Stolberg - „Rest in Peace“: Schule geht es an den Kragen

„Rest in Peace“: Schule geht es an den Kragen

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
13776721.jpg
Die Turnhalle bleibt erhalten und erhält neue Anschlüsse für die Infrastruktur.
13776723.jpg
Der alte Klassentrakt kann jetzt entkernt werden.
13776716.jpg
„Ruhe in Frieden“: Im alten Verwaltungstrakt der Propst-Grüber-Schule läuft noch der Unterricht bis zum letzten Tag.

Stolberg. Die Buchstaben „RIP“ hat irgendjemand auf dem Schulhof in großen Lettern auf das Graffiti am Verwaltungstrakt geschmiert. „Ruhe in Frieden“ – treffender kann man es wohl kaum ausdrücken. Die Propst-Grüber-Schule wird langsam, aber sicher zu Grabe getragen.

Ein halbes Jahrhundert erlangten Generationen von Jugendlichen auf der Liester ihre schulischen Grundlagen. Am Montag sind die Vorbereitungen zum Abriss der 1965 erbauten Hauptschule angelaufen. Ein neues Pflegeheim soll an dieser Stelle spätestens zum 1. August 2018 seinen Betrieb aufnehmen können.

Dass die Hauptschule zum Ende dieses Schuljahres ihren Betrieb einstellt, das ist bereits seit Jahren gewiss. Dass damit nun auch der Abriss des Gebäudes eingeleitet wird, ist eher einem glücklichen Umstand zu verdanken, der allerdings für eine gehörige Portion Zeitdruck sorgt.

Die Stadt hat Ende 2015 den Bau einer neuen Pflegeeinrichtung auf dem Schulareal ausgeschrieben. Sie soll als Ersatz dienen für die Pflegestation des Hauses am Amselweg, die ab 1. August 2018 den novellierten gesetzlichen Anforderungen nicht mehr entsprechen wird. Gleichzeitig ist bekannt, dass noch bis zum 14. Juli 2017 der Schulbetrieb laufen wird.

Es ist noch eine Klasse, knapp 25 Schüler, die von einer Handvoll Lehrer auf ihren Abschluss vorbereitet wird. Der Unterricht erfolgt im etwas abseits neben der Turnhalle gelegenen, früheren Verwaltungstrakt. Sogar die erforderlichen Fachräume haben dort ihren Platz gefunden für die letzten Tage.

„Wir haben das weitere Vorgehen in enger Abstimmung mit der Schulleitung geplant“, betont Tobias Röhm. Denn in den nächsten Tagen soll es dem alten Klassentrakt an der Straße an den Kragen gehen. Genauer gesagt steht zunächst das Abtragen von Fassaden, Dach und der inneren Dämmung auf der Arbeitsliste. „Erst einmal geht's nur um die Sachen, die wenig Lärm machen“, sagt der Technische Beigeordnete.

Und darum, den Fledermäusen zuvorzukommen, die im Frühjahr noch unter das Schuldach schlüpfen könnten. Analog gilt das für die Rodung von Bäumen und Sträuchern, die dem Neubauvorhaben im Wege stehen. Und sollten Arbeiten anstehen, bei denen es lauter zugehen könnte, dann sollen diese in die Nachmittagsstunden oder in Ferienzeiten gelegt werden. Der eigentliche Abriss des Gebäudes an der Straße „Auf der Liester“ ist für die Osterferien avisiert. Zum Abriss freigegeben sind auch die alten Pavillons und der Abstellraum am Rande des Schulhofes.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen muss die Stadt dabei nach derzeitigen Kenntnissen nicht treffen. „Von einer Asbestbelastung ist uns nichts bekannt“, sagt Röhm. Die Dächer der Pavillons wurden vor rund 15 Jahren saniert und von dem schädlichen Dämmmaterial befreit.

Nur eine kurze Schonfrist wird noch der Wohnung des Hausmeisters gewährt. Dort wohnt Guido Mattar, der die Gesamtschule an Sperberweg und Walther-Dobbelmann-Straße betreut, wo eine neue Dienstwohnung für ihn hergerichtet wird, während Propst-Grüber-Hausmeister Jürgen Hamacher privat wohnt und nach Auslaufen der Schule vermutlich den neuen Hausmeister-Pool aufbauen kann.

Doch bevor die Bagger zügig, aber leise loslegen können, muss erst einmal eine neue Versorgung aufgebaut werden. Da die Turnhalle den Stolberger Vereinen erhalten bleibt, aber bislang über die technische Infrastruktur der Schule versorgt wurde, muss Neues her.

„Wir erneuern die komplette Heizungsanlage und setzen auch dort energetische Standards“, erklärt der Beigeordnete. Am Montag haben die Arbeiten begonnen, um neue Strom- und Wasseranschlüsse von der Straße aus herzurichten. Bei der Herrichtung des neuen Zugangs sollen zudem zusätzliche Parkplätze erstellt werden: Etwa 15 bis 20 erscheinen realistisch.

Im Mai kann theoretisch mit dem Bau der Pflegeeinrichtung entlang der Straße begonnen werden. Voraussetzung ist, dass das Bauordnungsamt zumindest Teilbaugenehmigungen erteilen kann. Das wiederum setzt voraus, dass der Bebauungsplan Rechtskraft erlangt, was laut Zeitplan Mitte Mai mit dem Offenlagebeschluss der Fall sein kann – sofern keine unerwarteten Schwierigkeiten eintreten oder Rechtsmittel eingelegt werden.

„Auch für die Erdarbeiten und erste Hochbauaktivitäten gilt, dass lärmintensive Tätigkeiten in Absprache mit der Schulleitung nur in der unterrichtsfreien Zeit erfolgen dürfen“, unterstreicht Röhm nochmals. Mit Ende des Unterrichts können die restlichen Abbrucharbeiten erfolgen.

56 Wohneinheiten

Angesichts des Zeitdrucks wird die Investorengruppe alles daran setzen, das Pflegeheim, mit 80 stationären und 20 Tagespflegeplätzen direkt an der Straße gelegen, zuerst zu realisieren. Wie schnell und in welcher Reihenfolge das betreute Wohnen mit 24 Plätzen sowie auf dem unteren Gelände die 56 privaten Wohneinheiten folgen werden, „ist zwar Sache des Investors“, aber Tobias Röhm erwartet eine zügige Entwicklung des Areals bis hin zum Sportplatz Kranensterz.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert