Stolberg - Pryms Freude an Innovationen erfreut Pofalla

Pryms Freude an Innovationen erfreut Pofalla

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
Qualität made in Stolberg: An
Qualität made in Stolberg: Andreas Engelhardt erklärt Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (l.) die Feinheiten innovativer prymscher Produkte. Fertigungstoleranzen sind verschwindend gering.

Stolberg. „Nein”, zur sommerlichen Diskussion innerhalb der CDU möchte Ronald Pofalla doch lieber nichts sagen. „Als Generalsekretär hätte ich ja, aber als Kanzleramtsminister geht das gar nicht”, schmunzelt der 52-Jährige. Mit Parteipolitik hat der Besuch in der Kupferstadt auch nichts zu tun.

Seit fast zwei Jahren ist der Jurist nicht mehr Generalsekretär, sondern Bundesminister für besondere Angelegenheiten im Kanzleramt. Und es ist dem engsten Mitarbeiter von Bundeskanzlerin Angela Merkel ein besonderes Anliegen, hinter die Kulissen des ältesten Familienunternehmens in Deutschland zu blicken. „Prym ist ein Synonym für tausende Betriebe in unserem Land, die die Wirtschaftskrise gemeistert haben”, erweist sich Pofalla als profunder Kenner der Lage in Stolberg.

Das wiederum hat wohl etwas mit der Union zu tun. Ronald Pofalla und Andreas Engelhardt kennen sich aus alten Zeiten bei der Jungen Union. „Wir kennen uns fast 30 Jahre”, bekennt Pofalla. Der Bundesminister aus Weeze und der Vorsitzende der Prym-Geschäftsführung aus Wuppertal sitzen Mitte der 80er Jahre gemeinsam im JU-Landesvorstand. Ihre Freundschaft besteht weiter, der Kontakt reißt auch nicht ab, als Pofalla in die Bundespolitik wechselt und Engelhardt nach einer Legislaturperiode im Landtag sich ganz auf die Industrie konzentriert und 2005 die Herausforderung in dem Stolberger Familienunternehmen annimmt. „Wir haben uns seitdem gelegentlich ausgetauscht”, sagt Engelhardt bescheiden.

Doch der Besuch des Kanzleramtsministers in Stolberg „im Mittelpunkt Europas”, so Pofalla, ist mehr als ein Freundschaftsbesuch. Er ist ein sichtbares Zeichen für den Aufschwung bei Prym und das Meistern der Schwierigkeiten durch die europäischen Kartellstrafen wie auch der Wirtschaftskrise - gemeinsam durch „unternehmerische Entscheidungen und der Beteiligung der Arbeitnehmer”, wie der Kanzleramtsminister unter dem zustimmenden Nicken von Betriebsratschef Ralf Radmacher betont.

Auch darüber hat Ronald Pofalla vor seiner Werksbesichtigung in zwei Runden einen intensiven Meinungsaustausch gepflegt - sowohl mit der Geschäftsführung wie auch mit den Arbeitnehmern-, Jugend- und Auszubildendenvertretung. Eine Strafe für die von der früheren Geschäftsführung getroffenen, verbotenen Kartellabsprachen musste sein, betont der Minister. Aber die europäischen Wettbewerbshüter haben dabei zu hoch gegriffen und damit die Zukunft des Unternehmens gefährdet. „Das hätte die Arbeitnehmer getroffen, die gar nichts dafür können”: Der Dank von Ronald Pofalla gilt allen, die daran mitgewirkt haben, die Zukunft der Prym-Gruppe wieder auf sichere Füße zu stellen.

Doch als nächstes rüttelte die Weltwirtschaftskrise an dem Stolberger Familienunternehmen. Die Verlängerung der Kurzarbeitregelung durch die Bundesregierung hat gehofen, diese Zeiten zu überwinden. Auch darüber haben Engelhardt und Pofalla häufig gesprochen. „Ich bin ein Anhänger der Sozialpartnerschaft”, stellt der Christdemokrat heraus. Einmal abgebaute Arbeitsplätze ließen sich nur schwierig wieder ersetzen.

