Rauchen? „Zum Coolsein gehört ein bisschen mehr dazu”

Von: Robert Flader
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Gehört für manche zum Schula
Gehört für manche zum Schulalltag dazu, doch in der Gesamtzahl greifen immer weniger Jugendliche zur Zigarette. Foto: imago/teutopress

Stolberg. Man kann nicht sagen, dass Rahim Ciftci nicht weiß, was er will. In seinem Fall reicht es aber zu wissen, was er nicht will: „Rauchen”, sagt er trocken. Rahim ist 14 und spielt gerne Fußball, früher im Verein und jetzt „einfach so”. Das reicht, um der Zigarette, die so viele in seinem Alter für sich entdecken, zu entsagen.

Der Stolberger besucht die achte Klasse der Förderschule Talstraße und macht nebenbei noch Kampfsport, Taekwondo, Wing Chun, solche Sachen eben. „Da brauche ich Kondition.” Der Satz klingt sehr ernst.

Der Trend ist rückläufig

Und Rahim Ciftci, so kann man das sagen, ist kein Einzelfall, nicht in Stolberg und nicht in NRW. Nach aktuellen Erkenntnissen (siehe Info-Box) rauchen nur noch rund 13 Prozent aller Jugendlichen, zu Anfang des neuen Jahrtausends waren es fast doppelt so viele, jeder vierte Heranwachsende zog damals regelmäßig an einer Zigarette, ein erschreckender Wert.

Beim städteregionalen Wettbewerb „Be smart - Dont start”, in Kooperation mit der AOK Rheinland, wurden im Bethlehem-Gesundheitszentrum mehrere Schulen ausgezeichnet, unter den Prämierten war auch die Förderschule aus der Talstraße. Lehrer Uli Schacht, der mit der Jahrgangsstufe 8 jede Woche im Biologie-Unterricht Risiken und mögliche Schäden des Rauchens bespricht, sagt: „Man kann schon behaupten, dass zumindest unsere Schüler weniger rauchen als früher.” Warum? „Es herrscht ein anderes Gesundheitsbewusstsein heute, der Kostenfaktor kommt dazu, Zigaretten werden ja immer teurer.”

Schacht hat mit seinem Bio-Kurs nicht zum ersten Mal an dem Wettbewerb teilgenommen und kennt natürlich auch die sogenannten Vorzüge beim Griff zur Zigarette: „Irgendwo ist es attraktiv, man will erwachsen werden und cool sein.” Sein Schüler, Rahim Ciftci, kontert lässig: „Dazu gehört schon ein bisschen mehr.”

Dieser Meinung ist auch Marina Zintzen, 15, Klassenkameradin von Rahim. Auch sie ist, welch Wunder, überzeugte Nichtraucherin: „Ich tanze leidenschaftlich gern im Karnevalsverein. Ich will nicht rauchen und kann es mir wegen meines Hobbys auch gar nicht leisten.” Beide haben nach eigener Auskunft noch nie an einer „Kippe” gezogen, „es schmeckt einfach nicht”, sagen sie unisono.

Das Land NRW plant unterdessen ein komplettes Rauchverbot, was sich auch auf Festzelte und Eckkneipen erstrecken soll. Rahim Ciftci sagt: „Das wäre auf der einen Seite nicht schlecht, auf der anderen sollte man den Leuten, die unbedingt rauchen wollen, ihren Spaß auch lassen.”

Es ist ein schwieriges Thema, Rauchen polarisiert, das geplante totale Rauchverbot noch viel mehr. Nicht nur in der Politik, sondern auch da, wo die Gesetze schließlich ankommen, auf der Straße, in den öffentlichen Gebäuden, den Gaststätten. Rahim Ciftci macht seine eigene Rechnung auf: „Wenn man gar nicht erst der Versuchung erliegt, dann kann man mit dem Thema viel lockerer umgehen.” Ob er es schafft, sich davon auch später fernzuhalten? „Na klar, Zigaretten stinken ja auch.”

Rauchen: 110.000 Menschen sterben jedes Jahr

Informationskampagnen hin oder her: Trotz großer Anstrengungen von Bund, Ländern und Krankenkassen sterben jedes Jahr immer noch 110 000 Menschen an den Folgen des Rauchens.

Rund 30 Prozent aller Erwachsenen greifen regelmäßig zur Zigarette, bei den Jugendlichen sind es immerhin nur noch rund 13 Prozent, Tendenz weiter fallend.

An dem städteregionsweiten Wettbewerb „Be smart - Dontt start” haben sich im ablaufenden Schuljahr mehr als 1400 Schüler beteiligt, was einer Quote von immerhin 80 Prozent entspricht.

Der Wettbewerb wird jährlich ausgetragen und richtet sich an Schüler der Jahrgangsstufen 6 bis 8, in denen heutzutage häufig mit dem Rauchen angefangen wird.
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