Pure Zerstörungswut: Einbruch bei der Jugendberufshilfe

Von: Heike Eisenmenger
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Sind frustriert, aber geben trotzdem nicht auf: Gertrud Smeets (rechts) und ihre Kollegin Renate Clemens-Symanzik von der Jugendberufshilfe. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die vergangenen beiden Tage waren selbst für die von der Jugendberufshilfe sonst so überzeugte Gertrud Smeets von Zweifeln geprägt. „Man fragt sich, ob das Ganze Sinn macht”, räumt sie ehrlich ein.

Ihre Zweifel sind angesichts des Zustandes der Gärtnerei völlig nachvollziehbar: Im Gartenhaus sieht es aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen.

Regale, Tische, Stühle, Schachteln, der Boden - alles ist mit einem gräulichen Pulverschnee überzogen und in Unordnung. Es sind die Spuren ungebetenen Besuches; in die Jugendwerkstatt, die am oberen Ende des Krankenhausparkplatzes beheimatet ist, wurde am Wochenende eingebrochen.

Wann genau die Unbekannten über das Gewächshaus ins Innere gelangten, steht noch nicht fest. Entdeckt und der Polizei gemeldet wurde der Einbruch am Montagmorgen von Renate Clemens-Symanzik, die den Jugendlichen das Gärtnern beibringt.

„Es hat ihnen nicht gereicht, die Adventskränze, Gestecke und die Deko-Artikel mitzunehmen - sie mussten auch noch mit dem Feuerlöscher drauf halten, bis er leer war”, grollt Smeets.

Produktion von vorn beginnen

In dieser Woche hätte der Weihnachtsverkauf starten sollen. Was bedeutet, dass die arbeitslosen Jugendlichen, die hier fit gemacht werden sollen für den Arbeitsmarkt, ganz von vorn mit der Produktion beginnen müssen.

Was Smeets und ihren Kollegen besonders zu schaffen macht, ist, dass sie die Täter aus dem Kreise der (ehemaligen) Schützlinge vermuten. Das verrät ihnen die Handschrift des Einbruchs.

Es tue weh, sich eingestehen zu müssen, dass gerade jemand, dem man unbedingt helfen wolle, die eigene Sache boykottiere.

Doch Smeets und ihre Kollegen geben nicht auf. Das wäre zu einfach. Und wenn es noch so vieler Anläufe bedarf, und egal, wie gering die Wahrscheinlichkeit auch sein mag, dass einer ihrer Schützlinge eines Tages tatsächlich einen guten Job ergattert.

Smeets und Clemens-Symanzik schälen sich aus den Plastikschutzanzügen und schalten den Staubsauger aus - die Beseitigung des nächtlichen Einstiegs in die Gärtnerei muss warten. Erstmal wird Kaffee getrunken. Sich neu zu sortieren, das ist jetzt wichtiger.

Die Kaffeepause, aber auch, dass sie ihrem Ärger freien Lauf lassen konnten, verfehlen ihre Wirkung nicht. „Aufgeben werden wir nicht. Es ist wichtig, dass man nicht alle Jugendlichen über einen Kamm schert”, erklärt Renate Clemens-Symanzik, die hofft, dass die treuen Stammkunden auch in diesem Jahr mit ihren Adventskranzbestellungen zur Jugendberufshilfe kommen.

„Wir glauben nicht, dass der Einbruch bewusst geplant war, sondern sich vielmehr ergeben hat”, sagt Smeets. Es ist nicht das erste Mal, dass in der Jugendberufshilfe eingebrochen worden ist.

Der Erfahrung nach entstünde die Idee, „mal eben einzusteigen”, aus einer Kombination aus Langeweile, Alkohol und dem Wunsch, sich wichtig zu machen. Aus solchen Situationen heraus wird schnell über die Stränge geschlagen und das Ganze eskaliert. So wie jetzt im Gartenhaus.
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