Prym-Arbeitsplätze für sieben Jahre sicher

Von: Sarah-Lena Gombert
Letzte Aktualisierung:
13178290.jpg
An der Zweifaller Straße in Stolberg hat das traditionsreiche Unternehmen Prym seine Zentrale. Jetzt haben sich Geschäftsleitung, Belegschaft und die Industriegewerkschaft Metall auf einen Tarifvertrag geeinigt, der für die kommenden sieben Jahre gilt. Foto: S.-L. Gombert
13178293.jpg
Zufrieden mit dem Tarif: Martin Peters, IG Metall (von links), Stefan Hansen, Prym-Geschäftsführung, und Jürgen Federau vom Betriebsrat.

Stolberg/Alsdorf. Gute Nachrichten für die Prymaner in Stolberg und Alsdorf. Die Geschäftsleitung der Prym-Gruppe hat sich mit der Industriegewerkschaft (IG) Metall und der Belegschaft nach sechsmonatigen Verhandlungen auf einen neuen Zukunftstarifvertrag geeinigt. Am Donnerstagmorgen sind die wichtigsten Eckpunkte des neuen Haustarifs vorgestellt worden.

Demnach wird es an den beiden Standorten Stolberg und Alsdorf in den kommenden sieben Jahren keine betriebsbedingten Kündigungen geben. Generell soll auch in sieben Jahren noch eine signifikante Mitgliederzahl in Stolberg und Alsdorf verbleiben, mindestens 70 Prozent der heute 500 Stellen sollen auch in Zukunft bestehen.

Außerdem werden alle Veränderungen im Flächentarifvertrag der Metall- und Elektroindustrie künftig auch automatisch im Haustarifvertrag bei Prym gelten, wenn auch mit einer Verzögerung von elf Monaten. Im Gegenzug verzichten die Beschäftigten auf ein Fünftel ihres Urlaubs- und Weihnachtsgelds. Es sollen bis zu 30 Prozent mehr Auszubildende eingestellt werden.

Stefan Hansen, Geschäftsführer Personal und Finanzen der Prym-Gruppe, Martin Peters, erster Bevollmächtigter der IG Metall Stolberg, und Jürgen Federau, Vorsitzender des Standortbetriebsrats, zeigten sich beim Pressegespräch zufrieden mit dem ausgehandelten Ergebnis.

Es kehrt Ruhe ein im Werk

„Wir sind froh, dass wir durch den Zukunftstarifvertrag Ruhe in den Betriebsablauf bekommen werden“, sagte Martin Peters von der IG Metall. Bislang musste in Stolberg und Alsdorf jährlich neu verhandelt werden, ob im Prym-Haustarifvertrag Änderungen aus dem Flächentarifvertrag übernommen werden.

Erst zu Beginn dieses Jahres hatte es wieder Streitigkeiten um den Tarifvertrag gegeben. Die Belegschaft hatte sich damals vehement gegen die Abkopplung des Stolberger Familienunternehmens vom Flächentarifvertrag gewehrt. Der Gewerkschafter betonte weiterhin, dass es sich bei dem Zukunftstarifvertrag um einen für die Industrie außergewöhnlich langfristigen Vertrag handle.

„Uns war jetzt besonders wichtig, dass wir bei den Verhandlungen um den neuen Vertrag die komplette Belegschaft in Stolberg und Alsdorf mitnehmen“, betonte Betriebsrat Jürgen Federau im Gespräch mit unserer Zeitung. So wurden die Beschäftigten über die Verhandlungsschritte stets auf dem Laufenden gehalten.

Und alle vier Gesellschaften, das sind Prym Fashion, Inovan, Consumer Europe und die Holding, haben separat über das Ergebnis abgestimmt. „Und es hat sich gezeigt, dass die Prymaner solidarisch miteinander sind.“ In allen Gesellschaften habe sich ein großer Teil der Belegschaft für den neuen Tarifvertrag ausgesprochen.

„Wir glauben an die beiden Standorte Alsdorf und Stolberg“, sagte Stefan Hansen aus der Geschäftsführung. Das Unternehmen befinde sich in einer wirtschaftlich guten Lage. Von den Rückschlägen in den 2000er Jahren, dem Nadelkartell (siehe Infobox) und auch der Wirtschaftskrise habe man sich wieder erholt.

Prym hat sich im neuen Tarifvertrag auch dazu verpflichtet, zu investieren. „Das tun wir aber auch unabhängig von diesem Vertrag“, betonte Hansen. Für die Fashion GmbH wurden beispielsweise Ansetzmaschinen angeschafft. „Damit können unsere Kunden unsere Knöpfe an ihren Produkten anbringen. Und den Service und die Wartung bieten wir auch“, erklärt Hansen. Auch soll bald in den Erhalt der Gebäude am Standort Alsdorf investiert werden.

Die Konkurrenz im Nacken

Die Sparte Fashion war in den vergangenen Monaten aus betriebswirtschaftlichen Gründen restrukturiert worden. 57 Arbeitsplätze wurden, wie die IG Metall erklärte, sozialverträglich abgebaut. Arbeitsplätze wurden in ein Werk in Italien verlagert, es gab eine betriebsbedingte Kündigung. „Aber auch Fashion ist aus den Tarifverhandlungen gestärkt hervorgegangen“, so Stefan Hansen. 182 Mitarbeiter gibt es derzeit noch bei Prym Fashion in Stolberg und Alsdorf.

Die Prym Group sieht sich, so erklärte Stefan Hansen, einem immer stärkeren weltweiten Wettbewerb ausgesetzt. Um die Umsätze zu steigern und damit auch die Standorte über die sieben Jahre hinaus zu halten, investiert die Geschäftsführung auch im Bereich der Digitalisierung. „Mit unseren Produkten im Bereich Fashion befinden wir uns nicht gerade in einem Markt, in dem die Umsätze automatisch steigen“, so Hansen.

Um den Absatz in der Consumer-Sparte zu steigern, befassen sich die Prymaner verstärkt mit dem Marketing und Vertrieb über digitale Kanäle. Das ist deshalb sinnvoll, weil mehr jüngere Leute das Nähen für sich entdeckt haben. Klassischerweise sei die Prym-Kundschaft jedoch weiblich und älter, erklärt Hansen. Aber: „Wir profitieren natürlich schon davon, dass es momentan diesen Do-it-yourself-Trend gibt“, sagt er. Doch wie nachhaltig solche Trends seien, wisse man nicht.

Mit beispielsweise Näh-Sets, die den Kunden nicht nur das Werkzeug, sondern gleich ein ganzes Paket mit allem, was sie zur Herstellung eines Kleidungsstücks brauchen, an die Hand geben, sollen auf niedrigschwelligem Niveau neue Näh-Fans gewonnen werden. Auch in der Prym-Akademie, die nicht nur den Werksverkauf beheimatet, gibt es regelmäßig Kurse, um jüngeren Menschen das Handwerk Nähen zu vermitteln.

Auch den Nachwuchskräften will Prym das eigene Unternehmen in Zukunft wieder näherbringen, „damit aus den jungen Kollegen echte Prymaner werden, auch wenn ‚nur‘ sie in einer der vier Gesellschaften beschäftigt sind“, sagt Jürgen Federau vom Betriebsrat.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert