Rauchverbot noch nicht in Köpfen angekommen

Von: Jessica Küppers
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Eigentlich darf in Stolberger Kneipen nicht mehr geraucht werden. Aber nicht jeder Wirt oder Gast hält sich an das Rauchverbot. Foto: imago/biky
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Axel Gesell geht zum Rauchen vor die Türe seiner Kneipe. So, wie es überall sein sollte. Foto: J. Küppers

Stolberg. Zigarette und Bierchen - das gehört für viele Kneipenbesucher zusammen. Unzertrennlich. Doch seit zwei Jahren ist Schluss damit. So sollte es zumindest per Gesetz sein. Am ersten Mai 2013 ist das Nichtraucherschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen in Kraft getreten. Seitdem darf in Kneipen, Restaurants und Festzelten nicht mehr geraucht werden - zum Schutz der Nichtraucher.

Damit das Gesetz in allen 250 Stolberger Gaststätten und Imbissen eingehalten wird, rückt das Ordnungsamt regelmäßig zu Kontrollen aus. Ordnungsamtsleiter Sven Poschen schickt die Kontrolleure meistens in Gruppen los: „Zwei bis vier Mitarbeiter legen für die Überprüfung eine Sonderschicht ein.“ Liegen Beschwerden vor, werden diese Kneipen zuerst aufgesucht.

Wie die Kontrollen ablaufen, hat sich mittlerweile auch unter den Kneipenbesitzern herumgesprochen. Axel Gesell ist Besitzer der Bar „Alt Stolberg“ und hatte das Ordnungsamt direkt beim ersten nächtlichen Kontrollgang zu Besuch: „Ich weiß von insgesamt drei Nachtkontrollen. Da gab es bei mir keine Beanstandungen.“ Er setze das Verbot rigoros um, sagt er. Als Argument setzt der Barbesitzer auf das Essen: „Ich biete Essen an, und dann verstehen viele Raucher das Verbot schon eher.“ Das sieht auch die Wirtin des Stolberger „Postwagens“, Ursula Breier, so: „Es gibt täglich Diskussionen.“ Ohne Essen sei das Rauchverbot schwer zu begründen, sagt sie.

Das Nichtraucherschutzgesetz stellt Gäste und Wirte vor allem im Winter vor eine harte Probe. „Die Gäste haben keine Lust, sich im Winter draußen hinzustellen und sich eine Lungenentzündung zu holen“, sagt die erfahrene Wirtin. Viele bleiben stattdessen gleich zu Hause. Die daraus resultierenden Umsatzeinbußen machen den Wirten schwer zu schaffen. Auch Johannes Lang, Wirt der Alten Brennerei, hat im ersten Jahr einen Umsatzeinbruch von rund 30 Prozent verbucht: „Das liegt zum Großteil an dem Gesetz“, sagt er. Kontrollen gibt es auch bei ihm immer wieder. Das begründet der Wirt so: „Wenn Leute andere Gäste mit E-Zigaretten sehen, rufen sie beim Ordnungsamt an.“ Strafen hat er keine zahlen müssen, auch wenn er manchmal zu sehr später Stunde Aschenbecher hinstellt. Durch das Rauchverbot sind auch keine neuen Gäste in seine Kneipe gekommen, wie es anfänglich prophezeit wurde.

Hinter vorgehaltener Hand wissen die Kneipenbesitzer genau, wer das Verbot einhält und wer dagegen verstößt. Schwierigkeiten mit dem Verbot haben vor allem kleine Kneipen.“ Ich weiß zum Beispiel von einer kleinen Kneipe, die 60 Prozent Umsatzeinbußen hatte.“ Solchen Lokalen bleibe oft gar nichts anderes übrig, als die Kunden weiter rauchen zu lassen, sagt Gesell.

Gegen mehrere Gäste und Wirte laufen derzeit Verfahren, weil sie sich nicht an das Gesetz gehalten haben. Wer beim Rauchen erwischt wird, muss 20 Euro Strafe zahlen. Wirte zahlen beim ersten Verstoß 73 Euro. Bei wiederholten Verstößen steigt die Summe. „Die Meisten halten sich aber an das Gesetz“, sagt Poschen. Ingesamt seien durch die Bußgelder bislang nur ein „paar hundert Euro“ zusammen gekommen, so der Ordnungsamtsleiter. Er versuche jede Gaststätte einmal zu kontrollieren, damit es einheitlich umgesetzt wird. „Solange es nicht überall verboten ist, sind die Gäste wie große Kinder und wollen das hier auch“, bedauert Gesell. Endgültig scheint das Verbot auch nach zwei Jahren noch nicht in den Köpfen vieler Raucher angekommen zu sein.

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