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Prym Fashion baut in Stolberg 57 Stellen ab

Von: -jül-
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Die Produktion der Kleinserien wird nach Tschechien und Italien verlagert. Foto: J. Lange

Stolberg. „Wir können uns den IG-Metall-Tarif nicht mehr leisten“, hat Jens Waldau im vergangenen Jahr gesagt. Zu um etwa zehn Prozent niedrigeren Konditionen als die des Tarifes bietet die Prym-Geschäftsführung eine Arbeitsplatzgarantie für fünf Jahre an.

Zwei Mal gehen die Beschäftigen von Fashion im vergangenen Frühjahr auf die Straße, um für den Verbleib im Flächentarifvertrag der IG Metall inklusive einer Lohnerhöhung einzutreten. Im Juli einigen sich Betriebsrat und Unternehmensleitung.

Der Tarifvertrag , der Ende kommenden März regulär ausläuft, gilt weiter. Während sich Martin Peters, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall, von den nun neu auszuhandelnden Konditionen weitere Verbesserungen für die Belegschaft bei Prym erhofft, widerspricht bereits vor einem halben Jahr Waldau diese Hoffnungen. Er spricht von strukturellen Problemen in der Branche; die Entwicklung von Umsätzen, Marktpreisen sowie die Kosten für Material und Personal ließen keine rosigen Zeiten erwarten. Und vor diesem Hintergrund habe die Geschäftsführung begonnen, nach Möglichkeiten zur Reduzierung von Kosten zu suchen.

Gefunden wurden sie in einer Optimierung der Produktion. Und dies hat Konsequenzen für den Standort Stolberg. Fashion möchte an der Zweifaller Straße 57 Arbeitsplätze abbauen. Das bestätigt Geschäftsführer Waldau gegenüber unserer Zeitung, nachdem die Belegschaft informiert wurde. Die ist entsetzt. „Wir werden die Vorstellungen des Arbeitgebers nicht als unumstößlich hinnehmen“, sagt Werner Cryns. „Es gibt Alternativen, da wir wissen, dass das operative Ergebnis des Unternehmens in den vergangenen beiden Jahren positiv war“, betont der Betriebsratsvorsitzende von Fashion.

„Wir müssen Kosten reduzieren, um langfristig erfolgreich zu sein“, hält Waldau dem entgegen. Und das macht er neben anderen Aspekten vor allem fest an der Produktion von Kleinserien. Die sei an der Zweifaller Straße nicht rentabel. „Die Struktur des Werkes in Stolberg ist auf die Produktion großer Mengen ausgelegt“, sagt der 50-Jährige. Und Masse soll auch weiterhin hier gefertigt werden. Die kleinen Serien aber, die einen großen Aufwand für die Anpassung des Maschinenparks erforderten, die sei wesentlich einfacher und kostenrechnender in Italien und Tschechien zu beherrschen.

Insbesondere das Werk in Lecco, aber auch das in Budweis, biete geradezu ideale Voraussetzungen für solche Spezialitäten. „Dieses Potenzial müssen wir einfach aus wirtschaftlichen Gründen ausschöpfen“, sagt Waldau und verweist auf die im vergangenen Juli geschlossene Vereinbarung mit Betriebsrat und Gewerkschaft. „Wir hätten nicht nach Alternativen für Stolberg suchen müssen, wenn die Belegschaft unserem Vorschlag zu einer fünfjährigen Arbeitsplatzgarantie knapp unterhalb der Bestimmungen des Tarifvertrages gefolgt wäre“, betont Waldau.

