 Jahren

Von: Toni Dörflinger
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Als die Amerikaner die Grenze überquert hatten, machten sich heute vor 70 Jahren 210 Zweifaller zu Fuß Richtung Gürzenich auf. Foto: stock/blickwinkel

Stolberg-Zweifall. Ungewissheit und Zukunftsängste plagten die Zweifaller, die sich vor 70 Jahren zu einem Flüchtlingstreck in ein vermeintlich sicheres Gebiet entschlossen. Auslöser für die Flucht war die Tatsache, dass amerikanische Truppen, von Eupen kommend, Mitte September 1944 bei Roetgen die deutsche Grenze überschritten hatten.

Auch wer nicht der nationalsozialistischen Propaganda Glauben schenkte, die ein Schreckensszenario großen Ausmaßes entworfen hatte, dem drohten doch Kampfhandlungen und Gefahren für das eigene Leben. Zu den 210 Personen, die – in zwei Gruppen aufgeteilt – an jenem 12. September 1944 einen Fußmarsch in Richtung Gürzenich starteten, gehörte auch die damals zwölfjährige Hedwig Kupsch.

Die heute 82-Jährige, die damals den Familiennamen Duhmen führte, gab jetzt als Zeitzeugin ihre Erinnerungen bei Albert Willems zu Protokoll. Willems, einer der vier Sprecher der „Initiativgruppe Zweifaller Dorfgeschichte im Geschichtsverein Monschauer Land“ hat nämlich den Auftrag übernommen, die Kriegserlebnisse der Senioren in Wort und Bild festzuhalten, um sie so nachfolgenden Generationen zugänglich zu machen.

Dazu gehörte auch, dass Kupsch Willems den weiteren Verlauf der Flucht schilderte, die vier Tage später im Kreis Höxter ihr vorläufiges Ende finden sollte. Doch zuvor hatten die Flüchtlinge nach der Übernachtung in Gürzenich, von einem Lastkraftwagen als Transportmittel unterstützt, den Ausbruch in Richtung Euskirchen und Wipperfürth fortgesetzt. Für Angst und Schrecken hatte währenddessen der Beschuss durch Tiefflieger gesorgt.

Von Wipperfürth aus konnte man dann die Reise mit ungewissem Ausgang – das Ziel war den Flüchtlingen zum damaligen Zeitpunkt nicht bekannt – mit dem Zug weiterführen. Endgültig Halt machte man dann in Bad Driburg und Brakel. Dort wurden die Familien – auch Kupsch war mit ihren Eltern und ihren beiden Geschwistern aufgebrochen – auf dortige Haushalte und Wohnungen verteilt.

Schon bei der Ankunft hatte sich die damals zwölfjährige Hedwig einem schrecklichen Schicksal stellen müssen. Sie verlor dort nämlich ihren zehn Jahre älteren Bruder Walter, der infolge einer in Russland erlittenen Kriegsverletzung im Bad Driburger Krankenhaus starb.

Erschwert wurde das Schicksal der kleinen Hedwig auch dadurch, dass die Familien nicht gemeinsam, sondern getrennt untergebracht wurden. So wurden ihre Eltern einem Bauernhof und sie einem älteren Ehepaar zugeteilt. Hinzu kam, dass es mit der Gastfreundschaft der dortigen Einwohner in einigen Fällen nicht gut bestellt gewesen sei, wusste Kupsch zu berichten. So habe man beispielsweise das Angebot ihrer Eltern, auf dem Bauernhof zu arbeiten, nicht angenommen. Auch ihre Bereitschaft, in einer Bäckerei kleine, kindgerechte Aushilfsarbeiten zu verrichten, habe sich nicht als erhoffte Aufstockung der dürftigen Lebensmittelzuteilung ausgewirkt.

Letztlich haben aber alle Zwei­faller Flüchtlinge mit Ausnahme des Kupsch-Bruders den erzwungenen Aufenthalt überstanden und konnten Anfang Juni 1945 in die Heimat zurückkehren. „Dort hatte uns ein unzerstörtes, aber im Inneren demoliertes Haus erwartet. Einquartierungen und die Beschlagnahmung durch amerikanische Soldaten hatten den Fensterscheiben und dem Mobiliar arg zugesetzt.“ Aber man habe ein Dach überm Kopf gehabt, schließt Kupsch ihren Bericht.

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