Reiterszene muckelt in Stolberger Betten

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Stolberg. Die Spiele sind eröffnet, mit den FEI Europameisterschaften 2015 bis zum 23. August wird in Aachen wieder ein großes Championat ausgerichtet. Und während auf dem traditionsreichen Turniergelände des CHIO kräftig aufgesattelt wird, scharren auch einige Stolberger mit den Hufen. Und zwar die Hoteliers und Betreiber von Ferienwohnungen und Gästehäusern.

Mehr Anfragen für Unterkünfte wegen der Reit-EM erhält die Stolberg-Touristik, bestätigt Svenja Erler. „Das sind schon so einige gewesen bislang. Die kommen natürlich jedes Jahr, da aber das CHIO so kurz ausgefallen ist, gibt es mehr Anfragen zur EM“, sagt die Mitarbeiterin. Pferdebegeisterte Gäste beziehen ihr Quartier auch auf dem Hammerberg, aber nicht nur solche. „Es hält sich die Waage, wir haben sehr viele Stammgäste“, sagt Anita Stock vom dort gelegenen Romantik-Parkhotel. Die Gäste, die zum CHIO kämen, seien auch jetzt zu den Europameisterschaften da, „die Auslastung ist gut“, betont die Hotel-Chefin. Und ihr Mann Dirk Stock ergänzt: „Unsere Gäste kommen von weit her, unter anderem aus Südafrika. Und auch Harry Boldt ist wieder bei uns, der aus Perth in Australien angereist ist.“

Nebenbei bemerkt: Harry Boldt ist einer der erfolgreichsten Dressurreiter und Ausbilder der Welt und auch heute noch als Ausbilder und Trainer international sehr gefragt. Von 1981 bis 1996 bekleidete der heute 85-Jährige das Amt des Bundestrainers Dressur. Während seiner Zeit als Bundestrainer gewannen deutsche Dressurreiter unter seiner Leitung bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympischen Spielen die Zahl von 50 Medaillen, davon 31 Mal Gold. Damit dürfte Harry Boldt zu den erfolgreichsten Bundestrainern aller Sportarten zählen.

Laut Trivago-Hotelpreis-Index hat die Reit-EM in Aachen ihre Folgen, denn Hotelgäste müssen für eine Übernachtung tiefer in die Tasche greifen. In diesem Monat steigen die Preise in Aachen im Vergleich zum Vormonat deutlich (Juli 84 Euro, August 123 Euro), heißt es auf der Seite der Metasuchmaschine. Dabei dienen als Zahlenbasis die täglich zwei Millionen generierten Nutzer-Anfragen nach Hotelübernachtungspreisen. Während der FEI Europameisterschaften bezahlen Hotelgäste für eine Übernachtung in einem Standard-Doppelzimmer durchschnittlich 185 Euro. Das sind 50 Prozent mehr als im Gesamtmonat. Die Aachener Hotellerie meldet die höchsten Preise am 21. (229 Euro) und am 22. August (231 Euro).

„Wir haben unsere Preise auch erhöht, aber moderat, nicht astronomisch“, sagt Dirk Stock. Der Hotelier ist auch Vorsitzender der Kreisgruppe Aachen Land des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes. Aus Sicht des Dehoga hat die Reit-EM gute und weniger gute Seiten. Stock: „Für die Hoteliers in der Region ist das ganz klar die Hauptsaison, aus gastronomischer Sicht ist es mittlerweile ein größerer Kampf, weil auf dem CHIO-Gelände gastronomisch gesehen mit Lafer & Co. immer mehr aufgesattelt wird. Das ist für die Gäste vor Ort natürlich schön, für die Region ein bisschen nachteilig.“

Eine „gute Auslastung“ verzeichnet das City Hotel Stolberg unter Leitung von Monika Lück. Junior-Chef Sebastian Lück freut sich, dass alle 55 Zimmer belegt seien, besonders groß sei die Nachfrage für Donnerstag bis Sonntag diese und nächste Woche.

Einen Belegungsstand von 97 Prozent meldet das Hotel zum Walde in Zweifall. „Die Reit-EM spüren wir sehr gut, vor allem in der zweiten Woche sind wir fast ausgebucht und haben nur noch kleine Lücken“, sagt Rosemarie Christen, die 61 Zimmer und 150 Betten vorhält. Und natürlich habe man auch in Zweifall die Übernachtungspreise angezogen, „es ist ja überall so: Angebot und Nachfrage“, sagt Christen, die allerdings nichts von Preisen, die ins Extreme gehen, hält. „Das kann ich zu so heißen Terminen nicht machen!“

Stichwort Termin: Mit dem ist das Ehepaar Christen nicht ganz glücklich, „er überschneidet sich mit der Formel 1 in Spa nächstes Wochenende. Damit verlieren wir viele Gäste vor allem aus den skandinavischen Ländern. Es wäre schön, wenn es eine Woche früher gewesen wäre, aber wie sagt man so schön: Man kann nicht alles haben im Leben“, sagt Toni Christen und trägt die Tatsache letztlich mit Humor. Das „Hotel zum Walde“ ist Pressehotel für die Reit-EM und beherbergt die Schweizer Springreit-Equipe. „Die kompletten 14 Tage drehen sich ums Reitturnier“, sagt Manuela Dahmen. Gemeinsam mit ihrem Mann Norbert führt sie seit vier Jahren das Gästehaus Dahmen in Büsbach. Die 20 Zimmer seien weg, die ersten Gäste am Mittwoch angereist. Dazu zählen Journalisten, Fotografen, Aussteller und Privatleute, „wir sind komplett ausgebucht“, freut sich Dahmen.

80 Prozent Stammkunden hat das Hotel Vichter Landhaus laut Inhaber Stefan Gogic, die hauptsächlich zur Industrie in Stolberg gehörten. „Deswegen haben wir auch nicht alle unserer 33 Zimmer für die Reit-EM freigeschaltet“, so Gogic. Klagen kann man aber auch in der Münsterau nicht: „Wir sind sehr gut besucht!“

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