Rettungsstaffel: Training im leeren Kaufhaus

Von: Katja Laska
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Erfolgreiche Suchaktion: Jürgen Wilfert mit Arik, der die „vermisste Person“ – Vorstandsmitglied Heike Vermeulen – aufgespürt hat. Foto: S. Kreutz
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Bisher noch nicht ernstfallerprobt, aber jede Woche mit den Tieren im Training: die Rettungshundestaffel Euregio. Foto: K. Laska

Stolberg. Ronja ist ganz aufgeregt und wedelt mit ihrem Schwanz. Jetzt gibt es Leckerlis. Das ist die Belohnung, denn sie hat die vermisste Person gefunden. Die Boxer-Hundedame bildet mit ihrem Besitzer Christian Niessen eines der 19 Teams der Rettungshundestaffel Euregio.

Deren wöchentliche Katastrophenübung fand dieses Mal unter besonderen Bedingungen statt. Die Rettungshelfer trafen sich im ehemaligen Kaufhaus Victor.

„Das ist etwas Neues für die Tiere. Insbesondere die glatten Böden stellen sie vor eine Herausforderung“, sagt Martina Schwartz. Sie ist die Ausbildungswartin und beobachtet die Suche der Tiere in dem leerstehenden Einkaufsgebäude.

Der Verein wurde 2004 ins Leben gerufen und hat sich seitdem die Rettungshundearbeit zur Aufgabe gemacht. Die Tiere sollen lernen, vermisste Personen oder Katastrophenopfer aufzuspüren. Damit das so gut wie möglich klappt, werden zwei Sorten von Rettungshunden ausgebildet: zum einen Personenspürhunde, die sich nur auf eine gesuchte Person konzen­trieren und zum anderen Flächen- und Trümmerhunde. Sie filtern dank ihrer guten Nase die Witterung eines Menschen aus vielen verschiedenen Gerüchen heraus und können so beispielsweise verschüttete Personen finden.

Die Gruppe trifft sich einmal in der Woche, meist in freiem Gelände oder im Wald, um die Hunde zu schulen. Bei der Gebäudeübung geht es den Rettungshelfern um Abwechslung und die Simulation anderer Suchbedingungen. Suchen die Hunde oft im gleichen Gebiet, „wird die Übung schnell zu einem Ablaufen von bereits bekannten Verstecken“, erzählt Schwartz.

Sie nimmt sich für jeden Hund Zeit und guckt, wie er auf neue Gerüche, Staub und Luftströme in der alten Einkaufshalle reagiert, denn „jeder Hund ist individuell und reagiert anders, aber sie machen das alle gut.“

Etwa drei Stunden dauert eine Katastrophenübung. Drei Stunden, in denen Wolfgang Krumbach sich in den Räumen versteckt. Er ist einer der Freiwilligen, die sich als vermeintliches Opfer zur Verfügung stellen. „Es ist wichtig, dass die Hunde verschiedene Personen suchen. So gewöhnen sie sich nicht an einen Geruch“, sagt er. Die Wartezeit, bis das Tier ihn aufspürt, macht ihm nichts aus: „Hier ist es angenehmer als bei manchen Übungen im Wald. Da hockt man schon mal länger in einem dunklen Loch“, sagt er lachend. Doch auch im Kaufhaus ist es dunkel, schließlich soll der Ernstfall nachgestellt werden.

Die Hunde haben zehn Minuten Zeit für die Suche und laufen mit einer Tarndecke und Glocken über die Etagen, die Besitzer in sicherem Abstand mit Funkgerät und Stirnlampe hinterher. Ein Team nach dem anderen. Auch wenn die Bedingungen einem echten Einsatz nahekommen, zu einem solchen wurde die Staffel bisher noch nicht gerufen. „Es ist gut und schlecht zugleich. Uns fehlt dadurch die praktische Erfahrung. Andererseits sind wir natürlich froh, dass unsere Hilfe noch nicht gebraucht wurde“, sagt Niessen, der Vorsitzende des Vereins.

Trotzdem wollen die freiwilligen Helfer bestens vorbereitet sein, wenn es wirklich soweit ist und üben demnächst in Räumen der Stolberger Feuerwehr.

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