Reformationstag: Kupfermeister in Kontakt zu Martin Luther?

Von: dö
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Backen gehörte ebenfalls zum Programm: Sebastian und Valentin Bulau sowie Nelia Das Gupta rollen den Teig für die Lutherkekse aus. Foto: T. Dörflinger
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Schriftübungen: Elke Gericke (Mitte) macht (v. l.) Matthias und Marion Reinecke sowie Lukas Wiesner mit der hebräischen Schrift vertraut. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. „Was ist eigentlich evangelisch?“: Diese Frage stand jetzt im Mittelpunkt einer Veranstaltung, die die Evangelische Kirchengemeinde Stolberg dazu nutzte, um im ökumenischen Gemeindezentrum Frankental den Reformationstag zu begehen.

Damit Kinder und Erwachsene gleichermaßen auf ihre Kosten kamen und in die vielfältigen Aktionen eingebunden waren, hatte das von Pfarrerin Elke Gericke geleitete Organisationsteam ein aus Vortrag, Basteln, Backen, Quiz und Schreiben bestehendes Programm zusammengestellt.

Eingeleitet wurde das Programm von einem von Elke Gericke zelebrierten Gottesdienst, bei dem die Auseinandersetzung und Beschäftigung mit der evangelischen Identität, dem Evangelium, der Bibel und der kirchlichen Hierarchie eine große Rolle spielte. Fortgesetzt wurde das Programm anschließend mit einem gemeinsamen Mittagessen. Nach dem Mittagessen standen dann die einzelnen Workshops und Arbeitskreise auf dem Programm. Ein großer Anziehungspunkt für die jungen Besucher waren dabei die von der Pfarrerin geleitete Schreibwerkstatt und das gemeinsame Backen in der Küche des Gemeindezentrums.

Während man in der Küche aus dunklem und hellen Mürbeteig sogenannte Lutherkekse herstellen konnte, waren in der Schreibwerkstatt Kalligraphieübungen in Hebräisch gefragt. Auch wenn dort eigentlich die Beschäftigung mit den Sprachen der Bibel im Vordergrund stehen sollte, machte es den jungen Besuchern offensichtlich große Freude, ihren Namen auch einmal in hebräische Schriftzeichen zu übertragen und zu übersetzen.

Großen Zuspruch fand bei den Erwachsenen hingegen der zeitgleich stattfindende Vortrag, der sich unter der Leitung von Dr. Gerd Rosenbrock und Klaus Schleicher mit der Geschichte der beiden einstigen evangelischen Gemeinden beschäftigte: Bekanntlich hat es vor der Vereinigung im Jahr 1860 in Stolberg zwei evangelische Glaubensrichtungen gegeben - nämlich einen lutherischen und einen reformierten Zweig, die beide in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts entstanden sind. Wie Rosenbrock und Schleicher ausführten, waren die Anfänge des evangelischen Gemeindelebens in Stolberg von so genannten Hauskirchen geprägt.

Demnach hatten die lutherischen Christen ihre ersten Gottesdienste auf dem Dachboden eines in der Enkereistraße liegenden Wohnhauses gefeiert. Eine andere Örtlichkeit hatten hingegen die Reformierten anfänglich für ihre Gottesdienste genutzt - nämlich den später als Adler-Apotheke bekanntgewordene Schleicherische Anwesen an der Burgstraße: Eine nur dem Gottesdienst vorbehaltene Kirche wurde dann 1617 auf dem Finkenberg und 1650 im Vogelsang gebaut.

Material aus Mansfeld

Einer historisch interessanten Hypothese widmeten sich die beiden Referenten im zweiten Teil ihres Vortrages. Sie gaben der Vermutung Ausdruck, dass die Aachener und Stolberger Kupfermeister im 16. Jahrhundert geschäftliche Beziehungen zu der im Kupferbergbau tätigen Familie des Religionsstifters Martin Luther unterhalten haben. Schließlich bezogen die Kupfermeister das für die Messingherstellung erforderliche Kupfer unter anderem aus Mansfeld, wo der Vater von Martin, Hans, einen kleinen Montanbetrieb unterhielt. Ergänzt wurde der Vortrag durch die Berichte von Gemeindemitgliedern, die von Flucht und Vertreibung aus Ostpreußen, Schlesien und Pommern berichteten sowie ihre Ankunft in Stolberg Ende der 1940er Jahre und ihre Eingliederung in das evangelische Gemeindeleben schilderten.

Zum Schluss machte Dr. Dietrich Oberschulte-Beckmann in Wort und Bild die Gäste mit seiner Reise zu den Wirkungsstätten Martin Luthers vertraut . Das Fazit fiel einhellig aus: „Eine rundum gelungene Veranstaltung, die den unterschiedlichen Bedürfnissen und Ansprüchen gerecht wurde“, so einige Besucher.

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