Rasenmäher und Geruchsbelästigung: Das ist rechtens

Von: Ottmar Hansen
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Ein Traktor düngt mit Gülle eine Grünfläche oder ein Feld. Nicht immer zur Freude der Anwohner, die ob des tierischen Gestankes die Nase rümpfen. Aber die Schonfristen aus dem Winter sind abgelaufen.
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Der Rasen sollte regelmäßig gemäht werden. Doch der Vorgang ist meistens mit reichlich Lärm verbunden, was oft zu Streit unter Nachbarn führt. Foto: imago/McPHOTO

Stolberg. Kaum ist der Frühling gekommen, kann man dem Gras regelrecht beim Wachsen zusehen. Der Rasen im Garten schießt momentan dermaßen in die Höhe, dass er mindestens einmal die Woche gemäht werden muss. Nicht immer zum Gefallen des Nachbarn, den der Rasenmäherlärm um seine Ruhe bringt.

Vor allem am frühen Nachmittag, wenn man gerne ein Nickerchen auf dem Sofa machen möchte, kommt das dröhnende Motorengeräusch aus der Nachbarschaft schlecht an. Die oft geäußerte Auffassung, dass zwischen 13 und 15 Uhr aus Lärmschutzgründen kein Rasen gemäht werden dürfe, sei allerdings eine Mär, klärt Sven Poschen vom Ordnungsamt der Stadt auf.

Maßgeblich dafür, wann womit wie viel Lärm gemacht werden darf, ist die Geräte-Maschinen-Lärmschutzverordnung (BImSchV) des Bundes, zuletzt geändert 2011. „Demnach darf von morgens 7 Uhr bis abends 20 Uhr Rasen gemäht werden“, sagt Sven Poschen.

„Ausgenommen sind nur Sonn- und Feiertage.“ Völlig egal sei dabei, wie laut der Rasenmäher denn sei, ob er elektrisch oder mit Bezinmotor betrieben werde. Es sei natürlich niemandem unbenommen, mit Rücksicht auf die Nachbarn um die Mittagszeit den Rasenmäher in der Garage zu lassen, man müsse es aber rein juristisch nicht, so Poschen.

Anders sehe es bei Geräten aus, die wesentlich mehr Lärm verursachen: Laubbläser, Freischneider Kettensägen mit Benzinmotor oder Rasentrimmer. Diese Maschinen dürfen morgens zwischen 7 und 9 Uhr nicht benutzt werden, ebenso nicht zwischen 13 und 15 Uhr sowie zwischen 17 und 20 Uhr. Ausnahmen bestehen hier nur für die Geräte, die von der Europäischen Union mit einem Siegel als „besonders lärmarm“ eingestuft wurden.

Die Lärmschutzverordnung hat ihren Grund. Denn Lärm kann krank machen. Steigt die Lärmbelästigung nachts regelmäßig über 40 Dezibel, kann dies auf Dauer krank machen. Tagsüber wird schon bei einem Lärmpegel von 45 Dezibel die Konversation erschwert, ab 50 dB heben die Gesprächspartner erfahrungsgemäß ihre Stimme an, ab 60 dB müssen sie schon sehr laut sprechen, um von ihrem Gegenüber verstanden zu werden.

Steigt der Lärm über 65 dB werden Fenster geschlossen, Balkone nicht mehr betreten. Ab 55 dB werden Geräusche als Lärmbelästigung empfunden. Geht es über 65 dB setzt der Lärm den menschlichen Körper unter Stress. Bei lauter Dauerbeschallung drohen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Magengeschwüre oder gar ein Herzinfarkt. Ab 85 dB wird das Gehör gefährdet, wer sich länger Lärm von mehr als 110 dB aussetzt, erleidet oft ein Schalltrauma und hört nichts mehr.

„Bei uns stinkt es bestialisch. Auf den Feldern in der Nachbarschaft wird ständig Gülle ausgefahren“, beschwerte sich jetzt ein Leser in der Redaktion. Offenbar nutzen die Stolberger Landwirte die günstige Witterung, ihre Felder mit neuen Nährstoffen zu versehen. Und das völlig legal. „Laut Düngeverordnung ist es nur in der Zeit zwischen dem 1. November und dem 31. Januar verboten, Geflügelkot, Gülle oder Gärreste auf das Ackerland zu fahren“, erläutert Elisabeth Hunf von der Landwirtschaftskammer NRW, Kreisstelle Aachen/Düren/Euskirchen, die rechtliche Situation.

Für Grünland gelte die Sperrfrist vom 15. November bis zum 31. Januar. In der Düngeverordnung ist allerdings auch festgelegt, dass die aufgesprühte Gülle möglichst umgehend in den Boden einzuarbeiten ist. Immer wieder werden von den Behörden Messungen auf den Ackerböden vorgenommen, ob die Grenzwerte eingehalten werden. So dürfen nicht mehr als 40 Kilogramm Ammoniumstickstoff oder 80 Kilogramm Gesamtstickstoff je Hektar Ackerland aufgebracht werden.

Erfahrungsgemäß düngen die Landwirte vor der Frühjahrsaussaat ihre Felder noch einmal kräftig. Und dann noch einmal vor dem Winter, wenn die Hauptfrucht vom Feld abgeerntet wurde. Streit unter Nachbarn gibt es oft auch wegen der Hecke auf der Grundstückgrenze. Wie hoch darf sie wachsen? Wie breit? Wer ist für den Schnitt verantwortlich? Schiedsleute und Gerichte werden sich auch in Zukunft über mangelnde Arbeit nicht beklagen können.

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