Putztag im Stolberger Schwimmbecken

Von: Leona Otte
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Ein ungewohntes Bild: Das Wasser ist aus dem großen Schwimmbecken im Hallenbad Glashütter Weiher gelassen. Mitarbeiter der Schwimmhalle reinigen das Bad. Foto: Leona Otte

Stolberg-Münsterbusch. Helene und Felix Blees bietet sich bei ihrem Besuch im Hallenbad Glashütter Weiher ein ungewohntes Bild. Wo normalerweise fast jeden Morgen das große Schwimmbecken randvoll mit Wasser auf sie wartet, klafft jetzt ein großes Loch.

Keine Spur von dem optisch blauglitzernden Nass, als habe jemand einfach so den Stöpsel gezogen. Dem Rätsel auf der Spur, wird schnell deutlich, wer hinter dem verschwundenen Wasser steckt: Hallen- und Betriebsleiter Manfred Beißel, Schwimmmeister seit über 30 Jahren. Natürlich steckt hinter Beißels Tat ein Plan: Im Hallenbad findet Frühjahrsputz statt.

Rückblick: Es ist Sonntagnachmittag. Nachdem der letzte Schwimmgast aus dem Becken gestiegen ist, begibt sich Manfred Beißel in die unterirdischen Gänge des Hallenbades. In einer der hinteren Ecken befindet sich, an ein Rohr gekoppelt, ein Hebel. Er legt ihn um. Das Wasser beginnt sich seinen Weg zu bahnen, über 1,3 Millionen Liter fließen ab. Das Zeichen für die Mitarbeiter, die das Bad nun putzen werden: Es kann losgehen.

Über Karneval

Einmal im Jahr wird die vom Gesetzgeber vorgeschriebene Grund- und Intensivreinigung vorgenommen. Zehn Mitarbeiter und drei weitere Kräfte aus Reinigungsfirmen arbeiten über einen Zeitraum von zwei Wochen, meist über Karneval, weil dann nicht so viele Gäste kommen, Hand in Hand zusammen: „Das Ganze in einem 14-Tage-Rhythmus zu machen ist richtig stressig, weil alles durchdacht und aufeinander abgestimmt sein muss“, erzählt Manfred Beißel.

Nun ist es Dienstag. Das kleine sowie auch das große Becken sind mittlerweile leergelaufen. Eine Absturzsicherung umrahmt das 25-Meter-Becken. Darin sind die Mitarbeiter gerade damit beschäftigt die Wände mit starken Säuren und Laugen einzuseifen, so dass sie geschrubbt werden können. Kein leichter Job, da die Luftfeuchtigkeit ungemein hoch ist.

Dazu kommen die stark riechenden Dämpfe der Lösungsmittel, die Rutschgefahr sowie die körperlich anstrengende Arbeit. Die Reste des Schmutzes, die sich das ganze Jahr über angesammelt haben, werden mit einem Hochdruckreiniger abgespritzt – parallel dazu findet der gleiche Waschgang auch im kleinen Becken statt. Aktivkohle, die in die Filteranlage gekippt wird, sorgt dafür, dass unerwünschte gebundene Chloranteile, also Verschmutzungen, bei Wiederaufbereitung das Wasser rein halten.

Erst wenn alles blitzt und blinkt, werden die Becken wieder aufgefüllt. 30 Stunden dauert es, bis das Becken wieder voll ist. In der Nacht kontrolliert eine Nachtwache den Vorgang. Eine Kontrolle, die unbedingt sein muss, findet Beißel: „Der Teufel steckt im Detail. Bei dem hohen Druck werden die Rohleitungen immens strapaziert. Vergleichbar ist das damit, wenn bei Ihnen zu Hause die Waschmaschine oder die Spülmaschine kaputt geht, wenn hier etwas passiert, dann haben wir einen großen Schaden“, so der Hallen- und Betriebsleiter.

Das Schwimmbad bleibt insgesamt zwei Wochen geschlossen, weil das Wasser im Folgenden eine Woche lang auf 28 bis 32 Grad Celsius aufgeheizt werden muss. Doch Zeit zum Verschnaufen bleibt für Manfred Beißel und sein Team nicht. Währenddessen fallen noch zahlreiche andere Arbeiten an, die erledigt werden müssen. Dazu gehört, dass der hauseigene Generator, der eigenen Strom und eigene Wärme produziert, gewartet werden muss. Das bedeutet: Ölwechsel und Ventile einstellen.

Der Keller wird entrümpelt. Ein Elektriker kümmert sich, nach einem Defekt, um die große Uhr im Hallenbad, während die anderen gemeinsam jeden Winkel im oberen Bereich putzen und polieren. Und dass möglichst ohne die Gäste im benachbarten Fitness-Studios zu stören.

Am 5. März haben sie es dann geschafft. Bis dahin versüßten Helene und Felix Blees ihnen zumindest an einem dieser anstrengenden Tage, die Arbeit: „Wir haben selbst gebackene Nussecken vorbeigebracht. Alle sind immer so nett zu uns, da wollten wir ihnen die Arbeitszeit wenigstens ein bisschen verschönern“, sagt die Frühschwimmerin Helene. Spätestens nach dieser Motivation, dürfen sich bei Wiedereröffnung alle Schwimmliebhaber wieder auf ein blitzeblankes Hallenbad freuen.

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