„Dieser Vorschlag war zu diesen Bedingungen einfach nicht hinnehmbar“, erklärt Peters. Und auch jetzt erkennt der IGM-Bevollmächtigte einen Verstoß gegen das Betriebsverfassungsgesetz. Der Arbeitgeber habe erst jetzt den Wirtschaftsausschuss – Betriebsrat und IG-Metall-Vertreter – informiert, dass er beabsichtige, eine Betriebsänderung mit erheblichem Personalabbau durchzuführen. Unter dem Stichwort „Konzept Fabrik 2017“ werde aber eine Betriebsänderung proklamiert, über die der Betriebsrat rechtzeitig und umfassend bereits bei der Planung hätte informiert und einbezogen werden müssen, „damit er gegebenenfalls Argumente für den Erhalt von Beschäftigung einbringen kann“, beschwert sich Cryns. Das stehe in Paragraph 111 des Betriebsverfassungsgesetzes. „Dieser gesetzlichen Verpflichtung ist der Arbeitgeber aber nicht nachgekommen, da er uns bereits ein fertig ausgearbeitetes Konzept präsentiert hat“, konstatiert der Betriebsratsvorsitzende von Fashion am Standort Stolberg.„Das Unternehmen will Personal abbauen und Fertigung verlagern, obwohl Fashion Ergebnis bringen kann“. Und gegen dieses Vorhaben werde die Belegschaft zu Felde ziehen.

Und während die Fashion-Geschäftsführung mit den Arbeitnehmern möglichst zügig zu einer Einigung über einen „Arbeitsplatzabbau, der so sozialverträglich wie möglich“ erfolgen soll, kommen möchte, setzt der Betriebsrat auf die Beauftragung eines Sachverständigen, der das „Konzept Fabrik 2017“ genau auf seine Plausibilität prüfen soll.

„Wir setzen für den kommenden Prozess auf zwei Slogan gegen das Vorhaben der Arbeitgeber“, erklärt Martin Peters: „Mensch statt Marge“ und „besser statt billiger“.Das bedeute, so der IG Metaller, dass man das Unternehmen Prym an seine soziale Verantwortung gegenüber den Beschäftigten erinnern wolle und dass man Gegenkonzepte erarbeiten werde.

„Wenn man schon ein operatives Ergebnis in Stolberg bei Fashion hat, dann kann man das nicht auf Kosten der Mitarbeiter noch weiter erhöhen wollen, indem man Existenzen von Menschen dafür aufs Spiel setzt“, kritisiert Peters die Unternehmenspolitik und ergänzt: „Falls soziale Verantwortung für ein Unternehmen noch ein Wert ist“.

Das Programm „besser statt billiger“ beinhalte, dass die Belegschaft nicht nur an die soziale Verantwortung appellieren wolle, sondern auch in die inhaltliche Diskussion mit dem Arbeitgeber eintreten möchte. Betriebsrat und IG Metall beabsichtigen mit einem von ihnen beauftragten Unternehmenssachverständigen ein Gegenkonzept erarbeiten lassen, dass der Maxime „besser statt billiger“ folge.

Und dann greifen Cryns und Peters die Argumentation von Jens Waldau auf, warum heute der Abbau von 57 Arbeitsplätzen auf der Tagesordnung steht: „Man soll uns nur ja nicht damit kommen, dass die Tariferhöhungen Schuld an den Verlagerungsgedanken wären“, sagt Metall-Funktionär. „In Italien gibt es auch Tarifverträge“, ergänzt der Betriebsratsvorsitzende, „und unser Unternehmen war operativ in den zurückliegenden beiden Jahren auch mit Tarifgehältern ertragskräftig.“

Es seien die illegalen Preisabsprachen einer früheren Geschäftsführung gewesen, die das Unternehmen an den Rand des Abgrundes gebracht hätten, und an den dafür durch die EU festgesetzten Strafen, die heute noch das Schicksal des Familienunternehmens belasten würden. „Jahrelanger Verzicht auf wesentliche Tarifbestandteile wurde der Belegschaft zur Kompensation aufgezwungen“, sagt Cryns und macht deutlich, dass die Belegschaft einen erheblichen Anteil zur Bewältigung der Krise beitrage. „Aber heute, wo wir seit zwei Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben, soll über ein Viertel der Belegschaft auf die Straße gesetzt werden. Ist das der Dank seitens Gesellschaftern und Geschäftsführung?“

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