Regenbogenschule: Gundula Brüggenwirth geht nach 17 Jahren

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Gundula Brüggenwirth hält sich am liebsten im Kreise ihrer Schüler auf. Für sie wird der Abschied von der Regenbogenschule „ein sehr emotionaler Moment“, auf den sie sich jedoch auch vorbereitet hat. Foto: L. Beemelmanns
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Dieses Gebäude betritt Gundula Brüggenwirth in diesen Tagen zum letzten Mal. Nach 17 Jahren an der Regenbogenschule und über 40 Jahren im Job geht sie in den Ruhestand. Foto: L. Beemelmanns

Stolberg. Nach 17 Jahren an der Regenbogenschule in Stolberg ist Schluss. Die Schulleiterin der Förderschule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung der Städteregion Aachen, Gundula Brüggenwirth, geht zum 1. Februar in den Ruhestand; offiziell verabschiedet wird sie am 28. Januar im Kreise ihrer Schüler, einigen Gästen und des Kollegiums.

Was sie in all den Jahren für Erfahrungen gesammelt hat, was sie ihrem Nachfolger/ihrer Nachfolgerin mit auf den Weg gibt und was sie nun für Pläne hat, darüber hat die 63-Jährige im Interview mit Laura Beemelmanns gesprochen.

Frau Brüggenwirth, Sie kommen ursprünglich aus dem Sauerland. Wie sind Sie da zur Regenbogenschule in Stolberg gekommen?

Gundula Brüggenwirth: Ich habe in Köln studiert und dort im Anschluss an das Studium auch gleich eine Stelle an der Schule für Geistigbehinderte, Kolkrabenweg, bekommen. Im Jahr 1990 wechselte ich dann zur Kleebachschule, eine Schule für Geistigbehinderte in Aachen. Dort war ich unter anderem auch im Bereich Musiktheater tätig und kam so sieben Jahre später als Fachleiterin für Musik im Studienseminar für das Lehramt für Sonderpädagogik nach Stolberg. Im Juli 1999 wurde ich zur Sonderschulkonrektorin und ein Jahr später, im Jahr 2000, zur Rektorin.

Dass Sie mit behinderten Menschen arbeiten möchten, das stand für Sie immer schon fest, oder?

Brüggenwirth: Ja, das stimmt. Ich hatte zwar zunächst im Studium Lernbehindertenpädagogik als erste Fachrichtung gewählt, wechselte dann aber nach einem Praktikum an einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung zur Fachrichtung mit dem Schwerpunkt Geistigbehindertenpädagogik. Der Kontakt mit den geistig behinderten Schülern und Schülerinnen hatte mich menschlich sehr beeindruckt.

Sie sind nun schon 17 Jahre an der Regenbogenschule tätig. Wie würden Sie die Schule charakterisieren?

Brüggenwirth: Wir sind eine fröhliche, bunte Schule. Die Förderschulen sind von ihrer Organisation sehr unterschiedlich und ich war ja auch an anderen Schulen tätig; auch die Kollegien sind unterschiedlich. Verlässlich sind die vielen freundlichen, kontaktfreudigen Schüler und Schülerinnen, die an jeder Schule anzutreffen sind und die jedem mit so viel Offenheit begegnen.

Und wie charakterisieren Sie das Kollegium?

Brüggenwirth: Sie sind sehr experimentierfreudig, sehr offen und kreativ. Außerdem sind sie hilfsbereit und unglaublich belastbar. Ich glaube, den meisten macht Schule genauso viel Spaß wie mir auch.

Was macht die Arbeit mit geistig behinderten Menschen für Sie so besonders?

Brüggenwirth: Die Menschen selbst. Geistig behinderte Menschen sind geradlinig und authentisch. Sie sind sie selbst. Außerdem sind sie begeisterungsfähig. Es ist wirklich leicht, sie zu motivieren, wenn man sie versteht. Man muss jedoch einen Zugang zu ihnen haben, denn sie lassen sich nur motivieren, wenn man auch sich selbst als Mensch zeigt. Sie können sich vor Menschen mit einer geistigen Behinderung nicht verstecken. Sie erkennen uns durch ihre ausgeprägten emotionalen und sozialen Fähigkeiten – das erdet auch uns.

