Aachen/Stolberg - Prym-Enkel lässt Millionen-Mercedes einkassieren

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Prym-Enkel lässt Millionen-Mercedes einkassieren

Von: Robert Esser und Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
68 Jahre war der Prym-Mercedes
68 Jahre war der Prym-Mercedes 500K Roadster verschollen. Dann tauchte er in den USA wieder auf, wo ihn ein niederländischer Oldtimer-Sammler für knapp 3,8 Millionen Dollar ersteigerte. Jetzt will die ehemalige Eigentümer-Familie Prym aus Stolberg die Luxuskarosse wiederhaben - und ließ das Fahrzeug per Einstweiliger Verfügung in Essen beschlagnahmen.

Aachen/Stolberg. Unter einem guten Stern stand der Deal wohl nicht. Dabei hatte Frans van H. vor nicht mal einem Jahr einen ganz besonderen Fisch im Sardinenstädtchen Monterey an der kalifornischen Küste an Land gezogen: Der niederländische Oldtimer-Sammler angelte sich einen Mercedes 500 K Roadster, Baujahr 1935.

Eine Luxuslimousine mit Acht-Zylinder-Motor, fünf Litern Hubraum und mit 160 PS, die das Cabriolet damals auf bis zu 160 Stundenkilometer beschleunigte.

Heute dürfte Frans van H. auf 180 sein. Mindestens. Denn nachdem der Multimillionär aus Holland den exquisiten Wagen für knapp 3,8 Millionen Dollar bei einer Versteigerung des renommierten US-Hauses „RM Auctions” erstanden hat, ist er ihn jetzt schon wieder los - ohne einen Cent dafür eingefahren zu haben. Denn die Enkel der Stolberger Unternehmensdynastie William Prym GmbH und Co. KG haben das Schmuckstück beschlagnahmen lassen, das als eines der kostbarsten Mercedes-Modelle der Geschichte gilt.

Michael Prym kann belegen, dass das Gefährt seinem Großvater Hans Friedrich Prym gehörte. Es sei in den Wirren des Kriegsendes von einem Amerikaner gestohlen worden. Jetzt will er den Mercedes 500 K Roadster zurück nach Stolberg holen - 68 Jahre nach Kriegsende, und deutlich wertvoller als damals.

Eingefädelt wurde die Heimkehr der rollenden Kostbarkeit von der Aachener Kanzlei Stein & Partner. Rechtsanwalt Alexander Martius war über Pryms „Google-Alert” auf die bevorstehende Auktion in Monterey im September 2011 aufmerksam geworden.

Diese Internet-Funktion löst Alarm aus, wenn speziell vorgegebene Worte irgendwo auf der Welt online in Texten auftauchen - in diesem Fall der Name „Prym”. Martius reagierte sofort: „Ich habe das Auktionshaus angeschrieben und den Besitzanspruch der Erbengemeinschaft Prym reklamiert”, erklärt er.

In der Expertise zum Mercedes stand, dass die Herkunft des Fahrzeugs bis Anfang der 70er-Jahre unbekannt sei. Doch Martius kannte die Geschichte seines Mandanten Michael Prym. Sein Großvater, Hans Friedrich Prym, hatte nicht nur mit der Weiterentwicklung des Druckknopfs ein Nähartikel-Imperium aufgebaut, sondern auch eine Vorliebe für elegante Luxuskarossen. Zu seinem Fuhrpark zählte der Mercedes 500 K Roadster. Der damalige Preis lag bei 15.000 Reichsmark, nach heutigen Verhältnissen etwa 100.000 Euro.

Nach Angaben der Prym-Enkel stand das Auto in den letzten beiden Jahren vor seinem Verschwinden bis zum Herbst 1944 in einer unscheinbaren Werkstattgarage an der Zweifaller Straße in Stolberg. Dort hatte Prym es erfolgreich vor dem Zugriff der Nazis versteckt.

Als jedoch amerikanische Soldaten nach ihrem Einmarsch die „Villa Waldfrieden” der Familie Prym besetzten und dort in der Nähe des Werksgeländes ihr Quartier einrichteten, wurde die teure Karosse, damals noch in edlem Grün-Metallic lackiert, entdeckt und laut Martius quasi über Nacht gestohlen. Als die Alliierten abzogen und Prym in sein Heim zurückkehrte, war der Wagen weg.

