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Rein in die Beratung, raus aus der Schuldenfalle

Von: Laura Beemelmanns
Letzte Aktualisierung:
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Beraten bei Schulden und Insolvenz: Christine Speen-Dieckert, Nora Kaußen-Jensen und Klaudia Bergs-Bedra (v.l.) Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Schulden – allein das Wort lässt so manchen Menschen schon erschaudern. Und wenn dann auch der Blick aufs Konto oder das Sparbuch nichts Gutes mehr bedeutet und monatliche Raten nicht mehr gezahlt werden können, dann ist die Schuldenfalle oft schon näher, als es einem lieb ist.

Das Schlimmste daran ist: In diese Situation kann nahezu jeder geraten. Der Sozialdienst Katholischer Frauen (SkF) bietet daher seit nunmehr 19 Jahren eine Schuldner- und Insolvenzberatung an, die jedermann in Anspruch nehmen kann. Ganz egal, wie hoch die Summe der Schulden ist, wie sie zustande gekommen ist oder wie lange sie schon besteht, eine Lösung findet sich für jeden Fall – das verspricht zumindest der SkF. Zudem ist dort auch eine zusätzliche Beratung in anderen Lebensbereichen möglich, falls das denn erwünscht ist.

Die Beratung des SkF ist damit eine von 1000 anerkannten Stellen bundesweit und gemeinsam mit einigen anderen Stellen für die Menschen in der Städteregion Aachen zuständig. Und jetzt haben sie für das Jahr 2015 die Beratungszahlen veröffentlicht.

Im Jahr 2015 ließen sich insgesamt 346 Menschen beim SkF Stolberg wegen ihrer Schulden oder einer drohenden Insolvenz beraten. 57 Prozent von ihnen waren Frauen. Die Gründe für die Schulden sind unterschiedlich: Arbeitslosigkeit, Trennungen, Scheidungen oder auch Krankheiten können die Lebenssituation schlagartig verändern – und dann ist plötzlich nichts mehr wie es einmal war.

Am häufigsten wurde die Beratungsstelle von Menschen zwischen 30 und 50 Jahren aufgesucht. Die Tendenz ist aber eine andere, wie Sozialarbeiterin und Beraterin Klaudia Bergs-Bedra sagt: „Wir beraten zunehmend Rentner, die teilweise ihr Leben lang gearbeitet und in die Rentenkasse eingezahlt haben. Dennoch reicht ihre Rente oft nicht aus.“

Zudem wurden 214 Bescheinigungen zum Pfändungsschutzkonto ausgestellt, auch P-Konto genannt. Das ist ein ganz normales Giro-Konto, das dem Zahlungsverkehr dient, bei Kontopfändung jedoch einen unbürokratischen Schutz bietet. Ein Guthaben von 1073,88 Euro kann dadurch pro Monat geschützt werden. Und auf diese Möglichkeit greifen immer mehr Stolberger zurück. Daher hat der SkF eigens für diese Fälle eine Beratungsstunde an jedem Freitagmorgen eingerichtet.

63 Menschen stellten im vergangenen Jahr zudem einen Antrag auf Verbraucherinsolvenz beim Amtsgericht Aachen, im Volksmund eher als Privatinsolvenz bekannt. Eine außergerichtliche Einigung fand in acht Fällen statt.

Im besten Falle greift die Beratung jedoch schon vorher. Finanzielle Probleme zu lösen, das muss nicht erst passieren, wenn der Schuldenberg kaum noch abzutragen ist. Ein Indiz dafür, dass ein Gespräch sinnvoll ist, bringt Sozialpädagogin und Beraterin Christine Speen-Dieckert auf den Punkt: „Bevor Raten für Miete, Strom oder andere Dinge nicht mehr gezahlt werden können, sollte man zu uns kommen.“

Was dann folgt, ist ein Erstgespräch. Darin geht es um allgemeine Informationen und eine erste Einschätzung der Situation. „Da muss noch niemand perfekt sortierte Akten mitbringen. Wir wollen erst mal eine gemeinsame Basis schaffen“, sagt Nora Kaußen-Jensen, Leiterin der Beratungsstelle. „Wir klären dann, ob eine Verschuldung oder eine Überschuldung vorliegt. Bei der Verschuldung könnten Raten schon noch bedient werden, bei der Überschuldung ist das nicht mehr möglich“, sagt Speen-Dieckert.

Danach wird bei der Schufa ein Antrag auf Auskunft gestellt, um auch wirklich über die tatsächliche Situation informiert zu sein. Denn Schuldner haben nicht immer den Überblick. „Es gibt immer wieder Fälle, bei denen die Post irgendwann nicht mehr geöffnet wird oder der Umfang der Schulden nicht bekannt ist“, sagt Bergs-Bedra. Es müsse zudem geklärt werden, ob Mietschulden oder Schulden beim Energieversorger vorliegen, denn dann müsse sofort gehandelt werden, weil sonst der Strom abgestellt werden könnte. „Wir führen viele Gespräche und verhandeln oft mit den Vermietern oder dem Energieversorger“, sagt Bergs-Bedra.

Wer sich beim SkF zur Schuldenregulierung beraten lassen möchte, benötigt einen Beratungsgutschein. Diesen gibt es je nach Leistungsbezug in der Agentur für Arbeit, beim Jobcenter oder dem Sozialamt der jeweiligen Kommune.

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