Wenn Sie nun zum 1. Februar die Schule verlassen, gehen Sie mit einem lachenden oder einem weinenden Auge?

Brüggenwirth: Beides. Ich denke das wird sehr emotional. Aber ich bin auf diesen Moment vorbereitet. Ich habe immer schon geplant, dass ich mit 63 Jahren in den Ruhestand werde, um auch privat noch mal durchstarten zu können.

Würden Sie sagen, dass Sie die Schule in einem guten Zustand hinterlassen?

Brüggenwirth: Der Schulträger, die Städteregion Aachen, hat stets für eine gute Ausstattung gesorgt. Es wurden in meiner Dienstzeit zum Beispiel zwei Erweiterungsbauten für die Berufspraxisstufe errichtet. Auch die Klassen und das gesamte Schulgelände sind gut ausgestattet. Wir betreiben einen hohen pädagogischen Aufwand, unsere Schüler und Schülerinnen individuell zu fördern und ihnen ein gutes Bildungsangebot zu ermöglichen. Die Spannbreite des Fächerkanons ist dabei sehr groß und umfasst traditionelle Fächer wie Deutsch. Mathematik, Sachunterricht, Musik, aber auch tiergestützte Pädagogik oder ein Fach, das es nur bei uns gibt und Lebenspraktisches Training genannt wird.

Was hinterlassen Sie persönlich?

Brüggenwirth: Mit diesem Kollegium war es möglich, ganz viele pädagogische Ziele zu erreichen, die mir sehr wichtig waren. Vorstellungen und Wünsche, die ich schon als Referendarin hatte, sind hier Wirklichkeit geworden.

Wie verabschieden Sie sich von Ihren Schülern?

Brüggenwirth: Ich habe mit jeder Klasse noch einmal ausgiebig und fröhlich gefrühstückt und die Kosten natürlich übernommen. Dabei erlebte ich alle Schüler und Schülerinnen noch einmal hautnah und das ist für mich Luxus, den man sich ja sonst nicht gestattet, da es auch mit viel Zeit verbunden ist.

Wenn Sie nun zurückblicken, erinnern Sie sich an einen besonderen Höhepunkt in Ihrer Laufbahn?

Brüggenwirth: Der letzte Höhepunkt war sicher der Kooperationsvertrag, den wir im September mit der Hermannschule abgeschlossen haben. Wir sind zusammen in einem Demonstrationszug gelaufen und in die Turnhalle gegangen. Da waren alle Schüler vermischt – das war gelebte Inklusion.

Und gibt es vielleicht auch einen Tiefpunkt, den Sie nicht vergessen werden?

Brüggenwirth: Da wir Menschen beschulen, die oft sehr krank sind, kommt es in seltenen Fällen vor, das ein Schüler stirbt. Das ist für alle in der Schule ein großer Schicksalsschlag und macht uns sehr betroffen. Leider ist vor einigen Monaten auch der Schulhund gestorben und alle waren sehr traurig. Tod ist ein Thema, dem wir uns stellen.

Steht schon ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin als Schulleiter/in fest?

Brüggenwirth: Nein, die Stelle ist jetzt ausgeschrieben. Dann hat Konrektorin Petra Schnitzler die Möglichkeit, sich zu bewerben und dann müssen wir weitersehen.

Was würden Sie dieser Person denn mit auf den Weg geben?

Brüggenwirth: Sie muss flexibel und belastbar sein und darf ihren Humor nicht verlieren. Das Wichtigste ist die Beziehung zu den Schülern, Eltern und dem Kollegium. Die Schule muss lebendig bleiben – das ist die große Kunst.

Und was machen Sie nach Ihrem letzten Arbeitstag?

Brüggenwirth: Ich habe begonnen, Spanisch-Unterricht zu nehmen. Denn ich werde im Februar nach Kuba reisen. Das ist meine Belohnung zur Pension.

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