„Im Sommer 1945 verliert sich die Spur des Fahrzeugs. Bis 2011 war es für die Erben von Hans Friedrich Prym spurlos verschwunden”, erläutert Martius. Und dann also Monterey. Doch die Amerikaner zeigten sich von Martius rechtlicher Einlassung unbeeindruckt. „RM Auctions” gab dem Niederländer Frans van H. den Zuschlag für knapp 3,8 Millionen Dollar.

Tausende Kilometer entfernt, in Aachen und Stolberg, ahnte man da noch nicht, welch dramatische Wendung die Geschichte nehmen sollte. Der Sammler aus Holland witterte offenbar ein Riesen-Geschäft; er überführte den Mercedes in seine Firma „Surplus” - was so viel wie Überschuss oder Mehrbetrag bedeutet.

Und dann leistete sich Frans van H. seinen entscheidenden Fehler. Er ließ das Fahrzeug, das längst knallroten Lack trägt, im April auf der Oldtimer-Show „Techno Classica” in Essen präsentieren - und von einem Hamburger Raritäten-Händler zum Verkauf anbieten: für satte 4,9 Millionen Euro.

Per Zufall bekamen Prym und Martius Wind von dem neuen Deal - diesmal aber auf deutschem Boden. Der Anwalt zögerte nicht, schaltete das Amtsgericht Essen ein, erwirkte eine Einstweilige Verfügung und schickte eine Gerichtsvollzieherin auf die Automesse, um den Wagen zu beschlagnahmen.

Unter lautem Protest des Händlers wurde der Wagen abtransportiert und in Düsseldorf in einer Hochsicherheitsgarage - eine Art Auto-Safe - eingelagert. Niemand hat Zugang - weder Frans van H. noch Michael Prym. Zu dieser Zeit machte der Krimi um die spektakuläre Beschlagnahmungsaktion der deutschen Justiz bereits Schlagzeilen in den Niederlanden und den USA. Doch jetzt bestätigte das Landgericht Hamburg in erster Instanz den Besitz-Anspruch der Prym-Erben.

Eine Version der Prozessgegner, dass womöglich ein US-Soldat das Fahrzeug 1945 von Prym gekauft oder beschlagnahmt habe, wurde als unglaubwürdig eingestuft. Martius will nun - ebenfalls in Hamburg - im Hauptverfahren auf Rückgabe des Mercedes 500 K Roadsters klagen, dessen Wert in 68 Jahren fast um das 50-fache stieg.

Michael Prym zeigt sich zuversichtlich: „Das Urteil werte ich als eine eindeutige Trendmeldung und als Bestätigung des Eigentumsanspruchs der Erben”, sagte er unserer Zeitung.

Und Anwalt Martius sieht für Geschäfte mit historischen Luxusautos dramatische Folgen - wie vor Jahren bei Raub- und Beutekunst-Prozessen: „Die ganze Oldtimer-Szene wird aufgeschreckt. Das hat ungeheure Sprengkraft.” In Leipzig hat ein Kollege von Martius gerade einen Horch aus Riga entdeckt...

Der teuerste Mercedes kam für 9,7 Millionen Dollar unter den Hammer

Der Mercedes 500 K wurde laut Fachliteratur in den Jahren 1934 bis 1936 gebaut. In der Kompressor-Version stieg die Leistung des Acht-Zylinder-Motors von 100 auf 160 PS (118 kW). Die Höchstgeschwindigkeit des Roadsters betrug 160 Stundenkilometer. Versteigert wurde das Fahrzeug in den USA für knapp 3,8 Millionen Dollar.

Damit ist der Prym-Mercedes allerdings nicht der teuerste Benz aller Zeiten. Laut dem amerikanischen Auktionator „RM Auctions” brachte man in den USA einen Mercedes 540 K Spezial Roadster, Baujahr 1937, für 9,7 Millionen Dollar unter den Hammer. Der Eigentümer ist unbekannt.

Das Stolberger Unternehmen Prym in nach eigenen Angaben das älteste Familienunternehmen Deutschlands und eines der ältesten der Welt. Die Firmengeschichte reicht zurück bis ins Jahr 1530. Prym zählt heute weltweit rund 3900 Mitarbeiter und geriet in den vergangenen Jahren wegen unerlaubter Preisabsprachen mit Wettbewerbern in die Schlagzeilen.

Prym hatte sich über viele Jahrzehnte - unter anderem - als Produzent von Näh- und Handarbeitsartikeln sowie Knopfsystemen auf dem Weltmarkt behauptet. Michael Prym schied vor einiger Zeit aus der aktiven Geschäftsführung aus.

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