Realschulleiter zittert um die passenden Möbel zum Neubau

Von: Kolja Linden
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Die alte Tür stammt von der Hermannschule, der alten Heimat der Realschule. Sie ist Ferdinand Küpper-Jacobs willkommen - anders als alte Tische und Stühle: Der Schulleiter pocht auf vernünftiges Mobiliar. Foto: Kolja Linden

Stolberg. Seit im Sommer 2008 die Bauarbeiten zur Erweiterung der Realschule 1 auf der Liester begonnen haben, wird deren Leiter Ferdinand Küpper-Jacobs nicht müde zu betonen, wie wichtig Architektur und Ausstattung für die moderne Pädagogik sind.

Nun sind die Bauarbeiten bald fertig, in drei Wochen werden die Brandschutztüren eingesetzt. „Dann könnten wir eigentlich umziehen”, sagt Küpper-Jacobs. Eigentlich. Denn es folgt noch der nächste, vorerst letzte Schritt: die Möblierung der neuen Räume. Und genau da sorgt sich der Schulleiter nun, ob die neue Ausstattung rechtzeitig bestellt werden und mit der Architektur mithalten kann. Schon früh hatte Küpper-Jacobs darauf hingewiesen, dass Frontalunterricht ein Relikt der Vergangenheit ist und sich die Anforderungen an die Ausstattung von Schulklassen geändert haben. Die Möbel, die die Schule nun braucht, sind „für kooperative Lernformen konzipiert”, heißt es im aktuellen Elternbrief der Schule. „Auch die Wände erhalten eine neue Funktionalität durch Halteschienen und Flex-Tafelsysteme.”

285.000 Euro soll der Hauptausschuss in seiner Sitzung am Dienstag für die Einrichtung der Realschule I bereitstellen. Ein Betrag, der neben der Möblierung der neuen Klassen und Lehrerräume auch die komplette Ausstattung der Mensa beinhaltet, die mit geschätzten 185.000 Euro laut Fachbereichsleiter Willi Seyffarth den Löwenanteil der Kosten ausmacht.

Und Seyffarth betont, dass die Verwaltung in mehreren Gesprächen mit der Schulleitung klargestellt habe, dass die Summe nicht überschritten werden dürfe. Errechnet hatte den Betrag das Hochbauamt der Stadt, dass sich, so Seyffarth, dabei auf „Erfahrungswerte” stützt.

Genau diese Erfahrungswerte werden von Seiten der Schule aber zumindest angezweifelt. Die Pädagogik habe sich entwickelt, sagt Ferdinand Küpper-Jacobs, und deshalb müsse sich auch Schule mit entwickeln. Tenor: Konzepte von früher könne man für moderne Pädagogik von heute nicht mehr zum Maßstab nehmen. Die Sorge ist da, dass man 3,6 Millionen Euro für einen Neubau ausgibt, dessen Architektur einem pädagogischen Standard entspricht, dieser dann aber nicht eingehalten werden kann, weil am entsprechenden Inventar gespart wird.

Der Schulleiter selbst hat auch einmal nachgerechnet und kommt auf einen anderen Betrag als die Verwaltung: Knapp 342.000 Euro seien nach seiner Rechnung fällig, um die Schule angemessen und modern auszustatten - grob geschätzt. Für Lehrküche, Catering und Speisesaal - das Wort Mensa meidet Küpper-Jacobs - sind darin allerdings nur 155.000 Euro vorgesehen, der Rest ist für die Ausstattung der drei neuen Klassenräume, dreier Fachräume, eines Musikraums, des Mehrzweckraums und verschiedener Verwaltungsräume vom Sekretariat über Büros bis hin zum Hausmeisterraum veranschlagt. Und das sei schon eine abgespeckte Version, sagt der Schulleiter, in der Musik- und Fachräume nicht mit modernen Medien ausgestattet seien.

Dass er diesen - aus seiner Sicht notwendigen - Betrag kaum von der zum Sparen verdonnerten Politik bekommen wird, weiß auch Ferdinand Küpper-Jacobs, zumal auch in diesem Fall die Kommunalaufsicht der Städteregion das letzte Wort hat - und das erst, wenn ein Haushaltssicherungskonzept vorliegt. Eines ist ihm aber wichtig: „Es wäre nicht in Ordnung, wenn man jetzt an Einzelpositionen geht. Man muss das Ganze als Gesamtkonzept sehen.” Das Konzept des flexiblen Klassenraums, um kooperative Lernformen zu unterstützen, könnte jedenfalls gefährdet sein.
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