Reaktorunfall in Tihange: Feuerwehr stellt Notfallplan vor

Von: -jül-
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Zur Warnung der Bevölkerung kann die Feuerwehr aktuell lediglich auf eigene Lautsprecher-Durchsagen sowie die Nutzung von Presse, Rundfunk, Fernsehen und soziale Medien zurückgreifen. Symbolbild: imago/teutopress

Stolberg. „Wir sind gerüstet“, sagt Andreas Dovern. Schon seit langem bereitet sich die Feuerwehr der Kupferstadt gemeinsam mit den übrigen Wehren im Altkreis der Städteregion, wie der Stolberger Stadtbrandinspektor bei seiner Präsentation des Notfallplans betont.

Der Notfall ist ein radioaktiver Zwischenfall im belgischen Pannenreaktor Tihange im nahen Lüttich. Obwohl die Maasmetropole nur eine halbe Autostunde entfernt liegt, ordnet der Katastrophenschutz auf Empfehlung der Strahlenschutzkommission die Kupferstadt in die Außenzone ein: Für Umkreis von bis zu 100 Kilometer sind konkrete Aufgaben vorgeschrieben.

Vorzubereiten sind dann Maßnahmen zur Ermittlung und Überwachung der radioaktiven Lage, zur Bevölkerungswarnung und zur Verteilung von Jodtabletten; außerdem sollten keine frisch geernteten Lebensmittel mehr verzehrt werden.

Zur Überwachung kann die Feuerwehr auf das kontinuierlich aufzeichnende Messprogramm des Landes für radioaktive Hintergrundbelastung zurückgreifen. Während das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) am Oberstolberger Markt in erster Linie die Schwermetallbelastung registriert, so Landesamt-Sprecher Peter Schütz auf Anfrage, befinden sich die nächst gelegenen Messstationen in Laurensberg, Alsdorf, Kleinhau, Schlich, Simmerath, Höfen, Jülich, Linnich, Titz und Niederzier.

Dort werden sie aber nicht von der LANUV betrieben, sondern von dem bundesweit für die Messung der Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) zuständigen das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Die Messwerte von dieser und allen anderen BfS-Messstellen können über http://odlinfo.bfs.de abgerufen werden.

Darüber hinaus hält die Feuerwehr zwei Erkundungsfahrzeuge – in Eschweiler und in Monschau – vor, um chemische, biologische, radiologische und nukleare Belastungen konkret vor Ort recherchieren zu können. Fachberater stehen ebenfalls zur Verfügung.

Zur Warnung der Bevölkerung kann die Feuerwehr aktuell lediglich auf eigene Lautsprecher-Durchsagen sowie die Nutzung von Presse, Rundfunk, Fernsehen und soziale Medien zurückgreifen. „Aber die Sirenen sollen zurückkehren“, erklärt Dovern. In der Städteregion wird dazu eigens ein Konzept erarbeitet. Etwa 115 Standorte sind für das alte Kreisgebiet vorgesehen.

Ende diesen Jahres soll die Planungsphase abgeschlossen sein; es wird damit gerechnet, dass in der Städteregion die Umsetzung ab 2017 beginnen kann. Stolberg war in den 80er Jahren ein Vorreiter beim Rückbau der Sirenen und der Umstellung der Alarmierung der Freiwilligen Helfer durch Meldeempfänger.

Jodtabletten hat die Feuerwehr reichhaltig gelagert. Mit gut 72.000 Dosen Kaliumiodid, die in den Stolberger Gerätehäusern eingelagert sind, ist eine Sicherheitsreserve von 20.000 Tabletten vorhanden. Tatsächlich benötigt werden aktuell 51.496 Tabletten.

Eine Abgabe ist nur bis zu einem Alter von 45 Jahren vorgesehen; für ältere Erwachsene sei durch eine Einnahme die Gefahr einer Erkrankung höher und zudem nehme die Wahrscheinlichkeit einer durch Radioaktivität ausgelösten Schilddrüsenerkrankung ab. „In jedem Fall sollte man seinen Arzt kontaktieren“, rät Dovern.

Die Sicherheitsreserve ist auch für eine mögliche Vorabverteilung auf Wunsch vorgesehen. Sie könnte über Apotheken und Ärzte erfolgen, die gleichzeitig eine Risikoberatung vornehmen könnten, wenn der Bund dies genehmigt. „Wir warten derzeit auf die Freigabe“, so Dovern.

Im Falle eines Falles kann die Feuerwehr in Minutenschnelle ihre Gerätehäuser mit Fachpersonal besetzen und die zügige Ausgabe garantieren, so dass eine Jod-Einnahme innerhalb der empfohlenen Zeit möglich ist. In jedem Gerätehaus stehen blaue Kisten mit der vor Ort erforderlichen Dosis nebst einer Einwohnerliste und weiteren erforderlichen Utensilien.

Dank der Sicherheitsreserve können Tabletten auch an Gäste oder aus auswärts kommende Beschäftige ausgegeben werden. „Die Ausgabe erfolgt durch uns, nachdem die zuständigen Behörden den Krisenfall ausgerufen haben“, sagt der Stadtbrandinspektor. „Eine Evakuierung ist aber für Stolberg nicht vorgesehen“.

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