Die Politik habe gute Rezepte gegen die Krise geboten. Nur für ganz kurze Zeit habe die Arbeitslosigkeit die Sechs-Millionen-Marke gekratzt, zumeist unter vier Millionen gelegen. Mit deutlich unter drei Millionen Arbeitslosen könne Deutschland heute die besten Zahlen seit 1992 aufweisen. Und dazu in diesem und wohl auch im nächsten Jahr das größte Wirtschaftswachstum der letzten beiden Jahrzehnte. An dem hat auch das Stolberger Traditonsunternehmen seinen Anteil.

„Ich bin beeindruckt, was hier geleistet und wie die Angebotspalette weiterentwickelt wird”, staunt Pofalla über das Stolberger Portfolio, das vom guten alten Druckknopf bis hin zu hoch modernen Anwendungen für die Elektronik- und Automobilindustrie reicht. Axel Wirthmüller und Franz Schmittmann nutzen die Gelegenheit, den Kanzleramtsminister bei einem Rundgang durch die Produktionsstätten mit den innovativen Entwicklungen der Unternehmenstöchter Fashion und Inovan vertraut zu machen. Und mit der Präzision, die die Produktion erfordert. Dabei kommt es auf eine Genauigkeit von wenigen µ, von Millionstel Teilen der Maßeinheit, an. Würde eine solche Qualität „made in Stolberg” nicht gewährleistet, würde es ins Geld gehen, macht Engelhardt klar.

Das gilt auch für die Lagerhaltung der Rohstoffe. Bei aktuellen Metallpreisen würde eine Überbevorratung ein schnelles Ende der Liquidität bedeuten. Klar, dass vor dem Hintergrund von Rohstoffpreisen und Wechselkurs-Abhängigkeit inbesondere an diesem Tag, an dem die Börsenkurse Achterbahn fahren, der Euro ein wichtiges Thema zwischen dem Kanzleramtschef und der Prym-Geschäftsführung sind. „Wir sind froh, das der Besuch trotz der aktuellen Ereignisse geklappt hat”, würdigt Engelhardt. „Wir müssen aufpassen, dass uns beim Aufschwung nicht wieder äußere Einflüsse dazwischen kommen.” Das hat auch Ronald Pofalla im Blick, der Deutschland als „den letzten echten Industriestandort in Europa” kennzeichnet.

Und das bedeute, dass auch im ländlichen Raum industrielle Arbeitsplätze erhalten bleiben müssen - „damit Menschen eben eine Arbeit finden können.” Von Akademikern mit hochbezahlten Beschäftigungsverhältnissen könne man zurecht eine hohe Mobilität erwarten, sagt Pofalla. Aber Menschen mit mittleren und unteren Einkommensklassen müssten in ihrem Umfeld auch die Möglichkeit finden können, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Und deshalb sei es auch wichtig, dass es mit Prym weiter aufwärts gehe. Und dass er die Gelegenheit nutzen konnte, sich mit Arbeitnehmervertretern wie auch der Geschäftsführung darüber auszutauschen, wie die Bundespolitik Unternehmensstandorte erhalten und stärken kann. Damit die Menschen auch in Zukunft vor Ort ihre Arbeit finden können.

Gesprächspartner des Kanzleramtsministers

In zwei Runden führte Ronald Pofalla Gespräche mit Vertretern der Prym-Gruppe. Von der Geschäftsführung nahmen Andreas Engelhardt (Vorsitzender), Jörg Fischer (Finanzen), Klaus Hilgert (Consumer), Siegfried Kübler (Inovan) und Tim Fischer (Syndicus) teil.

Die erweiterte Runde mit Arbeitnehmer-, Jugend- und Auszubildendenvertretern komplettierten Ralf Radmacher, Perta Oebel, Werner Cryns, Norbert Offermanns, Josef Oebel, Hans Brück, Mevlut Bardak, Daniel Zinken und Linda Gottfried.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert